Von Regulierungswut und regionalem Miteinander

Neustadt/WN. 2,8 Milliarden Euro Steuern und weitere 500 Millionen Euro für gemeinnützige Zwecke brächten die deutschen Sparkassen jedes Jahr auf. Außerdem finanzierten sie die Investitionen des Mittelstandes – Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), listet beim Pressegespräch vor seinem öffentlichen Auftritt in der Stadthalle die Pluspunkte der Sparkassen auf. Dennoch gelten auch für sie strenge Regulierungsvorschriften. Zu Unrecht, findet Fahrenschon.

Von Benedikt Grimm

Der Grundgedanke sei, dass die regionalen Institute die Mittel aus einer Region sammeln, um diese dann wieder in der Region anzulegen. In Deutschland seien so 413 Sparkassen „Impulsgeber für stabile, regionale Kreisläufe.“ So wie man in anderen Branchen zur Überzeugung gekommen sei, dass der Mittelstand wichtig sei, so dringend müsste man auch im Bankensektor zu dieser Überzeugung kommen. „Ohne dass ein Mittelständler bei uns Kredit bekommt, könnte er nicht investieren. Woanders bekommt er ihn nicht“, sagt der DSGV-Präsident.

Solide Bilanzen

Die Einlagen der Sparkassen würden die Summe der ausgereichten Kredite um über 100 Milliarden Euro übersteigen. Dennoch seien die Institute von der Regulierungswut im Bankensektor genauso betroffen, wie weltweit operierende Bankhäuser.

Das geht in die falsche Richtung, weil die Risiken nicht bei uns liegen. Man hat etwas den Eindruck, die Regulierung geht immer da hin, wo es einfach ist

erklärt der Diplomökonom und frühere bayerische Finanzminister. Steigende Kosten wegen regulatorischer Anforderungen und dauerhaft niedrige Zinsen könnten nicht kompensiert werden. „Wir müssen uns mittelfristig darauf einstellen, dass 20 Prozent des Ertrages wegfallen“, prognostiziert Fahrenschon. Das habe man aber vorhergesehen und rechtzeitig ausreichend Rücklagen gebildet.

Trend zum Online-Banking erkannt

Mit der Sparkassen-App, die beste Bewertungen erhalten habe, seien die Institute gut aufgestellt. Zusammen seien die Sparkassen die größte Online-Bank. Auch die rund 340 Mitarbeiter zählenden Vereinigten Sparkassen sind laut  stellvertretendem Vorstandsvorsitzenden Gerhard Hösl für die kommenden Jahre gerüstet: „Bis 2020 stehen wir sehr, sehr stabil da.“

Auch das Thema Sparen – der Besuch des DSGV-Präsidenten erfolgte anlässlich des Weltspartages – blieb nicht außen vor. Der jährliche Weltspartag in der letzten Oktoberwoche geht auf den ersten internationalen Sparkassenkongress im Jahr 1924 in Mailand zurück. In dieser Zeit, nach dem ersten Weltkrieg, habe eigentlich eine wirtschaftlich schwierige Lage geherrscht, erinnerte Fahrenschon. Dennoch sei man zu der Überlegung gekommen: „Sparen lohnt sich. Vorsorge lohnt sich. Was auf die Seite legen lohnt sich“, so der Sparkassen-Präsident. Das gelte auch heute noch – auch bei den derzeit niedrigen Zinsen:

Den Euro, den sie heute nicht auf der hohen Kante haben, über den können Sie nicht verfügen.

Flankiert vom Vorstandsvorsitzenden der Vereinigten Sparkassen Josef Pflaum (links) und dessen Stellvertreter Gerhard Hösl (rechts), sprach Georg Fahrenschon über Traditionen und künftige Ausrichtung der Sparkassen.
Flankiert vom Vorstandsvorsitzenden der Vereinigten Sparkassen Josef Pflaum (links) und dessen Stellvertreter Gerhard Hösl (rechts), sprach Georg Fahrenschon über Traditionen und künftige Ausrichtung der Sparkassen.

Bilder: B. Grimm

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