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Süd-Ost-Link: Wider die Priorisierung der Wirtschaft

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Störnstein. Der Protest wächst. An der Widerstandseiche versammeln sich um die 100 Kritiker des Süd-Ost-Links, darunter viele Kommunalpolitiker, um nach den Probebohrungen auf noch nicht abgeernteten Feldern ihren Unmut über die Zerstörungen kundzutun.

Der Störnsteiner Bürgermeister Markus Ludwig macht seine Bedenken gegen die Stromtrasse deutlich. Foto: BI Neustadt/Weiden für eine dezentrale Energiewende

Die Gemeinde Störnstein sieht sich von der Trasse besonders betroffen und in ihrer Entwicklung eingeschränkt. Eine Darstellung des Kabelkanals in Originalgröße stößt auf großes Interesse.

Unter den Teilnehmern sind ein Vertreter der Regensburger Landrätin Tanja Schweiger (FW), die stellvertretende Neustädter Landrätin Margit Kirzinger (SPD), Kreis- und Stadträte verschiedener Parteien aus Cham, Weiden und Neustadt/WN, die Anrainer-Bürgermeister Markus Ludwig, Robert Lindner und Rudolf Schopper, und der Zweite Bürgermeister aus Brennberg im Landkreis Regensburg, Franz Löffl. MdL Tobias Gotthart (FW) erwartet die Protestierenden später in Diepoltsreuth.

„Die Priorisierung der Wirtschaft geht mir auf den Sack.“

Der Sprecher der Bürgerinitiative Neustadt/Weiden für eine dezentrale Energiewende, Josef Langgärtner, zitiert Eckart von Hirschhausen: „Die Priorisierung der Wirtschaft geht mir auf den Sack.“ Das, so Langgärtner, sei auch die Meinung der Trassengegner. Langgärtner verweist auf zwei ganz neue Studien der Technischen Universitäten München und Berlin, denenzufolge eine hundertprozentige Versorgung Deutschlands mit erneuerbarer Energie möglich sei.

Aber „lobbygestützte Entscheidungen der Bundespolitiker“ verhinderten eine Neuberechnung des Stromnetzes unter diesen Bedingungen.

Langgärtner: „Fortwährende Zerstörung unserer Heimat“

Vor dem Hintergrund der jüngsten Zerstörungen durch Probebohrungen auf nassen Feldern beschreibt Langgärtner die, wie er sagt, „voraussehbaren Verwüstungen der Landschaft“ durch den Bau der Gleichstromtrasse. Durch die Abgrabungen auf einer Breite bis zu 50 Meter werde man die Landschaft nicht wieder erkennen.

Die neu beschlossene Paralleltrasse 5a sei ein weiterer Baustein der „fortwährenden Zerstörung unserer Heimat“. Denn diese Trasse solle nur mit Leerrohren gebaut und erst in fünf bis sechs Jahren mit Kabeln nachgerüstet werden. „Das bedeutet, dass dieselben Lkws wieder auf die Felder und Wiesen fahren müssen und die Verwüstung von vorne beginnt“, sagt Langgärtner. 

Hubert Meiler, betroffener Landwirt und Störnsteiner Gemeinderat, spricht von dem „Widerspruch des Inhalts der Hochglanzbroschüren Tennets zur Realität bei den Probebohrungen“. Die „Sub-Sub-Sub-Bohrunternehmer“ wüssten nichts von den Abmachungen, beführen wassergesättigte, erntereife Felder ohne Abstimmung mit den Bewirtschaftern und verursachten so große Flurschäden. 

Im Gemeinderat kommt das Thema wenige Tage später erneut zur Sprache. Bürgermeister Markus Ludwig sagt, er habe mit dem Netzbetreiber Tennet telefoniert, das Gespräch sei aber „wenig zielführend“ gewesen. Ludwig äußert Unverständnis darüber, dass man vor den Probebohrungen nicht die Ernte abgewartet habe. „Das gießt Öl ins Feuer“, sagt er. Seine Erfahrungen mit Tennet schildert er so: Der Netzbetreiber zeige jedesmal großes Verständnis, aber an seiner Vorgehensweise ändere sich dennoch nichts.

„Die Trasse macht Krebs. Denkt an eure Kinder.“

Karlheinz Schreiner (FW), ein erklärter Trassengegner, bezieht sich noch einmal auf den Vorfall, wonach ein Schlüssel eines der Bohrfahrzeuge gestohlen worden sei. Er unterstellt, der Schlüssel sei vermutlich verloren gegangen und daraufhin habe man behauptet, er sei gestohlen worden.

Wie zuvor Ludwig fragt er, warum man mit so schweren Fahrzeugen in Felder fahre, nachdem vorher 20 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen seien. Schreiner appelliert eindringlich an die Kollegen im Gemeinderat: „Wir müssen was tun, sonst haben wir das hinter unserem Rücken liegen.“ Schließlich sei erwiesen: „Die Trasse macht Krebs. Denkt an eure Kinder.“

Ludwig bringt noch einmal die Möglichkeit zur Sprache, Klage zu erheben.

Netzbetreiber bekundet kein Interesse an Einvernehmen

Peter Fleischmann (CSU) wendet ein, es sei sinnvoller, mit dem Netzbetreiber das Gespräch zu suchen, als einen unsicheren Rechtsweg zu beschreiten. Gleichzeitig erkennt auch Fleischmann, wie er sagt, dass der Netzbetreiber offenbar kein Interesse bekunde an gegenseitigem Einvernehmen, sondern vielmehr immer wieder deutlich zeige, dass er am längeren Hebel sitze.

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