Tempolimit: Alles andere als eine einfache Sache

Störnstein. Ein Tempolimit von 30 km/h entzweit den Gemeinderat Störnstein - und zwar haarscharf in der Mitte.

Tempo 30 am Kindergarten St. Franziskus: abgelehnt durch ein Patt von 6:6 Stimmen im Gemeinderat. Stattdessen werden Haifischzähne auf die Straße gemalt und Street Buddies aufgestellt. Foto: Gabi Eichl

Mit einem Patt von 6:6 Stimmen ist Tempo 30 in der Neustädter Straße am Kindergarten abgelehnt. Im Gespräch war auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung im gesamten Dorf.

Der Elternbeirat der Kindertagesstätte St. Franziskus wünscht sich eine Entschärfung der Verkehrssituation zwischen Kita und Friedhof. Eine Verkehrsschau mit der Polizei hat den Worten Bürgermeister Markus Ludwigs ergeben, dass ein weiteres Verkehrsschild nicht zielführend sei, ebenso wenig eine Geschwindigkeitsbegrenzung, die nicht konstant überwacht werde.

Haifischzähne statt Tempolimit

Ludwig spricht sich für eine Markierung mit den in der Straßenverkehrsordnung relativ neuen „Haifischzähnen“ aus, um die Rechts-vor-Links-Regelung deutlicher zu machen; zusätzlich könnten „Street Buddies“ aufgestellt werden, die bunten Plastikmännchen, die signalisieren sollen: Achtung, Kinder.

Von einer Geschwindigkeitsbegrenzung hält Ludwig nichts, wie er sagt; immerhin handle es sich bei der Neustädter Straße um die Hauptzufahrtsstraße.

Kindergartenpersonal blockiert die Parkplätze

FW-Sprecher Hubert Meiler schlägt vor, den Weg zwischen den Feldern zu verrohren, damit die Kindergärtnerinnen dort parken könnten. Denn diese belegten den ganzen Tag die Parkplätze an der Kita, so dass für die Eltern keine mehr übrig seien.

Meiler gehört auch zu den Befürwortern einer Tempo-30-Regelung rund um den Kindergarten; eine solche sei an den meisten Schulen in Weiden und im Landkreis üblich.

Schreiner: „Das hat mit 50 km/h nichts mehr zu tun“

Auch Beate Gmeiner (CSU) spricht sich für Tempo 30 aus. Man müsse doch alles tun, was möglich sei, um die Sicherheit rund um den Kindergarten zu erhöhen. Karlheinz Schreiner (FW) sagt, er kenne keinen Kindergarten, keine Schule anderswo, an der es kein Tempolimit gebe.

Und in der Neustädter Straße „da pfeifen die Leute mit einer Geschwindigkeit durch, das hat mit 50 km/h nichts mehr zu tun“. Ihm sei unbegreiflich, dass „wir da überhaupt rumdiskutieren“, es gehe schließlich um die Sicherheit von Kindern.

Vorschlag: Tempo 30 in der gesamten Ortschaft

Eka Reber (FW) plädiert ebenfalls für Tempo 30 – dann aber für das ganze Dorf, so sagt er. Denn er habe rund um den Kindergarten noch nie ein Chaos oder auffällige Raser gesehen, und er fahre oft am Kindergarten vorbei. Gmeiner regt an, in der nächsten Sitzung über Tempo 30 im ganzen Ort zu diskutieren.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung scheitert am 6:6 des Gemeinderates, denn ein Patt bedeutet „abgelehnt“, es bleibt somit bei den Haifischzähnen und den Street Buddies.

Sorge wegen gefährlicher Ausfahrt

Eine deutliche Geschwindigkeitsbeschränkung hätten sich mehrere Gemeinderäte auch bei einem anderen Fall vorstellen können, der ebenfalls Thema der Verkehrsschau war: Die Anwohner im Lanzer Weg 20 haben ein Problem mit ihrer Ausfahrt, die für Autofahrer nur schlecht zu erkennen ist.

Im Moment ist dort die Geschwindigkeit nicht beschränkt, allerdings erschwert der Straßenverlauf ein allzu hohes Tempo. Unmöglich ist das Rasen dort aber nicht; Otto Müller (FBL) spricht von „verrückten Motorradfahrern“, die an dieser Stelle mit 100 km/h vorbeidonnerten.

Das Problem: Das Anwesen liegt außerhalb der Ortschaften Störnstein und Lanz, die „verrückten Motorradfahrer“ durften bisher 100 km/h fahren. Die Polizei schlägt laut Ludwig vor, das verwitterte Gefahrenzeichen „Kurve“ zu erneuern und zusätzlich auf die „gefährliche Ausfahrt“ hinzuweisen.

Kompromiss: 70 km/h und Hinweisschild

Eine Mehrzahl der Gemeinderäte spricht sich in dem Fall für ein Tempolimit aus und einigt sich am Ende auf 70 km/h vor der Hofstelle. Schreiner hatte vorgeschlagen, dort pragmatisch Tempo 50 vorzuschreiben wie innerorts. Das werde jedoch außerorts nicht möglich sein, sagt Ludwig.

Meiler hält ein Limit schon wegen des zunehmenden Verkehrs durch das neue Baugebiet „Im Badgarten“ für sinnvoll. Der Gemeinderat einigt sich auf einen Kompromiss: Auch „verrückte Motorradfahrer“ dürfen dort fortan nur noch 70 km/h fahren und werden mittels Schild auf die Hofausfahrt hingewiesen.

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.