So zocken Betrüger ahnungslose Bürger ab

Nordoberpfalz. Pakete, die niemals ankommen werden, falsche Polizisten, die Bürger in Angst und Schrecken versetzen und angebliche Enkel, die der Oma per WhatsApp die Euros aus der Tasche ziehen wollen. Die Methoden der Ganoven werden immer dreister und haben mittlerweile eine neue Qualität erreicht: Trickbetrug 2.0.

Oft nutzen die Betrüger die digitalen Kommunikationskanäle, um ihre Opfer abzuzocken. Foto: Pete Linforth/Pixabay

Die Kriminellen sind längst auf den Digitalisierungszug aufgesprungen und nutzen alle Kommunikationskanäle, um ahnungslosen Bürgern Geld abzuknöpfen. Teilweise, das weiß man bei der Zentralen Geschäftsstelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart, werden dabei die Opfer sogar um ihre Lebensersparnisse gebracht. OberpfalzECHO ist den aktuell gängigsten und fiesesten Betrugsmaschen auf den Grund gegangen.

Nicht aufs Glatteis führen lassen

Eigentlich wollte er seiner Tochter eine Weihnachtsfreude machen. Sie hatte sich ein neues i-Phone gewünscht. Im Netz wurde Papa fündig. Und das Angebot war obendrein noch verlockend: Das Mobiltelefon war um rund 150 Euro günstiger als anderswo. Der Mann bestellte und überwies eine erste Rate. Doch das i-Phone kam nie an.

Sein Geld hatte er aber wenigstens wieder zurückbekommen, weil er die sichere „Geld senden für Waren und Dienstleistungen“-Zahlungsoption des Online-Bezahldienstes Paypal gewählt hatte. Er hatte also aufgepasst und sich nicht vom Verkäufer aufs Glatteis führen lassen. Der hatte ihm dringend empfohlen, mit der Paypal-Variante „Freunde und Familie“ zu bezahlen.

„Freunde und Familie“ kann zur Falle werden

Bei der Polizei in Tirschenreuth häufen sich mittlerweile die Anzeigen von Kunden, die über die Paypal-Option „Freunde und Familie“ das Geld überwiesen aber im Gegenzug die bestellte Ware nie bekommen haben. Die Gelackmeierten sind in diesem Falle die Besteller selber. „PayPal geht in dem Fall nicht von einem Verkauf, sondern von einem Austausch zwischen zwei guten Bekannten aus“, heißt es bei der Polizei in der Kreisstadt.

Das Geld ist unwiederbringlich futsch, Paypal übernimmt keine Haftung und auch der Käuferschutz greift nicht. Ist keine Ware unterwegs, ist kein Verkauf zustandegekommen. Und die Polizei warnt davor, sich von den dubiosen „Verkäufern“ unter Druck setzen zu lassen. Nicht selten werde behauptet, dass bei der Zahlungsoption „Freunde“ die Ware schneller verschickt werde. „Das ist schlichtweg eine dreiste Lüge“, heißt es bei der Polizei. Und sie rät: Hände weg von dieser Bezahloption, wenn man den Verkäufer nicht kennt.

Paketankündigung per Fake-SMS

Die Kreativität der Kriminellen scheint keine Grenzen zu kennen. Gerade in Corona-Zeiten, in denen der Internet-Handel boomt und Millionen von Paketen unterwegs sind, kursiert eine ganz besonders fiese Masche. Vermeintliche Zusteller teilen per Fake-SMS mit, dass eine Sendung verschickt wurde. Sie fordern den Empfänger dazu auf, einen Link anzuklicken, wo dieser den Ablageort des Pakets erfahren soll.

Oder der Empfänger soll den Paketversand über den Link einfach nur bestätigen. Die Folgen dieser „vergifteten“ SMS können unterschiedlich sein, erklärt man bei der Verbraucherzentrale Bayern: „Manche locken Verbraucher in eine Abofalle, andere greifen persönliche Daten ab oder versuchen Schadsoftware auf das Smartphone zu bringen.“

Der miese Enkeltrick

Betrüger geben sich gerne auch als Polizisten aus, um an Bargeld oder an andere Wertgegegenstände zu kommen. Erst kurz vor dem Jahreswechsel hatten verstärkt im Raum Regensburg Kriminelle mit dieser Masche telefonisch ihr Unwesen getrieben. Besonders ältere Menschen wurden und werden dabei irregeführt. Ihnen wird vorgegaukelt, dass ein naher Verwandter in ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren verwickelt ist und er jetzt dringend finanzielle Hilfe braucht, um zum Beispiel einen Anwalt zu bezahlen. „In einem Fall ist tatsächlich Bargeld übergeben worden“, meldet die Regensburger Polizei.

Eine besonders hinterhältige Form des Betrugs ist der sogenannte Enkeltrick. Ähnlich wie beim falschen Polizisten haben es die Ganoven auf das Geld ihrer Opfer abgesehen. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen Betrüger bei meist älteren und allein lebenden Personen an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Mittlerweile versuchen die Kriminellen auch immer öfter über WhatsApp den Kontakt zum Opfer herzustellen.

Kriminelle täuschen Notlage vor

Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Computerkauf. Die Lage wird immer äußerst dringlich dargestellt. „Oft werden die Betroffenen durch wiederholte Anrufe unter Druck gesetzt. Sobald das Opfer zahlen will, wird ein Bote angekündigt, der das Geld abholt“, weiß man bei der Zentralen Geschäftsstelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes in Stuttgart.

Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht parat, wird er gebeten, sofort zur Bank zu gehen und dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter großzügigerweise sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht mehr zu Fuß bewältigen kann. Auf diese Weise haben Enkeltrick-Betrüger den Geschröpften schon fünfstellige Eurobeträge abgeluxt und sie teilweise um ihr ganzes Erspartes gebracht.

Scammer ziehen Gefühlsmasche ab

Abzockfallen lauern auch bei Online-Partnerbörsen oder in sozialen Netzwerken. Sogenannte Scammer sind dort auf der Suche nach Opfern, denen man das Geld aus der Taschen ziehen kann. Stück für Stück werden sie von den Kriminellen emotional eingeseift. Danach wird zugeschlagen: Es wird um Geld für eine bevorstehende Operation eines Angehörigen, oder um finanzielle Überbrückung gebeten, weil die Lohnzahlung ausgeblieben ist. Die Opfer öffnen bereitwillig ihr Portemonnaie. „Sie können gar nicht mehr anders, weil sie von ihrem Internet-Partner schon emotional abhängig sind“, wissen die Stuttgarter Präventionsexperten.

Die Polizei bittet Betroffene zur Vorsicht! So könnt ihr euch schützen:

  • Keine persönlichen Daten oder Informationen zu finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnissen herausgeben. 
  • Kein Bargeld und keine Wertgegenstände an Unbekannte übergeben und keine Unbekannten in die Wohnung lassen. 
  • Bei einem solchen Anruf umgehend mit der Polizei oder mit einer Person eures Vertrauens in Verbindung setzen. Besonders vorsichtig sein, wenn Zeitdruck erzeugt oder Geheimhaltung gefordert wird.
  • Angehörige werden gebeten, insbesondere alleinstehende, ältere Verwandte auf die Masche der Betrüger hinzuweisen.

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