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Tino Treptow findet in Eslarn seine „Traumbäckerei“

Eslarn. Der 34-Jährige ist mit seiner Familie von Mittelfranken in die Oberpfalz gezogen, um in dem Grenzort die Traditionsbäckerei Landgraf zu übernehmen.

Tino Treptow ist seit Anfang des Jahres neuer Eigentümer der Bäckerei Landgraf in Eslarn. Foto: Theo Kurtz

Genau auf die Uhr braucht Tino Treptow nicht zu schauen. 80 Arbeitsstunden bringt er locker in der Woche zusammen. Das macht dem 34-Jährigen noch nicht allzu viel aus. Er hat sich ja seinen Berufstraum erfüllt: Der Mittelfranke ist seit Anfang des Jahres stolzer Bäckereibesitzer.

„Bäcker wollte ich schon immer werden“, erzählt er. Schon als Schulbub half er in dem Betrieb in seinem Heimatort Pommelsbrunn mit. „Ach, ich habe dort alles möglich gemacht, sogar Plundergebäck glasiert“. Dort ist er auch in die Lehre gegangen. 15 Jahre hat er es ausgehalten. Dann kam Nachwuchs. Und Treptow wollte mehr Zeit für seine Familie haben. „Bei einer Sechs-Tage-Woche war das fast unmöglich.“ Der gelernte Bäcker und Konditor wechselte schweren Herzens die Branche und heuerte in einem Chemieunternehmen an. „Arbeitszeit, Geld alles hätte gepasst“, erzählt er. Nur eines nicht, der Job. „Ich habe die Backstube wirklich vermisst“.

Im Internet die Eslarner Bäckerei entdeckt

Doch die Treptows hatten einen Plan. Sie wollten sich mit einer eigenen Bäckerei selbstständig machen, am besten noch mit einem kleinen gemütlichen Laden dazu. Sie haben gesucht und gesucht und dann bei Ebay-Kleinanzeigen das Passende gefunden. Hans Landgraf hatte dort inseriert. Er suchte nach einem Käufer für seine Traditionsbäckerei in Eslarn. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seinen Beruf an den Nagel hängen. Seine Kinder hatten aber kein Interesse, den Betrieb weiterzuführen. „Wir haben uns den Ort und die Bäckerei angesehen und gesagt: genau das ist es“, erzählt Treptow.

Betrieb mit 180-jähriger Geschichte

Seit 4. Januar diesen Jahres sind die Treptows stolze Besitzer der Bäckerei Landgraf. Ein Handwerksbetrieb mit immerhin 180-jähriger Geschichte. Im Erdgeschoss befindet sich die Backstube und das kleine Ladengeschäft, in dem auch Ehefrau Elisabeth mit anpackt. Ansonsten kümmert sie sich noch um die Kassenabrechnung und die Buchhaltung. Im ersten Stock wohnt die vierköpfige Familie. Die Wege sind kurz. Wichtig für den 34-Jährigen, um sein strammes Arbeitspensum zu schaffen. Um 1 Uhr morgens steht er schon in der Backstube, bis 10.30 Uhr. Um 12 Uhr holt er das Töchterchen vom Kindergarten ab, und geht mit ihr dann zum Einkaufen.

Frisches Obst für die Kuchen

Er braucht täglich frisches Obst für seine hausgemachten Kuchen. „Bei mir gibts nix aus der Dose.“ Ab 16 Uhr wird der Bäcker zum Konditor. Treptow macht Torten und Kuchen nach eigener Rezeptur. Und dann ruft noch für ein, zwei Stunden das Büro. Um 20 Uhr ist für ihn Bettgehzeit. Sieben Tage, von Montag bis einschließlich Sonntag, geht das so. Er beliefert ja noch die Tankstelle mit frischen Semmeln und bestückt Brotzeitbuden, die gerade am Wochenende auf den vielen Festen in der Region im Einsatz sind, mit seinen Backwaren.

Treptows Leckereien sind gefragt

Der Landgraf-Nachfolger kommt bei den Leuten gut an. „Ich bekomme durch die Bank ein positives Feedback“, freut er sich. Die Kunden geben sich in dem kleinen Ladengeschäft am Marktplatz förmlich die Klinke in die Hand. Seine Produkte sind gefragt. Kein Wunder: Alles wird noch in Handarbeit und mit ausgewählten Zutaten hergestellt, Convenience-Produkte kommen ihm nicht in die Backstube. „Wenn meine Schwiegermutter zu Besuch ist, nimmt sie sich immer einen Vorrat mit“. Sie leidet an Allergien, seine Brote aber verträgt sie. Sogar das aufwändige Plundergebäck wird bei ihm noch ganz traditionell hergestellt.

Der 34-Jährige hat auch an seinen Sortiment gefeilt. Neu dazugekommen sind zum Beispiel Lebkuchen. „Die gingen im Winter weg wie die warmen Semmeln“, freut er sich. Auch Klassiker wie Apfel-, Mohn- oder Käsekuchen bereichern jetzt die Verkaufstheke.

Hohe Energiekosten machen das Wirtschaften schwer

Doch Tino Treptow plagen Sorgen. Die explodierenden Energiekosten machen ihm zu schaffen. Seine beiden Backöfen werden mit Heizöl befeuert. Zweimal hat er schon getankt, zuletzt 5.000 Liter zum Wahnsinnspreis von 8.000 Euro. Auch die Rohstoffe haben sich dramatisch verteuert.

„Von Januar bis Mai ist der Mehlpreis vier Mal erhöht worden“, erzählt er. Diese Kostenexplosion kann er nicht komplett weitergeben, nur ganz vorsichtig hat er seine Semmelpreise angepasst. Statt 35 kosten sie jetzt 40 Cent das Stück. Für ihn fast ein Draufzahlgeschäft. Dabei ist die Nachfrage nach seinen Backwaren enorm. „Ich habe Arbeit ohne Ende“, betont er. In der aktuellen Situation bedeutet das aber fast schon Schuften, ohne groß Gewinn zu machen.

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