Stadtwerke Weiden erhöhen Gaspreis massiv: „Das hatten wir noch nie“

Weiden. Die gute Nachricht: Drei Viertel der Kunden bleiben bis Ende des Jahres von höheren Preisen verschont. Die schlechte Nachricht: Der Rest muss ab 1. Juli massiv mehr zahlen. Und die zweite schlechte Nachricht: Ab 2023 wird es für alle teurer.

Das Gaspreise werden für den Endverbraucher massiv teurer. Symbolbild: Pixabay

Rund 30 Euro pro Monat – soviel muss ein Weidener Normalhaushalt mit 13.000 kWh pro Jahr Erdgasverbrauch mehr bezahlen. „Das ist jenseits jeglicher Vorstellungskraft“, sagt Christine Melischko von den Stadtwerken Weiden. Sie zeigt die Entwicklung der Gaspreise in einer Grafik: Seit 2016 bis Ende 2021 verläuft da eine Linie gemütlich im unteren Niveau, die plötzlich rasant nach oben schnellt und immer wieder ausschlägt. Melischko wirkt, als könne sie es selbst nicht fassen. „Das hatten wir in dieser Form noch nie“, schüttelt sie den Kopf. Die Preise auf dem Weltmarkt haben dramatische Auswirkungen auf die Endkunden: „Wir müssen die Preise um ein Maß anheben, wie wir es noch nie hatten.“

Kein Preisanstieg für Großteil bis Ende 2022

Johann Riedl, Vorsitzender des Weidener Kommunalunternehmens, betont: Der Preisanstieg treffe noch nicht den Großteil der Haushalte. „Für fast drei Viertel unserer Gas-Kunden bleiben die Preise bis zum Ende der Laufzeit am 31.12.2022 konstant.“ Das sind immerhin rund 4.900 Haushalte. Für 1.800 Kunden, die einen Vertrag mit kürzeren Laufzeiten besitzen, wird es bereits zum 1. Juli teuer.

Soviel müssen die Kunden der Grund- und Ersatzversorgung mehr zahlen. In diesem Tarif gelten kürzere Kündigungsfristen. Ändern sich kurzfristig die Preise, wirkt sich das auch auf die Tarife aus. Doch auch Kunden mit einem „Sondervertrag“ mit zwölfmonatiger Laufzeit müssen wohl ab 2023 mehr zahlen. Grafik: Stadtwerke Weiden

Verantwortlich für die Preiserhöhung sind vor allem die hohen Kosten für Beschaffung und Vertrieb des Erdgases. Hier hätten sich die Preise verdreifacht. Dadurch steige auch die Mehrwertsteuer, dazu komme der CO₂-Preis. Die Weltmärkte seien extrem nervös, was den Gaspreis anbelangt, berichtet Melischko. Wie das alles weitergehe, wisse niemand. Experten aus der Branche vermuteten, dass sich der Gaspreis frühestens in einem Jahr stabilisiere. Alles andere sei „Kaffeesatzleserei“.

„Staatliche Hilfen für die Bürger sind nötig“

Dass die Endkunden nun so stark belastet werden, bedauern Melischko und Riedl. Um die hohen Kosten für Gas abzufedern, investiere man stark in erneuerbare Energien, etwa durch die Solarparks in Tännesberg und Hütten. Doch die extreme Vervielfachung des Erdgaspreises könnten nicht allein die Stadtwerke kompensieren. „Staatliche Hilfen für die Bürger sind nötig“, fordern Melischko und Riedl.

Die Frage von OberpfalzECHO, ob die Stadtwerke Entwicklungen im Energiesektor verpasst hätten, verneinen die Stadtwerke-Mitarbeiter. Die Preisentwicklung an den Energiemärkten sei für niemanden vorhersehbar und kalkulierbar gewesen. Zudem konzentriere man sich bereits seit 2012 auf den Ausbau erneuerbarer Energien.

Sind selbst überrascht von dem rasanten Preisanstieg und fordern staatliche Hilfen für Endverbrauche: Johann Riedl, Vorstand der Stadtwerke und Christine Melischko, Bereichsleitung Verwaltung. Bild: Beate Luber

Doch die Politik müsse da mehr unterstützen, betont Riedl. Investitionen in Windparkprojekte zahlten sich nicht aus, da der Bürokratieaufwand zu hoch sei und der Widerstand aus der Bevölkerung immens, wie etwa das gescheiterte Windradprojekt in Muglhof zeige. „Da muss sich die Politik einfach entscheiden. Wollen wir Windkraft, oder wollen wir sie nicht.“

Abhängigkeit vom russischen Erdgas

Erdgas zählt neben Mineralöl zu den wichtigsten Energielieferanten in Deutschland. Wo das Gas herkommt, das die Weidener Kunden beziehen, wissen nicht einmal die Stadtwerke selbst. Das Kommunalunternehmen beziehe bei 12 unterschiedlichen Lieferanten. Melischko sagt, sie hätte mal versucht herauszufinden, woher das Gas kommt, habe jedoch von den Lieferanten keine Antwort erhalten. Sie hielten sich da extrem bedeckt. Bundesweit bezog Deutschland 2020 rund 55 Prozent des Erdgases aus Russland, laut Angaben der Bundeszentrale der politischen Bildung, die in diesem Artikel die Abhängigkeit von russischem Erdgas erklärt.

Bereits Ende des Jahres 2021 gab es einen Peak. Danach hat sich der Gaspreis nicht stabilisiert, und erhöht sich wieder seit dem Krieg in der Ukraine. Grafik: Stadtwerke Weiden

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