…und was hast Du so gemacht?

Flossenbürg. Während des Sommer Grand Prix schreibt Eric Frenzel über sein Leben als Nordischer Kombinierer, über Wettkämpfe, Heimatgefühle und Erfolge. Heute zu Thema „Wiedersehensfreude“.

Eric Frenzel Kolumne Sommer Grand Prix
Foto: picture alliance / Robert Schlesinger

Wenn man sich nach dem Weltcupwinter vier Monate nicht sieht, ist die Wiedersehensfreude riesengroß. Die Weltcup-Kombinierer sind wie eine große Familie. Der sportliche Aspekt steht im Hintergrund, wenn man sich das erste Mal nach langer Zeit wieder gegenüber steht. Die Lobby des Hotels, in dem die meisten Nationalteams untergebracht sind, wird zum Mekka der „…und was hast Du so gemacht?“-Fragen.

Von Motorrad-Touren und wildem Rafting

Der Franzose zeigt dem Norweger Schnappschüsse von seiner Motorrad-Tour in die Normandie. Der Norweger bringt dem Japaner, wie am Ende des Weltcupwinters versprochen, ein kleines Paket mit Brunost mit, ein norwegischer Bergbauern-Käse mit Karamellgeschmack. Zwei Schweden sitzen am Frühstückstisch und schwärmen vor meinem deutschen Teamkollegen Björn Kircheisen vom Rafting auf wilden Flüssen und ein Schweizer erzählt einem Finnen, dass es am Tag seiner Verlobungsfeier nur geregnet hätte.

Ich sitze mit Bernhard Gruber auf der Hotelterrasse , dem Österreicher, mit dem ich seit Jahren gut befreundet bin und tausche mich über die freien Wochen im Jahr aus. Im Mittelpunkt des Gespräches stehen weder Motorrad-Touren noch Verlobungsfeiern. Wir tauschen uns gerne über unsere Familien aus, nicht viele der Sportler im Weltcup haben schon eine eigene Familie gegründet.

Eric redet lieber über die Familie

Ich erzähle von unseren beiden Söhnen, von Philipp, der jetzt auch schon auf Rollerski Langlauf trainiert und sich erste Tipps von mir zum Laufstil geben lässt und auch von Anton, der sich von Dinkel-Birnen-Müsli-Gläsern mittlerweile abwendet und Karotten mit Kartoffeln und Bio-Rind bevorzugt.

Erst gegen Ende des Gespräches wird es sportlich. Bernhard erkundigt sich zunächst nach den Trainingssequenzen in der Vorbereitung und dann ausführlich über die Streckenführung für den Team-Wettbewerb in Oberwiesenthal; auch ich beginne mich für die Schanze in Villach zu interessieren, wo der Sommer-Grand-Prix nach dem Auftakt im Erzgebirge fortgesetzt wird, und über die neuen österreichischen Roller-Ski.

Gute Plätze für Eric und Björn

Der Fachsimpelei folgt dann noch die Frotzelei. „So Eric, dann geh jetzt mal ins Bett, damit Du morgen nach mir wenigstens Zweiter wirst!“ Mit einem Lachen gehen wir auseinander.

Der Auftakt des Sommer-Grand-Prix gelingt nach Maß – mein Freund Björn Kircheisen und ich lassen die Konkurrenz hinter uns und schlagen dabei im harten Kampf auch die Österreicher, mit denen man am folgenden Frühstückstisch wieder gemütlich zusammen sitzt. „Sag mal, Eric, wie war das gestern nochmal gleich mit Philipp und Anton?“

Herzlichst Eric

Eins Energie Eric Frenzel

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