Volkstrauertag als staatsbürgerlicher Pflichttermin

Speinshart. Für Pater Benedikt Schuster ist es keine Frage: Eine „staatsbürgerliche Ehrenpflicht“ sei die Teilnahme am Volkstrauertags-Gedenkakt, appellierte er am Schluss des Sonntagsgottesdienstes in der Klosterkirche.

Zum Volkstrauertagsgedenken am Speinsharter Kriegerdenkmal mahnte Bürgermeister Albert Nickl zu Wachsamkeit und Solidarität. Die Musikkapelle Creußen begleitete wieder den Gottesdienst und Gedenkakt. Foto: Bernhard Piegsa

Schon zu Beginn seiner Predigt hatte Pater Benedikt Schuster den Volkstrauertag als elementaren Teil eines „Kampfes gegen das Vergessen“ gewertet, den man „gerade in der heutigen Zeit ganz hochhalten“ müsse.

In seiner Predigt, die Bezug auf das Sonntagsevangelium über Unruhen, Kriege, Seuchen sowie Diffamierung gläubiger Menschen als Vorboten der „Endzeit“ nahm, ging Schuster insbesondere auf die von Jesus prophezeiten „Irreführungen“ ein. Aktuelle Szenarien seien natürlich geeignet, Weltuntergangsstimmung zu verbreiten, und jene, die solche Stimmungen hervorriefen, handelten in der Absicht, eine Verhaltensänderung zu bewirken. Das könne durchaus gut gemeint sein, führe aber erfahrungsgemäß allenfalls zu kurzfristigen, mitunter eher einem spontanen „Verzweiflungsakt“ gleichkommenden Änderungen: „Mit Angst und Druckausübung können sie keine wirkliche Verhaltensänderung herbeiführen. Druck fördert keine charakterliche Entwicklung, sondern was daraus entsteht, ist eher ein ‚Kuschen‘“, so Schuster.

Bewusstseinsänderung darf nicht von oben aufgestülpt werden

Wirksamer, so Schuster, sei geduldige und argumentative Überzeugungsarbeit, auch wenn sie langwieriger und aufreibender sei: „Bewusstseinsänderung muss sich im Menschen entwickeln und darf nicht von oben aufgestülpt werden.“ Dies sei auch die Sicht des Evangeliums, das damit schon vor 2.000 Jahren eine Erkenntnis propagiert habe, die sich die Pädagogik erst im Laufe vieler Jahrhunderte angeeignet habe: „Jesus will, dass sich die Menschen aus Überzeugung ändern und aus Überzeugung handeln und nicht einem Druck nachgeben.“ In diesem Sinne sollten die Menschen von heute sich „nicht von den Verhältnissen einschüchtern lassen, sondern zielstrebig an der Herstellung und Bewahrung des Friedens arbeiten“, lautete Schusters Fazit.

Bürgermeister warnt von Teilnahmslosigkeit

Beim anschließenden Gedenkakt am Gefallenenmahnmal, an dem auch Abordnungen der Pateneinheiten der Gemeinde aus Bundeswehr und U.S. Army teilnahmen, warnte Bürgermeister Albert Nickl vor Teilnahmslosigkeit gegenüber einem Krieg, der über 1.000 Kilometer entfernt sei: „Es geht um Menschen wie du und ich, es geht auch um unsere Grundordnung, um Freiheit, Menschenrechte und um unsere Demokratie. Oder schauen wir zu, wenn ein Land vernichtet wird, und warten, bis das nächste dran ist? Und hoffen nur, dass wir verschont werden? Das kann es nicht sein.“

Mit Recht, so Nickl, hätten sich die Nato und Deutschland zu Waffenlieferungen und zu humanitärer Hilfe entschlossen. Doch auch Konsequenzen für das eigene Land und seine Gesellschaft seien gefordert: „Der Ukrainekrieg lehrt uns, wachsam und verteidigungsbereit zu sein. Denn unsere Demokratie ist kein Selbstläufer. Deutschland wird die Bundeswehr künftig besser ausrüsten, denn eine Wehr muss in der Lage sein, ihr Land und ihre Heimat zu verteidigen. Auch wenn in der Vergangenheit viele geträumt haben, dass das nicht nötig sei: Die Realität belehrt uns eines anderen.“

Gegen Träumer vom politischen Rand wachsam bleiben

Nach innen hin gelte es „unser Wertesystem des christlichen Abendlandes auf Dauer zu festigen und fortzuentwickeln“, unterstrich Bürgermeister Albert Nickl in seiner Volkstrauertagsansprache. Trotz mancher Schwächen sei die Demokratie diejenige Staatsform, die die Menschenrechte und die Freiheit am wirksamsten schütze. Deshalb dürfe man nicht zulassen, dass „Träumer am rechten wie am linken Rand sie aushöhlen“.

Alle müssten sich fragen, was sie dazu beitragen könnten, „die Spirale der Gewalt zu durchbrechen, als Einzelner im Kleinen, oder als Land im Großen“. Auch sollte man eingreifen und demokratische Werte verteidigen, wenn Menschen in eine Ecke gestellt werden. Dies sei das Vermächtnis der Geschichte, aus der jeder berufen sei zu lernen. „Wenn wir das beachten, dann erfüllt der Volkstrauertag seinen Sinn“, so Nickl abschließend.

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