Stadtwerke Weiden zünden Stufe 1 der Gaspreis-Erhöhung für November und Dezember

Weiden. Die Stadtwerke Weiden als Grundversorger konnten durch langfristige Lieferverträge die Gaspreise für Kunden mit Sonderverträgen lange stabil halten. Aufgrund der Preisexplosion sieht sich aber auch die städtische Tochter ab November gezwungen, die Preise anzuheben.

Fordern staatliche Hilfen für Endverbrauche: Johann Riedl, Vorstand der Stadtwerke und Christine Melischko, Bereichsleitung Verwaltung. Bild: Beate Luber

Allein die Börsenpreise sprächen eine deutliche Sprache. „Wir hatten seit Januar 2021 mehr als eine Verzehnfachung von 17 auf über 200 Euro – ohne Umlagen, Steuern und Netzentgelte“, erklärt stellvertretende Vorständin Christine Melischko.

Vorstand Johann Riedl verkündet deshalb für alle Gaskunden der Stadtwerke Weiden ab November eine deutliche Preiserhöhung. Sowohl Bestands- als auch Neukunden sind betroffen, solche mit Grund- als auch mit Sonderverträgen.

Zwei neue Umlagen

„Zum 1. Oktober werden zwei neue Umlagen eingeführt und eine bestehende Umlage wird erhöht“, erklärt Melischko. „Die Gasbeschaffungsumlage beträgt 2,419 Cent/kWh (netto) und die Gasspeicherumlage 0,059 Cent/kWh (netto) – das sind die neuen Umlagen.“ Die Bilanzierungsumlage erhöhe sich auf 0,57 Cent/kWh (netto) und die Konvertierungsumlage auf 0,038 Cent/kWh (netto).

Diese beiden Umlagen wurden bereits 2015 eingeführt. „Wir wissen, dass diese Preissteigerungen für unsere Kunden eine enorme Belastung bedeuten. Als Energieversorger können wir diese Umlagen aber nicht beeinflussen, und sie müssen daher von uns weitergereicht werden.“ Die Pleiteserie von Billiganbietern belaste auch die Stadtwerke. Diese hätten zwar bei unterschiedlichen Lieferanten drei bis vier Jahre im Vorfeld immer wieder Tranchen gekauft und bis jetzt den Vorteil genossen, noch auf diesem Level beziehen zu können.

Vier Preisstufen der Grundversorgung für Haushaltskunden. Grafik: Stadtwerke Weiden

Pleiteserie der Billiganbieter zwingt zu teurem Zukauf

„Keiner hat damit gerechnet, dass die vielen Wechsler von den insolventen Gas-Discountern alle im großen Stil zurückkommen“, sagt Melischko. „Deshalb brauchen wir jetzt größere Mengen als ursprünglich geplant, die wir wieder teuer an den Märkten nachkaufen müssen.“ Da die Grundversorgung verpflichtend sei, könne man keine Kunden abweisen. Für die Kunden bedeute das im Schnitt:

  • Geringverbraucher: Wer weniger als 3600 Kilowattstunden jährlich verbraucht, weil er oder sie etwa lediglich mit Gas kocht, fällt in Preis-Stufe 1. Für diese Klientel erhöht sich die Gasrechnung für die Monate November und Dezember um etwa 23 Euro.
  • Single-Haushalte: Sparsame Kunden in Appartements oder kleinen Wohnungen mit einem Verbrauch zwischen 3600 und 6666 Kilowattstunden monatlich fallen in Preis-Stufe 2. Bei einem gemittelten Jahres-Verbrauch von 5000 Kilowattstunden müssen sie für die Monate November und Dezember zirka 46 Euro mehr berappen.
  • Paare und kleine WGs: Diese mittlere Kategorie mit einem Jahres-Verbrauch zwischen 6666 und 13.260 Kilowattstunden fällt in Preisstufe 3. Bei einem Verbrauch von 10.000 Kilowattstunden schlägt die Preiserhöhung mit 92 Euro für die zwei Wintermonate zu Buche.
  • Familien: Eine Durchschnittsfamilie fällt in Preis-Stufe 4, die ab 13.260 Kilowattstunden Gas pro Jahr beginnt. Bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden im Jahr werden für die beiden letzten Monate des Jahres Mehrkosten von 190 Euro fällig.
Vier Preisstufen für Kunden mit Sondervertrag im Vergleich. Grafik: Stadtwerke Weiden

Nächste Teuerung Im Januar: Auch für Strom

Ab Januar müssen die Stadtwerke-Kunden mit einem weiteren Preisanstieg rechnen, weil der Anteil des teuren Gases sukzessive steigt. „Im November werden wir den Anstieg für den Jahresanfang 2023 bekannt geben“, sagt Melischko. Dann kommt auch ein höherer Strompreis auf die Verbraucher zu.

Über die Höhe der erneuten Teuerung will Vorstand Johann Riedl nicht spekulieren: „Wir fahren auf Sicht.“ Zu viele Unbekannte steckten in dieser Gleichung. Noch streitet die Politik über die Ausgestaltung der Gasumlage und über die Art und Höhe möglicher Entlastungen für unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.

Blackout-Risiko Heizlüfter

Apropos Strom: Gibt es auch einen Notfallplan, wenn Tausende Haushalte im Winter ihre Heizlüfter anwerfen? „Das Bayernwerk hat Notfallpläne“, sagt Melischko. „Heizlüfter haben alle 2 kW“, warnt Riedl. „Wenn es zu einer Überlastung kommt, müssen die Verbraucher ihre Dinger abschalten, sonst können wir das Netz nicht wieder hochfahren.“

Auch Melischko weist eindringlich darauf hin, dass das Heizen mit Strom keine kluge Alternative ist: „Das kostet bei den ebenfalls um den Faktor 10 gestiegenen Börsenstrompreisen auch viel Geld.“ Heizlüfter in einzelnen Räumen anzustellen, ohne sich über den Verbrauch Gedanken zu machen, sei keine gute Idee. „Ich muss mich fragen: Brauche ich wirklich in jedem Raum 23 Grad oder reichen im Schlafzimmer nicht auch 16 Grad – das würde schon viel helfen.“

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