Sportwetten – die unterschätzte Gefahr

Nordoberpfalz. Die Fußball-Europameisterschaft verspricht, das sportliche Highlight des Jahres zu werden. Doch während sich viele auf nervenaufreibende Spiele und sportliche Höchstleistungen freuen, darf man nicht vergessen: Sport ist ein Milliardengeschäft – insbesondere für die Anbieter von Sportwetten.

Symbolbild: Pixabay

Die Big Player machen immense Umsätze. Sie locken Millionen von Menschen in ihre Wettbüros und auf ihre Websites, versprechen viel Spaß beim Wetten und natürlich schnelle und hohe Gewinne. Doch hinter diesem vermeintlichen Spaß verbirgt sich eine ernsthafte Gefahr.

Konrad Landgraf, Geschäftsführer der Landesstelle Glücksspielsucht in Bayern (LSG) und Suchtexperte, warnt: „Sportwetten sind nichts anderes als Glücksspiel – sie sind gefährlich, weisen ein hohes Suchtpotenzial auf und vermitteln vor allem jungen Menschen den Eindruck, sie könnten mit Wissen über Sport dauerhaft gewinnen.“ Doch dieser Schein trügt, betont Landgraf: „Den Ausgang eines Fußballspiels kann man nicht vorhersagen, ein Gewinn ist nicht garantiert, und die Verluste sind kaum begrenzbar. Mit Sportwetten geht der eigentliche Spaß am Sport verloren, denn wirklich guter Sport braucht keine Wetten.“

„Für echten Sport. Ohne Abzocke.“

Aus diesem Grund wurde auch das Bündnis gegen Sportwetten-Werbung (BgSwW) ins Leben gerufen. Es setzt sich für eine weitestgehende Einschränkung von Sportwettenwerbung ein und hat sich das Motto „Für echten Sport. Ohne Abzocke.“ auf seine Fahne geschrieben. Landgraf betont: „Die LSG ist natürlich Mitglied im BgSwW.“

Auch beim Thema Spielerschutz kritisiert Landgraf die Glücksspielanbieter. Häufig wird dieser von den Anbietern nicht oder nicht ausreichend umgesetzt. Daher mahnt der Suchtexperte von Anfang an zu einem besonnenen Umgang mit Sportwetten und dem eigenen, hart verdienten Geld.

Professionelle, kostenlose und anonyme Hilfe

Glücksspielsucht ist ein ernstes Problem, wie aktuelle Zahlen zeigen. Allein die Anzahl der Menschen mit einer Störung durch Glücksspiel (Glücksspielsucht) wird in Deutschland auf rund 1,4 Millionen geschätzt. „Wer ein glücksspielbezogenes Problem entwickelt, wird aber nicht allein gelassen“, sagt Landgraf. In Bayern bietet die LSG an 22 Standorten Fachstellen für Glücksspielsucht an und hat über 50 weitere Anlaufstellen im Kompetenznetzwerk gelistet.

Dort finden Menschen mit einer Glücksspielproblematik sowie deren Angehörige professionelle, kostenlose und anonyme Hilfe. Die LSG informiert die Öffentlichkeit über die Sucht und bietet neben den klassischen Beratungsstellen vor Ort auch internetbasierte Hilfeangebote wie die Online-Beratungsplattform PlayChange sowie die Websites Verspiel nicht dein Leben und Verspiel nicht mein Leben für Betroffene und Angehörige. Ein neues Projekt der LSG ist streetwork.gambling, das digitale Streetwork in Internet-Foren und verschiedenen sozialen Medien betreibt.

Auch in Weiden gibt es die Fachstelle für Glücksspielsucht für Menschen, die Probleme mit übermäßigem Glücksspiel entwickelt haben und deren Angehörige. Beraterin Eva Vitzthum warnt: „Besonders junge, sportaffine Menschen und Vereinsmitglieder werden durch Sportwettenwerbung angesprochen und haben ein erhöhtes Risiko in die Glücksspielabhängigkeit abzurutschen.“

Fachstelle für Glücksspielsucht Weiden

Betroffene finden bei der Fachstelle unter der Telefonnummer 0961/39890150 oder per E-Mail an beratung@caritassuchtambulanz-weiden.de Hilfe.

Die Selbsthilfegruppe Glücksspielsucht für Betroffene und Angehörige findet mittwochs in den ungeraden Kalenderwochen von 17 Uhr bis 18.30 Uhr im Caritas Sozialzentrum statt.

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