Theisseil verschiebt Sanierungsmaßnahmen, damit Gebühren nicht zu stark steigen

Letzau. Die steigenden Strompreise lassen die Kanalgebühren in der Gemeinde steigen. Statt 4,65 kostet der Kubikmeter Abwasser von Januar an 6,95 Euro. Ein politischer Preis, der Gemeinderat stellt dafür verschiedene Sanierungsmaßnahmen zurück.

Bürgermeister Johannes Kett verabschiedet den scheidenden CSU-Sprecher Florian Neumann (rechts) mit einem Blumenstrauß. Foto: Gabi Eichl

Die Verwaltung hatte dem Gemeinderat höhere Gebühren vorgeschlagen. Deren Kalkulation zufolge hätte es 7,05 Euro je Kubikmeter gebraucht, um nur die absolut notwendigen Sanierungsmaßnahmen kostendeckend umzusetzen, und 9,17 Euro, wenn nach realistischen Gesichtspunkten saniert würde.

Sanierungsmaßnahmen werden zurückgestellt

Die jetzt beschlossenen 6,95 Euro erkauft sich der Gemeinderat damit, dass er in den Ortsteilen Letzau und Edeldorf die anstehenden Sanierungsmaßnahmen bis 2026 verschiebt. Nur im Ortsteil Theisseil wird die Kanalsanierung für nicht ganz 190.000 Euro abgeschlossen. In Letzau und Edeldorf werden ausschließlich Kanalbefahrungen stattfinden, die zeigen sollen, wie groß die Schäden sind.

SPD-Sprecher Herrlein spricht von „Investitionsstau“

Der SPD-Sprecher Josef Herrlein beklagt einen „Investitionsstau“, der entstanden sei, weil „all die Jahre nichts gemacht“ worden sei. Dazu komme die schwierige Struktur der Gemeinde mit „einem der teuersten Entwässerungssysteme im Landkreis“. Bürgermeister Johannes Kett gibt Herrlein recht in dem Punkt, dass die Gemeinde Theisseil ihr Abwasser in allen Ortsteilen sehr aufwendig entsorgen müsse; überall seien Pumpwerke notwendig, die hohe Stromkosten verursachten.

Zweiter Bürgermeister: „Kommt Verschiedenes zusammen“

Einen „gewissen Investitionsstau“ räumt auch der Zweite Bürgermeister Karl Völkl ein, dieser sei aber „nicht riesengroß“. Da kämen mehrere Faktoren zusammen; Befahrungen in Wilchenreuth hätten gezeigt, dass auch durch Hausanschlüsse Beschädigungen am Kanal entstanden seien.

Problem Fremdwasser: 50 Prozent bei Trockenwetter

Gerhard Frank (FW) sagt, wichtig sei, in Theisseil möglichst schnell das viele Fremdwasser – Grund- und Niederschlagswasser – wegzubringen, das den Kanal unnötig belaste. Völkl schränkt ein, das allein werde keine übermäßig große Kosteneinsparung bringen. Das sieht Herrlein anders: In Theisseil habe man bei trockenem Wetter über 50 Prozent Fremdwasser im Kanal, „das ist schon ein Kostenfaktor“. Völkl schlägt vor, am Beispiel Wilchenreuth zu berechnen, wie hoch der Anteil des Fremdwassers sei; denn dieses habe man dort im Rahmen der Dorferneuerung weitgehend aus dem Kanalsystem gebracht.

Photovoltaikanlagen auf Pumphäuschen

Der Dritte Bürgermeister Karlheinz Mois regt an zu prüfen, ob man nicht auf die einzelnen Pumphäuschen Photovoltaikanlagen installieren könnte, um damit den hohen Strompreisen zu begegnen.

Fraktionen bedauern Rücktritt Florian Neumanns

Der CSU-Sprecher Florian Neumann hat sein Amt als Gemeinderat niedergelegt. Ein Schritt, der quer durch die Fraktionen bedauert wird. Nachrückerin ist die Vorsitzende des Vereinskartells, Kathrin Forster. Neumann, vielfach ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert, unter anderem als Vorsitzender der Feuerwehr, ist gerade erst als Nachfolger des Bürgermeisters zum Fraktionssprecher der CSU gewählt worden, nun verabschiedet er sich überraschend aus dem Gemeinderat. „Aus rein persönlichen Gründen“, wie er betont.

Mit dir konnte man immer sachlich diskutieren, du warst immer gut aufgelegt.

Gerhard Frank (FW)

Kett und mit ihm Vertreter aller Fraktionen machen deutlich, wie sehr sie das Ausscheiden Neumanns bedauern. Der Bürgermeister sagt, es falle ihm sehr schwer, den Weggefährten zu verabschieden; er lasse diesen „nur schweren Herzens gehen“. Völkl sagt wörtlich: „Du warst eine Bereicherung.“

„Rennstrecke“ Geistlicher-Rat-Hösl-Straße

Herrlein gibt ein Anliegen einiger junger Mütter weiter; demnach sei die Geistlicher-Rat-Hösl-Straße vom Feuerwehrhaus bis zur Sportheimstraße zur „Rennstrecke“ geworden, mit Kinderwagen fühle man sich dort nicht mehr sicher. Die Mütter wünschen sich laut Herrlein eine Beschränkung auf Tempo 30. Das Thema soll bei einer Verkehrsschau zusammen mit der Polizei erörtert werden. Eine andere „Rennstrecke“ sei die sanierte Durchfahrtsstraße in Wilchenreuth geworden, merkt Frank an.

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