Stimmkreis Tirschenreuth: SPD schickt ihre Kandidaten mit viermal 100 Prozent ins Rennen

Erbendorf. Dieses Ergebnis könnte in die Annalen des SPD-Kreisverbands eingehen: Geschlossen wie selten schicken die Sozialdemokraten des Stimmkreises 307 ihre vier Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtags- und Bezirkstagswahl ins Rennen.

Sie gehen für den Stimmkreis 307 Tirschenreuth ins Rennen um die Landtags- und Bezirkstagswahl im kommenden Jahr (von links): Martin Gallersdörfer (Wahlkreiskandidat Landtag), Brigitte Scharf (Stimmkreiskandidatin Bezirkstag), Karolina Forster (Wahlkreiskandidatin Bezirkstag) und Landtagskandidat Karl-Georg Haubelt. Foto: Udo Fürst

Den Delegierten blieb nach Brigitte Scharfs humorigem Appell am Ende ihrer Bewerbungsrede – „reißts eich gfälligst zamm bei der Wahl“ – gar nichts anderes übrig. Und so fiel das Votum im Hotel Aribo dann auch aus: Ausnahmslos einstimmig wählten die Delegierten der SPD-Ortsvereine des Stimmkreises 307 (Landkreis Tirschenreuth und elf Orte aus dem westlichen Landkreis Neustadt/Waldnaab) die vier Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtags- und Bezirkstagswahl im Herbst 2023. Jeweils 50 Stimmen bekamen Karl Georg Haubelt aus Wiesau als Stimmkreisbewerber (Direktkandidat) für den Landtag, Brigitte Scharf aus Erbendorf als Stimmkreisbewerberin (Direktkandidatin) für den Bezirkstag sowie Martin Gallersdörfer aus Erbendorf und Karolina Forster aus Eschenbach als Wahlkreisbewerber/in (Listenkandidaten/in) für den Land- und Bezirkstag).

Einmütig wie selten wählten die Delegierten ihre Kandidaten für Land- und Bezirkstagswahl. Das Foto zeigt allerdings nur die Zustimmung zur Tagesordnung; die Kandidatinnen und Kandidaten mussten natürlich geheim gewählt werden. Foto: Udo Fürst

„Besser als bei der CSU“

Die beiden Uli’s – Grötsch, MdB, und Roth, SPD-Kreisvorsitzender – wollten denn auch ihre Genugtuung und Freude über dieses „beeindruckende Ergebnis“ nicht verhehlen. „Das ist schon mal viel besser gelaufen als bei den Kollegen der CSU“, konnte sich Roth einen Seitenhieb auf die Kreis-CSU und ihren heftigen Streit um die Bezirkstagskandidatur nicht verkneifen. „Wir können stolz sein auf solche Kandidaten“, sagte der Unterbezirksvorsitzende Grötsch. Scharf und Haubelt seien aufrechte Demokraten, absolute Fachleute und in der Oberpfalz bestens bekannt und vernetzt. „Das sind zwei Sozialdemokraten vom Feinsten.“

„Starke Entlastungspakete“

In seiner Begrüßungsrede hatte Bezirksvorsitzender Ismael Ertug gesagt, dass es an der Zeit sei, die Regentschaft der „ausgemergelten CSU“ in Bayern zu beenden. „Söder zeigt bei der Energiekrise ständig mit dem Finger auf Berlin, vergisst aber, dass Bayern es ist, das jährlich 22 Millionen Tonnen oder 40 Prozent seines Gases aus Russland bezieht.“ Die CSU verhindere seit Jahren den Ausbau der Erneuerbaren Energien und tue jetzt so, als seien alle anderen Schuld an der Misere. Ertug lobte die Entlastungspakete der Regierung mit einem Volumen von weit mehr als 100 Milliarden Euro. „Das wäre ohne SPD nicht möglich gewesen.“ Er erinnerte daran, dass der Öffentliche Personennahverkehr Ländersache sei. „Bayern hat 1,9 Milliarden Steuermehreinnahmen erzielt. Es wäre nur fair, wenn man einen Teil davon den Bürgern zugutekommen lassen würde.“

Leidenschaftliche Rede

Mit einer leidenschaftlichen Bewerbungsrede begeisterte Karl-Georg Haubelt die Delegierten. Der 57 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt lehrt an der Verwaltungshochschule Hof und ist seit 2008 Mitglied der Landessynode in Bayern sowie seit 2014 im Landessynodalausschuss der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. 2013 wurde er zudem Leiter des Akademischen Auslandsamtes der Hochschulen in Bayern. Geboren in Amberg und aufgewachsen im Landkreis Schwandorf, wo er auch schon für die SPD aktiv war, kam er „der Liebe wegen“ vor vier Jahren nach Wiesau. Haubelt ist dreifacher Vater und spricht fünf Sprachen. Mitglied in der SPD ist er seit 1979 und in der Gewerkschaft ist er seit 1984. „Ich bin Sozialdemokrat mit Leib und Seele. Die SPD war schon immer und bleibt immer meine Familie.“

Gruppenbild mit Kandidatinnen und Kandidaten. Foto: Udo Fürst

„Jedes Fass Bier“

„In Bayern gibt es so viele Baustellen, dass Söder eigentlich gar keine Zeit haben sollte, ständig mit dem Finger auf andere zu zeigen“, sagte der Landtagskandidat. „Seine Blutgrätschen in Richtung Bundesregierung sind peinlich und aus der Luft gegriffen.“ Dagegen sei die Hilflosigkeit der Staatsregierung in Sachen Sozialpolitik, Bildung, Umweltschutz oder Infrastruktur beschämend. Es gäbe im Freistaat so viel zu tun, aber der Ministerpräsident „reist lieber durch die Lande und sticht jedes Fass Bier an, das nicht schnell genug das Weite sucht.“ Für seinen Vortrag erntete Haubelt sogar Standing Ovations.

Volksnah und direkt

Nicht weniger beeindruckte Bezirkstagskandidatin Brigitte Scharf die Delegierten. Mit ihrer bekannt volksnahen und direkten Art hatte die Rentenspezialistin den Saal bei ihrem Heimspiel schnell hinter sich. Zunächst brachte sie den Delegierten den Bezirk, „das unbekannte Wesen“ näher. „Es weiß fast niemand, was der macht.“ Der Bezirk sei Träger öffentlicher Einrichtungen, die für das soziale, wirtschaftliche und kulturelle Wohl der Bevölkerung sorgen. Dazu gehöre unter anderem die Frühförderung, Förderschulen oder ambulante Wohneinrichtungen. Auch in diesen Einrichtungen müsse man einen erschreckenden Pflegekräftemangel feststellen. Scharf: „Einrichtungen für Behinderte zu schließen, geht gar nicht.“

Für ihre Partei hatte Brigitte Scharf noch einen Rat parat: „Wir sind eine Säule der Demokratie und sozial ist in diesem Land nur die SPD.“ Die Partei müsse aber ihre Erfolge besser verkaufen. „Denn wir haben viel vorzuweisen.“

Die Wahlkreisbewerber

Landtag:

Martin Gallersdörfer, Erbendorf, 40 Jahre, Zollbeamter, verheiratet, zwei Kinder

Bezirkstag:

Karolina Forster, Eschenbach, 41, Fachlehrerin, verheiratet, drei Kinder

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