Ukraine-Krieg: Oberpfälzer Firmen haben Angst um ihre Mitarbeiter

Regensburg. Russlands Überfall auf die Ukraine hat bei den Oberpfälzer Firmen, die Geschäftsbeziehungen zu den beiden Ländern haben, wie ein Blitz eingeschlagen. Laut Schätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Regensburg sind einige hundert Unternehmen im Kammerbezirk direkt davon betroffen. Der Schock sitzt tief. Die Sprachlosigkeit ist groß. Die Unsicherheit wächst. Kaum eine Firma kann und will sich zur aktuellen Lage äußern.

Der Krieg in der Ukraine trifft auch die Oberpfälzer Unternehmen. Einige hundert unterhalten Geschäftsbeziehungen zur Ukraine und zu Russland. Foto: OberpfalzECHO/Ukrainische Botschaft

Noch keine offizielle Stellungnahme gibt es bislang von der Geschäftsleitung der Schwandorfer Firma Horsch. Nur so viel: Man sei von der Situation überrascht worden und man müsse sich jetzt um die Sicherheit der Beschäftigten kümmern. Seit 2009 engagieren sich die Landmaschinenexperten in der Ukraine. Aufgrund der Top-Auftragslage wurde erst im Juni des vergangenen Jahres in der Nähe von Kiew ein neuer Standort eröffnet. Auf dem mehr als 14 Hektar großen Areal entstand auch ein 3300 Quadratmeter großes Gebäude mit Schulungszentrum und zentralem Ersatzteillager.

Wie Horsch scheint es aktuell vielen betroffenen Oberpfälzer Firmen zu gehen. „Die Betriebe haben derzeit in erster Linie die Unversehrtheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kriegsgebiet  sowie die notwendige Neuordnung ihrer betrieblichen Abläufe auf der Agenda“, betont der IHK-Pressesprecher Peter Burdack.

Panzer rollen durch den Ort

Mehr Einblicke in die aktuelle Situation gewährt man beim Maschinenbauer Holmer in Schierling. Das Unternehmen, das sich sich auf die Entwicklung und Produktion von Zuckerrübenvollernter spezialisiert hat, ist seit vielen Jahren in der Ukraine geschäftlich aktiv. Kein Wunder: das osteuropäische Land ist der neuntgrößte Zuckerrübenproduzent der Erde. In Butscha, einer 25 Kilometer nordwestlich von Kiew gelegenen Kleinstadt, unterhält Holmer ein eigenes Tochterunternehmen.

„Wir haben den Betrieb am 24. Februar geschlossen“, erzählt Sabina Buchner, die Marketingverantwortliche des Unternehmens. In der Nähe des Holmer-Standorts liegt ein Flugplatz, den die Russen als Erstes ins Visier genommen und beschossen haben. Panzer rollten auf ihrem Weg in Richtung Hauptstadt durch den Ort.

Beschäftigte fliehen in den Westen des Landes

Die allermeisten der 26 Beschäftigten sind entweder in den Westen des Landes geflohen, oder wurden, wie die Service-Monteure, bereits zum Kriegsdienst eingezogen. „Nur zwei unserer Mitarbeiter sind in Butscha geblieben“. Der deutsche Geschäftsleiter ist mit seiner ukrainischen Frau, der kleinen Tochter, der Schwiegermutter und dem Server mit den wichtigen Kundenkontakten im Auto nach Polen gefahren. Zuvor hatten sie sich zwei Tage lang im Keller versteckt, um die langen Schlangen vor den Tankstellen und Geldautomaten abzuwarten.

„Aber es hat eine Ewigkeit gedauert, bis sie in Sicherheit waren“, erzählt Sabina Buchner. Von Schierling aus versucht man den Kontakt zu den ukrainischen Mitarbeitern aufrecht zu halten. „Es wird aber immer schwieriger“, weiß die Marketingchefin. Was Sabina Buchner beeindruckt, ist der Stolz der Ukrainer. „Sie sind fest entschlossen ihr Land zu verteidigen und überzeugt davon, dass sie siegen werden.“

Situation in der Ukraine ist viel schlimmer

Seit eineinhalb Jahrzehnten liefert der Laaber Brauereichef Michael Plank seinen Gerstensaft in die Ukraine. Abnehmer sind Gaststätten, Supermärkte und Einkaufszentren. Viele seiner Geschäftspartner sind mittlerweile Freunde geworden. Er steht mit ihnen im Dauerkontakt. „Es ist noch viel, viel schlimmer, als wir hier über die Medien erfahren“, berichtet er. Wenn er mit ihnen telefoniert hört er im Hintergrund die Sirenen und die Explosion von Geschossen. Er weiß von den vielen Hamsterkäufen, bekommt mit, wenn seine Gesprächspartner sich gerade mal wieder auf den Weg in den Schutzbunker machen.

Brauereichef ist ratlos

Eine Flut von E-Mails mit der Bitte um Hilfe erreichen ihn jeden Tag. „Ich bin absolut ratlos.“ Ihn beschäftigt nicht nur das Leid der Menschen, sondern auch die Folgen des Kriegs für seinen eigenen Betrieb. Der Bier-Export in die Ukraine ist für ihn ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. „Man darf ja nicht vergessen, dass unsere Branche auch noch mit den Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat“, erläutert er. Sein größter Wunsch wäre, „dass dieser Kriegs-Wahnsinn schnell aufhört“.

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