Wenn im Brauhaus Kaffee geröstet wird

Irchenrieht. Claudia Molters wahre Berufung hat sie erst spät entdeckt. Die Liebe zum Kaffee.

Claudia Molters Herz schlägt für Kaffee und deren Herstellung. Bild: Landkreis Neustadt/WN

Es interessierte uns natürlich die Bohne, warum eine gebürtige Saarländerin, die einige Zeit in Afrika lebte, eine Brauerei in der Oberpfalz erwarb, um darin letztendlich Kaffee zu rösten.

Claudia Molter ist die Frau, die über einige Umwege zu ihrem Traumberuf „Röstmeisterin“ fand. Sie versteht es, gute Bohnen von besseren Bohnen zu unterscheiden und repräsentiert die oberpfälzer Kaffeekultur mit viel Fingerspitzengefühl für guten Geschmack.

Spätberufene Expertin

Auf den Kaffee gekommen ist die gelernte Goldschmiedin erst nach einigen beruflichen Stationen. 15 Jahre lang betrieb sie zusammen mit ihrem Mann, einem Braumeister, in Irchenrieth eine Brauerei, die sie jedoch 2011 aus privaten Gründen schlossen. Claudia Molter nutzte damals die Chance, neue Wege einzuschlagen. Es sei für die Weltenbummlerin eher eine zufällige Gedankenreise hin zur Kaffeerösterei gewesen.

„Kaffee habe ich schon immer gerne getrunken, aber ich hatte dabei oft Probleme mit dem Magen“, verriet sie uns. Nach fünf Jahren an Erfahrungen sammeln in einer Rösterei öffnete die Bohnenexpertin die Pforten ihres eigenen Unternehmens in der ehemaligen Brauerei. Heute weiß sie die Magenprobleme dank eines schonenden und langsamen Röstverfahrens zu vermeiden.

„Industriell werden die Bohnen sehr schnell bei hohen Temperaturen geröstet. Bei unserem Kaffee verfahren wir anders. In unserem Trommelröster werden die unedlen Säuren bei niedrigen Temperaturen sehr langsam abgebaut“, erklärt die Röstmeisterin. Um das Endprodukt noch weicher und runder zu machen, verwenden die Molters japanische Filter aus einem Spezialpapier.

Guter Geschmack zahlt sich aus

Claudia Molter bereut den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. Das Interesse an hochwertigem Kaffee ist groß. Die Kaffeeliebhaberin freut sich über das Umdenken und die Rückbesinnung der Verbraucher hinsichtlich der Regionalität. Die Kaffeebohne an sich ist zwar kein einheimisches Produkt, aber ihre transparente und schonende Verarbeitung vor Ort schätzen die Kunden sehr. „Die Oberpfälzer sind stolz auf ihre Produkte und können es auch sein“, bestätigt die Geschäftsfrau freudig.

Claudia Molter entschied sich spät für die Kaffee-Branche. Bild: Landkreis Neustadt/WN
Kaffee ist ein gesundes Getränk mit vielen vitaminreichen Inhaltsstoffen. Bild: Landkreis Neustadt/WN
Nicht nur das Rösten ist ein Handwerk, sondern auch der Einkauf der Bohnen muss gelernt sein. Bild: Landkreis Neustadt/WN

Besser als sein Ruf

Kaffee trocknet aus, Kaffee lässt das Herz rasen. Wer kennt die Vorurteile über das schwarze Gold in der Tasse nicht? Claudia Molter weiß es besser: „Kaffee ist ein gesundes Getränk mit vielen vitaminreichen Inhaltsstoffen. Es wurde außerdem festgestellt, dass bei einem täglichen Genuss von etwa drei Tassen weniger Herzinfarkte bei den Konsumenten auftreten.“ Dennoch gilt bei Claudia Molter die persönliche Faustregel, alles in Maßen zu genießen.

Ganz nach dem Molter-Geschmack: Direct Trade Coffee

Nicht nur das Rösten ist ein Handwerk, das man nur zu einem gewissen Grad erlernen kann und mit eigenem Fingerspitzengefühl verfeinern muss, sondern auch der Einkauf der Bohnen muss gelernt sein. Claudia Molter achtet dabei auf fairen Handel. Ihr Herz schlägt für die Bauern der Kaffeefarmen. So findet man in ihrem Sortiment in erster Linie „Direct Trade Coffee“. „Die Bauern werden dabei direkt vor Ort für die verkauften Bohnen entlohnt.

Etwas schwieriger ist es bei „Fair Trade Coffee“, da es sich dabei um gesiegelten Kaffee handelt. Das heißt,  jedes Siegel muss bezahlt werden, vom Bauern und vom Händler vor Ort, vom Zwischenhändler und schlussendlich vom letzten Abnehmer. Im Schnitt wird also pro Produkt fünf Mal bezahlt. Viele Kaffeebauern können sich dieses Siegel jedoch nicht leisten“, klärt uns Claudia auf. Die Molters kennen ihre Bauern, was für sie wichtiger als das Siegel ist.

Die Zukunft bleibt in Irchenrieth

Lino Molter, eines ihrer drei Kinder, möchte die 1000 qm der alten Brauerei wieder mit der Herstellung von Bier beleben – ein Mammutprojekt, das die ganze Familie dennoch freudig unterstützt. So wird das große Gebäude in Irchenrieth auch zukünftig eine Quelle kulinarischer Genüsse sein.

Die ganze Familie Molter packt mit an. Bild: Landkreis Neustadt/WN
Ganz nach dem Molter-Geschmack ist der direct Trade Coffee. Bild: Landkreis Neustadt/WN
Claudia Molter bereut den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. Bild: Landkreis Neustadt/WN

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.gern-land.de. Weitere interessante Artikel aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab finden Sie unter www.gern-land.de

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