Weihnachtskonzert, das entschleunigt

Neustadt/WN. „Gratulation! Die Big Band ist ganz große Klasse.“ Karl-Heinz Malzer, ehemaliger Musiklehrer und aktiver Chorleiter, packt nach dem Weihnachtskonzert des Gymnasiums fast stürmisch die Hand von Roland Assion, um ihn zum gelungenen Konzert zu beglückwünschen. Zwei Stunden lang unterhielten über 100 Schüler aller Jahrgangsstufen eine bis in die letzte Reihe besetzte Stadthalle.

Von Benedikt Grimm

Mit einigen Zeilen aus einem Gedicht begrüßte Oberstudiendirektor Dr. Anton Hochberger die Zuhörer. Die stressgeplagte Dichterin sehnt sich nach dem Weihnachten ihrer Kindheit zurück, erinnert sich an das gemeinsame „Oh Tannenbaum“ und kommt zu einer Erkenntnis:

Da rührt sich etwas tief in mir und plötzlich weiß ich – jetzt und hier – es liegt an mir allein. Das Kind ist einst im Stall geboren – der Zauber er ging nicht verloren – er will gelebt nur sein.

Um den weihnachtlichen Zauber aufleben zu lassen, sei das Konzert sicherlich eine gute Gelegenheit. „Gott sei Dank haben wir die Musik. Die kann beruhigen und entschleunigen“, sagt Dr. Hochberger. Das Orchester unter Leitung von Wolfgang Gleixner machte mit Geigen und Gitarren und eben jenem „Oh Tannenbaum“ den Auftakt. Der Unterstufenchor – Mädchen und Jungen allesamt stilvoll in schwarz-weiß gekleidet – präsentiert „Baby‘s born in bethlehem“ und das dynamisch-rhythmische „Santa Fever“.

Chor

Das Klarinettenduo mit Mirijam Gläser und Johannes Pflaum setzte mit seiner Zweisamkeit einen gekonnt ruhigen Kontrast zu der darauffolgenden, vielköpfigen Klezmerband „Carl-s-son“. „Immer geht das Leben weiter“ hauchen die drei Sänger behutsam in die Mikrofone. Die instrumentale Begleitung schwellt auf und ab, mal dominiert der Bass, mal das „Wirbeln“ der Gitarren.

Carl-s-son

Weihnachtsgeschichte in der Neuzeit

Zur Halbzeit liest Felix Kellner eine Weihnachtsgeschichte. Eigentlich ist es „die“ Weihnachtsgeschichte, nur übertragen auf die heutige Zeit und da würde wohl manches anders verlaufen. Im Format einer Nachrichtensendung gehalten berichtet Kellner, dass ein Zimmermann aus Nazareth und eine unmündige Mutter vorläufig festgenommen worden seien. Der Vorwurf: Sie hausten mit einem Neugeborenen in einem Stall und die erst 14-jährige Mutter behaupte, ein Kind von Gott bekommen zu haben. Der Verdacht auf krankhafte Wahnvorstellungen liege nahe.

Gedicht

Erste eigene CD

Schüler des Projekt-Seminars CD-Produktion präsentieren den selbstkomponierten Blues „I got no time for“. Schon im Februar hatten sie in Partnerarbeit mit den Vorarbeiten, ab Mai mit dem Komponieren begonnen. „Anfang September war das Grundgerüst fertig“, erinnert sich Lena Lukas aus der zwölften Jahrgangsstufe. Beim Konzert kam das Stück so gut an, dass einige Zuschauer am Ausgang gleich die CD kauften, für deren Herstellung ein Tontechniker zu den Projektteilnehmern ins Gymnasium kam.

Glasklares Gesangssolo

„Have yourself a merry little christmas” – nur mit ganz dezenter Klavierbegleitung gibt Mirijam Denz aus der 11. Jahrgangsstufe ein Gesangssolo zum Besten. Regungslos lauschen die Zuhörer der glasklaren Stimme von Denz.

Mirijam Denz

Verzicht auf „Gassenhauer“

Bei der Wahl der Stücke, die der Chor vorträgt, hat Leiter Roland Assion auf Weihnachtsgassenhauer verzichtet. Mit „A Winter Night“ oder „Carol of the star“ lassen die rund 70 Sänger eher sakrale Melodien erklingen. Die Sopran- und Altstimmen der Mädchen werden spannungssteigernd in Kontrast gesetzt zu den Bassstimmen der Jungen.

Chor

Finale mit „Jingle Bells“

Mit ihren orangefarbenene Shirts bringen die Musiker der Big Band nicht nur optisch Farbe ins Spiel. Mit dem flotten „Jingle Bells Rock“ wird es auch musikalisch bunter. Dann bittet Assion das Bühnenlicht zu dimmen. Chor und Big Band tragen gemeinsam das hochfestliche „Stille Nacht, Heilige Nacht“ vor bis ein kurzes Klavierintermezzo auf den Soloeinsatz von Mirijam Denz vorbereitet. Simon Griesbacher folgt mit einem Solo auf dem Saxophon. Das Publikum bedankt sich mit rhythmischem Applaus für ein zweistündiges, abwechslungsreiches Konzert.

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Klezmer 1

Bilder: B. Grimm

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