Windpark-Debatte (2): Verschandeln die Windräder Parksteins Ortsbild?

Parkstein. Die Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat Parkstein“ sieht durch die geplanten Windräder das Ortsbild von Parkstein verschandelt. Die Bürger-Energie Parkstein eG hält den Vorwurf für überzogen. Die Debatte in drei Teilen bei OberpfalzECHO vor dem Ratsbegehren (12. Dezember).

So sehen die drei Windräder der Bürgerwind Freudenberger Oberland im Landkreis Amberg-Sulzbach aus. Bild: Bürgerwind Freudenberger Oberland GmbH & Co. KG

Zwei Männer im Rededuell bei OberpfalzECHO: Josef Langgärtner, Parksteins zweiter Bürgermeister und Vorstandsvorsitzender der Bürger Energie Genossenschaft und Reinhold Gerber, einer der Hauptinitiatoren der Bürgerinitiative „Windparkfreie Heimat Parkstein“ folgen der Einladung in den Konferenzraum.

Die Kritik der Windrad-Gegner entzündet sich vor allem an der optischen Beeinträchtigung. Sie finden, dass das Ortsbild dadurch verschandelt wird. Wenn man von Erbendorf kommt, sieht man allerdings vor dem Basaltkegel jetzt keine hohen, aber langgezogene Gewerbebauten. Heißt das nicht, dass man auch jetzt schon eine Abwägung zwischen Landschaftsbild und wirtschaftlichen Erwägungen trifft?

Gerber: Sie sprechen von den Bauten von Witron. Ich muss eines sagen, die Firma Witron bemüht sich sehr, landschaftsbezogen zu bauen. Und ich rechne das dem Besitzer, dem Walter Winkler, ganz hoch an, dass er sich hier Gedanken macht und dass es gelingt in dieser Form. Dass eine Firma mit 4.300 Mitarbeitern Fläche braucht, ist auch klar. Aber es könnte wesentlich schlimmer sein. Denken Sie an die Firma Cube in Waldershof zum Beispiel, ja, was da für Klötze hingebaut wurden. Das kann man dieser Firma nicht nachsagen, dass sie sich nicht um die Heimat scheren.

Wenn man hier dann von der Verschandelung der Landschaft spricht, wie es die dritte Bürgermeisterin macht, dann betrachte ich das schlichtweg als Skandal. Zum anderen, wenn man schon hier kritisiert, dass die Landschaft belastet ist, muss man dann hergehen und sagen, jetzt belasten wir gleich weiter? Und knallen da Windräder rein mit 250 Metern Höhe? Das wird die Landschaft verändern in der ganzen Sichtachse Parkstein-Rauer Kulm, die prägnant ist und für den Landkreis Neustadt/WN von großer touristischer Bedeutung ist.

Langgärtner: Sicht ist ja relativ. Bei welcher Sichtachse sehe ich denn durch von Parkstein zum Rauen Kulm? Wo muss ich stehen, damit ich das sehe? Wenn ich vor Parkstein stehe vor der Basaltwand, dann sehe ich gar nichts von den Windrädern. Oder wenn ich auch von Weiden komme, sehe ich nichts von den Windrädern, Null.

Gerber: So ist es doch nicht (legt Fotomontagen auf den Tisch). Die sieht man sehr wohl, wenn man von Weiden kommt.

Auf den Fotomontagen der Bürgerinitiative sind die Windräder gigantisch, auf denen der Anlagen Befürworter integriert ins Landschaftsbild. Wie realistisch diese Darstellungen sind, können wir so nicht beurteilen.

Langgärtner: Das ist von 61 Metern über dem Boden aufgenommen, wenn ich mit dem Flugzeug komme, dann sehe ich das so. Die Perspektive stimmt einfach nicht, tut mir leid. Das ist Irreführung.

Gerber: Nein …

Langgärtner: … doch, das musst du zugeben.

Gerber: Wenn ich hergehe, und vom Tal runter fotografiere, wirkt das natürlich immer etwas kleiner. Aus unserer Sicht ist es so, und wir stellen das so dar. Die Bürger müssen wissen, was sie erwartet.

Flyer der Bürger-Energie: Blick von der Schwander Straße. Bild: Bürger-Energie-Genossenschaft

Langgärtner: Ist das die Realität? Da macht ihr euch lächerlich damit. Tut mir leid.

Die beiden Bilder können wir abschließend nicht beurteilen, da müssten wir einen Experten dazu nehmen. Was mich noch interessieren würde, Herr Gerber, Sie sagten am Anfang, Sie befürworten die Energiewende, sehen auch die Dringlichkeit aufgrund des Klimawandels, Sie würden nur gerne einen anderen Standort haben. Aber wird das nicht letztlich an jedem Standort zum berühmten Sankt-Florians-Prinzip führen – natürlich braucht man es, aber bitte nicht bei uns.

Gerber: Es ist eben nicht das Sankt-Florians-Prinzip, wenn man sagt , unter Berücksichtigung des Machbaren, des Sinnvollen, sucht man einen neuen Standort. Und es kann nicht sein, dass man erklärt, hier lassen sich die Windräder am leichtesten verwirklichen, weil wir hier die Nachbargemeinden nicht fragen müssen.

Wenn man die Energiewende betreibt, als Insellösung, als kleines Dorf, und jeder macht sein eigenes Ding – wie sieht dann unsere Landschaft aus? Warum geht man nicht her und löst so ein globales Problem nicht zumindest interkommunal im Bereich des Landkreises Neustadt/WN mit den Nachbargemeinden? Die Leute treffen sich zum Weltklimatreffen in Glasgow, und die Parksteiner sind nicht in der Lage, nach Schwarzenbach, Kirchendemenreuth und Pressath zu fahren? Und das ist nicht in Ordnung.

Hat es diesen Gedanken mal gegeben, es interkommunal zu versuchen?

Langgärtner: In diesem Landkreis gibt es keinen interkommunalen Gedanken, denn sobald ich mit Windrädern anfange, geht nichts mehr.

Gerber: Hast du’s schon versucht?

Langgärtner: Ich habe natürlich mit dem Landrat geredet, der hat gesagt, „ja, wenn ihr das machen wollt, in Parkstein selber könnt ihr’s machen, die Möglichkeit dazu gibt’s mit einer Bauleitplanung“. Und das ist auch so vorgesehen, auch von Söder, der will ja Windräder haben. Und das haben wir gemacht, so wie das vorgeschlagen wurde. Deshalb haben wir auch einen Windkümmerer vom bayerischen Wirtschaftsministerium bekommen zur Unterstützung, und genau so machen wir’s, nicht anderes. Wir sehen, dass wir einfach agieren müssen.

Gerber: Aber bitte gemeinsam. Mutet den Bürgern von Parkstein nicht zu, euren favorisierten Standort zu akzeptieren, und sagt, „das ist der einfachste Weg für uns, dazu haben wir die Mehrheit im Gemeinderat entsprechend und deshalb entscheiden wir so, wie uns das passt“. Und jetzt werden pro forma die Bürger befragt, und da versucht man sich noch ein Votum zu holen, um das Ganze dann noch zu rechtfertigen und zu sagen, „wir haben nur getan, was die Bürger wollen“.

Warum nennen Sie das jetzt pro forma?

Gerber: Das ist die Vorgehensweise von Bürgergenossenschaften, dass man hergeht und sagt, da macht man ein Ratsbegehren.

Langgärtner: Das ist nicht von uns ausgegangen. Das ist von einem CSU-Marktratskollegen ausgegangen, der hat das vorgeschlagen. Definitiv nicht von uns.

Gerber: Ja, die Bürger-Energie kann ja von sich aus nichts entscheiden.

Langgärtner: Wir hätten das auch so machen können, wir hätten einen Antrag stellen können an die Kommune.

Gerber: Das wäre auch ein Weg gewesen, und dann hätte sich halt eine Bürgerinitiative gegründet und hätte ein Bürgerbegehren angestrebt mit entsprechenden Unterschriften, und dann wär’s genau so gegangen. Nur jetzt dreht man das Ganze um, um ein Bürgerbegehren zu vermeiden, hat man gesagt, „wir machen ein Ratsbegehren, schaut mal, wie wir euch mitnehmen“, ja. Aber von welcher Seite es kommt, ändert ja an den ausgetauschten Argumenten nicht soviel? Letztendlich wird der Bürger sagen müssen, „will ich das oder nicht“.

Gerber: Das ist richtig, die Parksteiner müssen sich auch dann entscheiden, was sie wollen, ob sie zukünftig so ein Landschaftsbild haben wollen oder nicht. Das ist Heimat, und Heimat geht immer unter die Haut, ja, Heimat ist die Landschaft, die zu Herzen geht. Und die belastet man in unmittelbarer Nähe zum schönsten Basaltkegel Europas. Das ist für mich sehr unverständlich. Wenn man hier in Parkstein Windräder bauen kann, dann wird man in jeder Gemeinde des Landkreises Windräder aufstellen können. Dann gibt es kein Argument mehr dagegen. Wenn es durchgeht.

So wirken die Windräder in der Darstellung der Bürger-Energie-Genossenschaft in Hammerles. Bild: Bürger-Energie

Wenn es durchgeht, würden Sie dann das Votum akzeptieren oder sagen Sie, dann müssen wir noch andere Wege gehen, um es zu verhindern?

Gerber: Das kann ich jetzt nicht sagen, also, ich würde es auf jeden Fall akzeptieren. Für meine Person, ja, wie die anderen Mitglieder der Bürgerinitiative denken, dem möchte ich nicht vorgreifen.

Darf ich das jetzt so verstehen, dass Sie, wenn das Ratsbegehren in Ihrem Sinn ausgeht, bereit wären, mit Herrn Langgärtner gemeinsam Wege zu suchen, einen anderen Standort zu finden?

Gerber: Kein Problem, wir haben doch zwischenmenschlich noch nie ein Problem gehabt miteinander.

Langgärtner: (süffisant) Wir gehen also in den Hessenreuther Wald und bauen die sechs geplanten Windräder dort, die seit acht Jahren verweigert werden. Keine Chance dort.

Gerber: Das wäre der richtige Standort dort, für meine Begriffe.

Langgärtner: Natürlich, aber dort geht nichts, weil’s nicht gewollt ist.

Gerber: Es kann doch nicht sein, dass man in einem Waldgebiet nicht bauen darf – Aiwanger hat ja erklärt, man muss die Windräder in einen Wald stellen, Söder erklärt, man soll an Autobahnen, in Industriebrachen und in Staatsforsten und auf Truppenübungsplätzen bauen. Das ist der richtige Weg. Aber doch nicht an der Wohnbebauung.

Langgärtner: Wir sind 1.000 Meter weg.

Gerber: 1.000 Meter weg, mitten im Dorf, hat mir mal einer erklärt, da sind alle gleich belastet. Drei Ortsteile sind zu gleichen Teilen belastet. Ja, erwartet er damit Applaus?

Langgärtner: Belastet, womit sollen die belastet sein? Mit was denn?

Gerber: Von den Sichtachsen her. Von allen. Es gibt doch genügend Möglichkeiten und genügend Argumente gegen die Windkraft. Und es gibt viele dafür. Das ist auch klar. Wir sind für Windkraft, aber nicht für diesen Standort.

Ratsbegehren am 12. Dezember

Der Marktrat hat beschlossen, ein Ratsbegehren durchzuführen und möchte mit einem Bürgerentscheid die Meinung der Parksteiner Bürgerinnen und Bürger bis zum 12.12.2021 abfragen.

Die Frage lautet:

  • „Sind sie dafür, dass eine Bauleitplanung „Sondergebiet Bürgerwindpark Eichentratt“ aufgestellt wird, die die Errichtung von maximal drei Windenergieanlagen ermöglicht und damit einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung der gemeindlichen Klimaschutzziele und zur Sicherung der ökologischen Stromerzeugung vor Ort leisten kann?“

Das Plädoyer für die Energiewende und das für Windkraft, aber gegen den Standort könnt ihr hier nachlesen.

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