Waldumbau fürs Ökokonto: Gemeinde Kastl realisiert naturnahe Aufforstung

Kastl. Die Gemeinde hat in den vergangenen Monaten umfangreiche Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung ihrer Waldflächen bei Gründlhut umgesetzt. Das Projekt umfasste zwei zusammenhängende Waldflächen mit einer Gesamtgröße von etwa 8200 Quadratmetern, von denen eine vom sogenannten „Saugraben“ durchflossen wird.

Bürgermeister Hans Walter, Susanne Ullmann-Wiesend, Andreas Dimper, Andreas Mayer, Max Busch, Robert Schraml (von links). Foto: Gemeinde Kastl

Bürgermeister Hans Walter zeigte sich sichtlich erfreut darüber, dass die Maßnahmen planmäßig abgeschlossen werden konnten. „Es wurde großer Wert darauf gelegt, die Maßnahmen im Sinne des Umwelt- und Artenschutzes durchzuführen, um eine bestmögliche Aufwertung der seit Jahrzehnten relativ ungenutzten Waldflächen zu erzielen“, betonte er. „Somit wurde das Waldstück hervorragend für den Klimawandel vorbereitet und aufgewertet. Ich danke allen Beteiligten für die Planungen, die Betreuung und die zügige sowie fachliche Umsetzung der Maßnahmen zum Wohle der Natur und Verbesserung des Mikroklimas“, fügte er hinzu.

Die Planung wurde von der Landschaftsarchitektin Susanne Ullmann-Wiesend in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth durchgeführt. Die Koordination und Umsetzung betreute Forstwirtschaftsmeister Andreas Dimper aus Kastl. Dabei wurde er überaus tatkräftig von den Bauhofmitarbeitern Robert Schraml, Andreas Mayer und Max Busch unterstützt.

Bereits zweite Maßnahme der Gemeinde

Die Maßnahme ist bereits das zweite Projekt, das die Gemeinde Kastl im Rahmen ihres Ökokontos umgesetzt hat. Nicht vermeidbare Eingriffe in Natur und Landschaft, wie etwa Versiegelung, müssen durch Maßnahmen zur Verbesserung des Naturhaushalts und des Landschaftsbilds kompensiert werden. Auf den betroffenen Waldflächen wurden daher umfangreiche Kompensationsmaßnahmen zur Optimierung des Naturhaushalts und zur Aufwertung des Landschaftsbilds durchgeführt.

Bestand und Entwicklungsziele

Der bisherige Fichten-Kiefern-Forst spiegelte nicht die natürliche Vegetation der Region wider. Diese Baumarten wurden überwiegend aufgrund ihrer guten Wuchseigenschaften und ihrer Verwendung als Wertholz angepflanzt. Ursprünglich waren an dieser Stelle Mischwälder mit Stiel- und Traubeneiche, Hainbuche, Winterlinde sowie Rotbuche und Weißtanne heimisch. In den feuchteren Bereichen des Bachlaufs hätte die Schwarzerle dominiert, während Fichte und Kiefer nur in geringem Maße vertreten gewesen wären.

Die gepflanzten Bestände zeigten jedoch diverse Nachteile wie Anfälligkeit gegenüber Schadinsekten und Waldbränden, Stürmen und Trockenheit. Zudem verschlechterte die Nadelstreu die Bodenqualität und schränkte die Eignung der Flächen als Lebensraum für die heimische Tier- und Pflanzenwelt ein.

Umfassende Maßnahmen zur Waldumwandlung

Die Gemeinde setzte verschiedene Maßnahmen zur ökologischen Umgestaltung des Waldes um: Umwandlung in naturnahen Laubwald: Schrittweise wird ein artenreicher und strukturierter Laubwald mit unterschiedlichen Altersklassen angepflanzt. So soll der Wald widerstandsfähiger gegen Schädlinge und Witterungseinflüsse werden. Verschiedene Baumarten verbessern zudem die Wasserspeicherung und -nutzung.

Insgesamt wurden fast 2500 Baumsetzlinge gepflanzt, darunter Ebereschen, Roterlen, Hainbuchen, Weißbuchen, Rotbuchen, Bergahorn, Winderlinden, Stieleichen, Trauben-Eichen, Bergulmen und Spitzahorn.

Förderung lückenreicher Waldmäntel

Diese Waldmantelzonen sollen als Übergangsbereiche zum Offenland dienen. Die vielfältigen mikroklimatischen Bedingungen ermöglichen eine breite Nutzung durch verschiedene Tierarten.

Liegendes und stehendes Totholz schafft Lebensräume für totholzbewohnende Lebewesen, die wiederum die Nahrungsgrundlage für andere Arten wie Spechte bilden. Darüber hinaus verbessert Totholz den Boden- und Wasserhaushalt. Diese Strukturen dienen als Habitat beziehungsweise Versteck- und Sonnenplätze für Reptilien wie die Zauneidechse.

Nach der Entwicklung eines ausreichend alten und strukturreichen Laubwaldes wird eine naturnahe, extensive Holznutzung möglich sein. Dabei wird stets das angestrebte Entwicklungsziel im Blick behalten.

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