“Von der Liebe zum Suchtmittel hin zu der Liebe zu mir selbst“

Weiden. Am Freitag fand in der Max-Reger-Halle der diesjährige Suchtfachtag unter dem Motto "Sucht kann jede(n) treffen!? Geschlechts- und altersspezifische Suchtthematiken im Fokus" statt.

(von links) Bettina Lange (KBS), Mitglied der Selbsthilfegruppe “Leben ohne Sucht”, Liane Menke (Universitätsklinikum Jena), Manuel Woyschnitzka und Patrick Schwab (Gruppe “Leben ohne Sucht”), Monika Gerhardinger (Fachambulanz für Suchtprobleme Regensburg), Dr. Beate Erbas (BAS), Klaus Grothe-Bortlik (Vorstand SeKo Bayern e.V.), Lilli Sense (SeKo Bayern), Jürgen Huhn und Brigitte Lindner (SeKo Nopf); vorne: Eva Vitzthum (Fachambulanz für Suchtprobleme Weiden), Karolina (Sozialpädagogin und ehem. Betroffene). Foto: Seko

Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und zog knapp 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, darunter Betroffene, Fachpersonen aus dem Sucht- und Gesundheitsbereich sowie andere Interessierte aus ganz Bayern (und teilweise sogar darüber hinaus).

Der Fachtag begann mit einer Begrüßung der Anwesenden durch SeKo Bayern, gefolgt von einem Videogrußwort der bayerischen Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie Schirmherrin des diesjährigen Fachtags, Judith Gerlach. Anschließend sprach Klaus Grothe-Bortlik, Vorstand des Selbsthilfekontaktstellen Bayern e. V., ein Grußwort vor Ort und dankte dabei allen Beteiligten des Fachtags für ihr Engagement.

Spezifischen Herausforderungen und Besonderheiten

Der erste Fachvortrag des Vormittags wurde von Psychologin Sandra Schmid gehalten, die sich als Leiterin der Abteilung für frauenspezifische Therapie der Johannesbad Fachklinik Furth im Wald schon seit vielen Jahren intensiv mit ihrem Vortragsthema „Die weibliche Seite der Sucht – Risiken, Konsumverhalten und Bedürfnisse in der Therapie“ auseinandersetzt.

Sie beleuchtete die spezifischen Herausforderungen und Besonderheiten, denen Frauen im Kontext von Sucht begegnen, und rief zu einer gendersensiblen und angepassten Unterstützung auf – für alle Geschlechter. Denn, so zitierte sie den Sozialtherapeuten Wilhelm Sannemann, „die Sucht hat kein Geschlecht, die suchtkranken Menschen allerdings.“ Die Folien zum Vortrag können Sie hier herunterladen.

“Sucht als Generationen übergreifende Erkrankung”

Dr. Markus Wittmann, ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof, folgte mit einem Vortrag über “Sucht als Generationen übergreifende Erkrankung”. Er zeigte auf, wie Suchtproblematiken sich in verschiedenen Altersgruppen und Generationen unterscheiden und präsentierte eindrückliche Daten und Fakten.

So geht beispielsweise erwiesenermaßen das Einstiegsalter für sowohl legale als auch illegale Drogen zurück und Erstkonsumenten werden immer jünger. Auch, dass ältere Betroffene bei der Suchtarbeit häufig vergessen werden, erwähnte der Psychiater: „Da sagt man schnell, der ist eh schon so alt, da lohnt sich das gar nicht mehr, noch gegen die Sucht anzugehen. Aber mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich auch mit 100 noch!“

Tiefgehende Einblicke in die persönlichen Erfahrungen

Ein besonderes Highlight war das anschließende Podiumsgespräch zwischen Diakon Karl Rühl und zwei Selbsthilfeaktiven der Gruppe “Leben ohne Sucht”, Patrick und Manuel. Dieses Gespräch bot tiefgehende Einblicke in die persönlichen Erfahrungen und den Weg zur Suchtbewältigung der Beteiligten und die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der auf der Bühne gesprochen wurde, berührte die Zuhörenden.

Patrick beschrieb den Tiefpunkt seiner Sucht so: „Ich habe mich nicht mehr für mich selber interessiert; mir war egal, was aus mir wird.“ Durch Klinik- und Rehaaufenthalte, viel Arbeit an sich selbst und die nachsorgende Unterstützung in der Selbsthilfegruppe, kann er heute mit Stolz sagen: „Der Kernpunkt ist Liebe. Die Entwicklung war von der Liebe zum Suchtmittel hin zu der Liebe zu mir selbst.“ – eine Botschaft, die inspiriert.

Spezifische Themen intensiv behandelt

Nach einer stärkenden Mittagspause boten verschiedene Workshops die Möglichkeit, sich in kleineren Gruppen intensiv mit spezifischen Themen auseinanderzusetzen. Diese erstreckten sich von Sucht im Alter oder rund um die Schwangerschaft über Kreativität als Ressource im Kampf gegen (Sucht-)Erkrankungen bis hin zu einfachen und effektiven Entspannungsübungen für den Alltag und ermöglichten Austausch auf Augenhöhe.

Der Suchtfachtag in Weiden bot wertvolle Informationen, regte zum Nachdenken an und förderte den Kontakt zwischen Betroffenen und Fachpersonen. Die positive Resonanz der Teilnehmer*innen und Mitwirkenden zeigt uns wieder, wie wichtig solche Veranstaltungen sind, um gemeinsam gegen Sucht und für Gesundheit vorzugehen.

Gefördert wurde der Fachtag vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege und Prävention und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, veranstaltet von SeKo Bayern e.V. in Kooperation mit der Bayerischen Akademie für Sucht und Gesundheit, der Koordinierungsstelle Sucht und der Selbsthilfekontaktstelle Nordoberpfalz (SeKo Nopf).

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