Strahlende Kinderaugen im Cockpit

Immenreuth. Leuchtende Kinderaugen im Advent sind an sich nichts Außergewöhnliches. Doch an diesem Tag strahlten die Augen der Mädchen und Buben vom SOS-Kinderdorf noch etwas heller als sonst. Mit dem Besuch eines Flugsimulators war den Organisatoren eine Riesenüberraschung geglückt. Was gibt es Aufregenderes als in einem Cockpit Platz zu nehmen und ein fast echtes Flugzeug zu steuern?

Von Udo Fürst

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Ein Flug über die Allianz-Arena? Im Flugsimulator war das für die Mädchen und Buben kein Problem – Bilderbuchlandung inklusive.

Natürlich war es für die Zehn- bis Dreizehnjährigen ein unvergessliches Erlebnis, einen Flugsimulator zu bedienen. „Das hat sich so angefühlt, als würde man wirklich fliegen“, sagt die zwölfjährige Christina während ihrer Flugrunden über der Allianz Arena und dem Voralpenland. Danach klappt sie die Landeklappen aus, setzt „ihren Flieger“ wieder sanft auf die Landebahn und legt die Bremsen ein. Die anderen Kinder klatschen Beifall angesichts dieser Bilderbuchlandung. Für den 13-jährigen Tim war das Fliegen „ein ganz cooles Gefühl“. Ermöglicht hat dieses Erlebnis Irene Markgraf, die Stiftungsratsvorsitzende der Rainer-Markgraf-Stiftung. „Mit solchen Impulsen wird die Jugend insofern gefördert, dass sie Anregung und Motivation für die eigene Berufslaufbahn entwickelt“, sagt die Initiatorin. Das ist auch Helge Heggblum wichtig, dem Simulator-Kapitän aus Hamburg. Er möchte die Kinder für die Fliegerei begeistern und ganz nebenbei für Leistung und die Schule motivieren.

Beflügelt in den Unterricht in Englisch und Physik

Unter Heggeblums Anleitung starteten die Kinder mit dem Flieger am Flughafen München und drehten ausgiebige Runden über schönen bayerischen Landschaften mit Städten, Feldern, Flüssen und Seen. Die „Piloten“ flogen verschiedene Flugmanöver und Kapitän Helge erklärte verständlich, warum ein Flugzeug überhaupt fliegt und dass es – mit Ausnahme von menschlichen Fehlern – gar nicht abstürzen kann. Für die Kinder war das Physikunterricht in der gelebten Praxis. Beim Funkverkehr wurde nachvollziehbar, weshalb es sich lohnt, im Englischunterricht gut mitzulernen. Der Simulator der Firma eventFLIGHT gmbH von Helge Heggblum aus Hamburg ist ein echtes Cockpit eines Ultra-Leicht-Flugzeuges. Es ist auf einer beweglichen Plattform montiert, so dass es sich entsprechend der Steuerung des „Piloten“ bewegt. Damit wird echtes Fluggefühl garantiert.

„Für unsere Kinder und Jugendlichen waren diese beiden Tage eine riesige Überraschung. Das Fliegen hat ihnen richtig Spaß gemacht und es war wunderschön, die begeisterten Kinderaugen zu sehen.“, sagt Holger Hassel, der Leiter des SOS-Kinderdorfes Oberpfalz. Ganz nebenbei setzte diese wunderbare Aktion einen guten Impuls für das schulische Lernen: „Denn auch wenn nicht jeder Pilot werden möchte, so wurde deutlich, wo im Leben Physik, Mathematik und Englisch angewendet werden. Die Kinder erlebten im spaßvollen, praktischen Tun, dass es sich lohnt, in der Schule gut aufzupassen und wofür sie lernen“, so der Sozialpädagoge. Und so war es auch. Die Kinder saßen hochkonzentriert am Steuerknüppel und bekamen Wissenswertes aus der Fliegerei und den Naturwissenschaften erklärt.

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Praktisch sehen, wofür man in der Schule lernt. Auch wenn die Kinder mal keine Flugpiloten werden, so werden sie Englisch und Physik ab jetzt vielleicht besser aufpassen wollen.

Bürgermeister Heinz Lorenz, früher selbst ein SOS-Kinderdorfkind, hat für die Vorführung die Mehrzweckhalle zur Verfügung gestellt. Er weiß wovon er redet, wenn er sagt: „Das ist eine klasse Sache, die Kinder kommen raus aus dem Alltag und erleben etwas Abwechslung.“ Die Kinder bekämen so auch das Gefühl‚ „ich bin doch etwas Besonderes.“

Nach der geglückten Landung stiegen die Kinder mit leuchtenden Augen und einem Strahlen im Gesicht aus. Eines ist sicher: So schnell werden die Jungen und Mädchen ihren Flug nicht vergessen. Für sie war es so ein bisschen auch vorweihnachtliche Bescherung im Advent. Und für die Initiatorin Irene Markgraf vielleicht ein Anstoß, vielleicht einmal selbst eine Flugschule zu besuchen, wie sie sagte.

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