Ukraine-Krise: Eine Übersicht

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert [Stand: 07.04.2022].

Nordoberpfalz. Die Krise, die zurzeit alle beschäftigt: In der Ukraine wurde der Kriegszustand ausgerufen. Russland hat begonnen, die Ukraine anzugreifen. Alle neuen Updates erfahrt ihr hier.

Kaum mehr Zweifel, dass Russlands Streitkräfte nicht nur in Butscha Kriegsverbrechen begingen. Laut Anatolij Fedoruk, Bürgermeister des Kiewer Vororts, seien fast alle getöteten Zivilisten erschossen worden – auch Frauen und Kinder. Dem ukrainischen Präsidenten zufolge sei die Lage in Borodjanka allerdings noch schlimmer.

Nach dem Rückzug russischer Truppen aus der nordukrainischen Stadt Borodjanka, 25 Kilometer von Butscha entfernt an derselben Ausfahrtstraße aus Kiew, sind dort nach ukrainischen Angaben dutzende Leichen in Wohngebieten entdeckt worden. „Allein aus den Trümmern von zwei Wohnblöcken wurden 26 Leichen geborgen“, schreibt die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa auf Facebook.

Ziel war die Zivilbevölkerung

In Borodjanka gebe es keine militärischen Einrichtungen, „ihr einziges Ziel war die Zivilbevölkerung“. Die Russen hätten Streubomben und schwere Mehrfach-Raketenwerfer-Systeme eingesetzt. Zivilisten seien getötet, gefoltert und vergewaltigt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nennt die Lage in dem Ort Borodjanka „deutlich schrecklicher“ als in Butscha.

Butschas Bürgermeister Anatolij Fedoruk sagte der Deutschen Welle, er selbst habe mehrere Fälle miterlebt, in denen russische Soldaten ukrainische Zivilisten getötet hätten. An einem Checkpoint hätten Russen das Feuer auf mehrere Autos eröffnet. In einem Wagen seien eine schwangere Frau und zwei Kinder getötet worden. „Das Wichtigste ist, die Verbrecher, die das getan haben, vor Gericht zu stellen.“

Russische Dementi nicht haltbar

Bundesregierungssprecher Steffen Hebestreit hatte am Mittwoch zu Berichten über Gräueltaten in Butscha gesagt, eine Auswertung von nicht-kommerziellen Satellitenbildern zeige, dass Opfer mindestens seit dem 10. März auf einer Straße gelegen hätten. „Glaubhafte Hinweise belegen, dass ab dem 7. März bis einschließlich 30. März russische Streit- und Sicherheitskräfte in diesem Gebiet eingesetzt waren.“

Sie seien mit der Befragung von Gefangenen befasst gewesen, die anschließend exekutiert worden sind. „Das sind die Erkenntnisse, die wir haben“, sagte Hebestreit. „Die von russischer Seite getätigten Ausführungen, es handele sich um gestellte Szenen und man sei nicht verantwortlich für die Ermordungen, sind aus unserer Sicht damit nicht haltbar.“

Russen suchen Ukrainer mit Todeslisten

Unterdessen verdichten sich Hinweise, dass die Opfer von Butscha offenbar gezielt ermordet wurden. Drei Tage vor Kriegsbeginn hatte die US-Regierung die Existenz von Todes-Listen mit Politikern und Militärangehörigen. Laut eines Berichts von Bild-Online habe sich der Name eines Mannes namens Mykhola (52) aus Butscha auf so einer Liste befunden. Überlebt habe er die wochenlange Besatzung nur, weil er sich mit seiner Frau auf dem Dachboden versteckt habe.

Mutmaßlicher Grund für seine Verfolgung: „Sie haben nach Leuten gesucht, die mit der ukrainischen Armee in Verbindung stehen, und wenn sie jemanden gefunden haben, haben sie ihn getötet. Mein Neffe ist in der Armee und die Schwester meiner Frau leistet ebenfalls ihren Dienst“, erzählt Mykhola. „Wir haben uns versteckt. Sie kamen insgesamt sechs Mal, um mich zu holen.“

Acht Kugeln in die Tür

Einmal hätten russische Soldaten acht Kugeln in die Tür geschossen, sie aufgebrochen und in der Küche herumgeschossen. „Wir schafften es, auf den Dachboden. Sie zerschlugen alles im Haus. Sie warfen auch eine Handgranate in unseren Keller.“ Hätten Freunde sie nicht gewarnt, wären Mykhola und seine Frau Viktoria (48) wohl nicht mehr am Leben: „Wir haben uns nicht in unserem Keller versteckt, weil wir schon gehört hatten, dass sie dort Granaten werfen. Also krochen wir auf den Dachboden. Es war minus sechs Grad kalt, wir blieben dort einen halben Tag. Wir hatten keine warme Kleidung.“

Mykhola sei auch Augenzeuge anderer Morde in seiner Nachbarschaft geworden – etwa an einer Familie mit zwei Kindern: „Sie (die Soldaten, Anm. d. Red.) waren auf dem Kinderspielplatz, haben sich betrunken und dann, ich weiß nicht wie und warum, haben sie diese Leute mitgenommen. Sie brachten sie raus, töteten sie und zündeten ihre Leichen an.“ Auch die mutmaßlichen Täter kann der Augenzeuge beschreiben. Die erste Welle der Besatzer sei am 6. oder 7. März gekommen. „Die war mehr oder weniger in Ordnung, sie hatten silberne Bänder an den Armen.“

Mörder mit roten Bändern

Vier Tage später sei eine andere Gruppe mit roten Bändern gekommen und habe begonnen zu wüten. „Es waren keine Burjaten (autonome Republik an der Grenze zur Mongolei, Anm. d. Red.), es waren Russen. Sie kamen zu uns, sie kannten meine Adresse, fragten unsere Nachbarn – wer sind diese Leute, die hier wohnen?“

Einem alten Mann aus dem Dorf sollen sie erzählt haben, sie seien aus Rjasan (Großstadt 200 km südöstlich von Moskau). Ob diese Angabe stimmt, ist derzeit Teil der Ermittlungen für die Dokumentation des Kriegsverbrechens von Butscha.

Putin macht, was Putin kann: drohen und um sich schlagen. Richtung Berlin spielt er natürlich die Gas-Karte und warnt vor Massenarbeitslosigkeit. In der Ost-Ukraine ließ der Kreml-Despot eine neue Offensive starten, um 30.000 ukrainische Soldaten in den Regionen Donezk, Luhansk und Charkiv einzukesseln.

Die verzweifelte Lage der Menschen dort veranlasste die ukrainische Regierung die Evakuierung von drei Millionen Einwohnern. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rechnet mit einem langen, zermürbenden Krieg, der „viele Monate oder sogar Jahre“ dauern könnte, wie er am Mittwoch, 6. April, am Rande eines Treffens der 30 Außenminister des Bündnisses sagte.

Russischer Ultranationalist Schirinowski tot

Der führende Vertreter der extremen Rechten in Russland, Wladimir Schirinowski (75) ist seiner Corona-Erkrankung erlegen. Zum letzten Mal hatte er am 27. Dezember breite Aufmerksamkeit mit einer Prophezeiung in der Duma erregt: „Um 4 Uhr am 22. Februar werden Sie es spüren. Ich möchte, dass 2022 friedlich ist. Aber ich liebe die Wahrheit, seit 70 Jahren sage ich die Wahrheit. Es wird nicht friedlich sein. Es wird ein Jahr sein, in dem Russland wieder groß wird.“

Die Vorhersage sollte sich als verblüffend genau erweisen. Putin ließ seine Truppen tatsächlich um 4 Uhr aufmarschieren . allerdings zwei Tage später, möglicherweise als Täuschungsmanöver nach diversen Besuchen westlicher Politiker. Schirinowski, der sechsmal als Präsidentschaftskandidat antrat, hatte auch wiederholt den Untergang der Ukraine als unabhängiger Staat beschworen.

Die Hand von Mutter Ira

Unter all den Bildern des Grauens, die uns aus Butscha erreichten, ragt eines heraus. Die Hand einer toten Frau. Rot lackierte Fingernägel, einer abgebrochen, ein Herz auf ihrem Ringfinger, mit Dreck beschmiert, in den Schmutz getreten. Ein Insta-Post ihrer Tochter entreißt sie jetzt dem Vergessen.

Iryna heißt die die Dame mittleren Alters, die vor dem barbarischen Überfall von Putins Mörder ein Leben wie Millionen andere Frauen weltweit führte. Ihre Tochter hat ihr ein Denkmal mit berührenden Worten errichtet. „Solange mein Herz lebt, wird es die Liebe, die du ihm gegeben hast, mit der Welt teilen. … Meine Mutter hat immer zu mir gesagt: Ol, lass uns erwachsen werden. Bin ich jetzt erwachsen, Mama? Du warst mir immer eine helfende Hand. Meine Freunde nennen dich immer noch: Mutter Ira.“

Eine Hand, die unterstützt, die Tränen wegwischt, beschreibt sie diese Hand im Schlamm. „Mama, ich weinte und niemand wischte, und ich weinte und schrie noch mehr … Ich dachte, du würdest mich hören und kommen. Heute bin ich zum ersten Mal ohne Tränen aufgewacht. Ich habe mich gefühlt wie ein weinendes Kind. … Mama, du hast mir so viel Liebe gegeben, du hast dir so viel Mühe gegeben, dass ich einfach kein Recht habe, es der Welt nicht zu zeigen. Mama, ich weiß nicht, ob es mir gelingen wird. Aber du hast immer gesagt, besser als du, wird es niemand können.“

Die Hand der toten Mutter Iryna. Bild: Instagram

Die Hand meiner Kundin

Eine andere junge Frau lässt ihren Tränen auf Insta freien Lauf: „Der Krieg hat mir wieder ein Stück aus dem Herzen gerissen … ein riesiges Stück … und dort Leere und Schmerz hinterlassen, viel Schmerz💔 Warum schreibe ich das? WEIL JEDER DIESE GESCHICHTEN KENNEN SOLLTE! Geschichten, wenn unschuldige Menschen getötet werden, wenn Menschen leiden, wenn die Welt UNFAIR UND GRAUSAM ist!

Ich fühlte sofort, dass mich dieses Foto verletzte und ich konnte nicht verstehen, warum. Die Frau auf diesem Foto, die durch die Ukraine, die Welt, alle sozialen Netzwerke geflogen ist, ist meine Kundin Iryna … die für Make-up-Stunden zu mir kam. Die letzte Sitzung war am 23. Februar.“

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