Verdächtiger im Anlagebetrugsskandal der Weidener Baugenossenschaft auf freiem Fuß

Weiden/Floß. Überraschung bei den Ermittlungen zum mutmaßlichen Betrug einer Weidener Baugenossenschaft. Einer der Verdächtigen befindet sich wieder auf freiem Fuß.

Viel Geld verloren Anleger, die Kunden bei der beschuldigten Weidener Baugenossenschaft waren. Symbolbild: Pixabay

Wie bereits berichtet ermitteln die Weidener Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft seit März dieses Jahres gegen acht Personen wegen des gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs und der Untreue. Die Taten stehen im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Betrieb einer deutschlandweit Kunden akquirierenden Wohnbaugenossenschaft mit mehr als 12.000 Mitgliedern, die ihren operativen Geschäftssitz in Weiden hatte. An der Spitze der Firma stand ein Ehepaar aus Floß, das seit Mai im Gefängnis sitzt. Mittlerweile gibt es die Firma nicht mehr, die Website ist offline, das Telefon „tot“.

Sohn kooperiert

Wie Oberpfalzmedien berichtet, handelt es sich bei dem aus der JVA Amberg bereits vor zwei Wochen entlassenen Beschuldigten um den Sohn der Verdächtigen aus erster Ehe. Der Haftbefehl gegen den IT-Experten und Aufsichtsrat der Genossenschaft sei außer Vollzug gesetzt worden, weil er den Ermittlungsbehörden den Zugriff auf das IT-System der Genossenschaft ermöglicht habe. 

„Mein Mandant und ich haben gemeinsam entschieden, mit den Ermittlungsbehörden zu kooperieren“, erklärt Rechtsanwalt Dominic Kriegel im Gespräch mit OberpfalzECHO. Der Verdächtige habe der Polizei auch Passwörter bereitgestellt und die IT-Struktur des Unternehmens erklärt.

„Vorwürfe noch unklar“

Wie der Anwalt erklärt, habe man zunächst den Haftgrund „Verdunklungsgefahr“ ausräumen wollen. Die Ermittler befürchteten, dass der Mann seine IT-Kenntnisse nutzen könnte, um Beweise verschwinden zu lassen. Dies habe er laut Anwalt Kriegel durch die Kooperation mit den Behörden ausgeräumt. Der Haftbefehl bestehe zwar fort, ist aber bis auf Weiteres außer Vollzug gesetzt. Damit befinden sich jetzt nur noch die Mutter des Mannes und sein Stiefvater in Haft.

Mit dem „dringenden Tatverdacht“, den die Staatsanwaltschaft bei seinem Mandanten sieht, habe er sich bisher nicht befasst. Beim aktuell bekannten Ermittlungsstand sei noch nicht abzusehen, was seinem Mandanten ganz konkret vorgeworfen wird, betont Kriegel. Deshalb könne er zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht mehr sagen.

Ehepaar an der Spitze

Dem Ehepaar aus Floß und weiteren sechs Verdächtigen wird vorgeworfen, seit 2018 durch Täuschungen Neumitglieder zur Zahlung an die Genossenschaft bewegt zu haben. Dabei sollen die mutmaßlichen Betrüger mehr als sieben Millionen Euro unrechtmäßig erbeutet haben.

Zudem besteht der Verdacht, dass die Gelder weitestgehend nicht für den Genossenschaftszweck verwendet wurden, sondern direkt in die Tasche der Gesellschafter flossen. Insgesamt sollen die Anleger laut Staatsanwaltschaft für insgesamt fast 100 Millionen Euro Anteile gezeichnet haben. Weil der Großteil davon noch nicht abbezahlt ist, handle es sich „nur“ um einen Schaden von circa sieben Millionen Euro.

Ermittlungen laufen

Unterdessen laufen die umfangreichen Ermittlungen laut Leitendem Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer weiter. Es sei davon auszugehen, dass sich die Anklageerhebung noch etwas hinziehe. „Wegen der vielen potenziell Geschädigten und des komplexen Verfahrens“.

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