„Wir erwarten einen ordentlichen Ansturm“: Jugendzentrum Weiden öffnet wieder

Weiden. Im Juz können Jugendliche Musik machen, tanzen, reden - und der Eistee kostet 30 Cent. Das Jugendzentrum erlebt einen Besucher-Boom mit all seinen Herausforderungen. Am Montag öffnet es wieder.

Diese Leute sieht man oft im Jugendzentrum Weiden: Das Juz-Team Nico Erhardt, Julia Zimmermann, Johanna Grillenbeck und Florian Graf mit Benjamin Kahnes und Valera Westfal vom Magischen Projekt. Bild: Juz Weiden
Diese Leute sieht man oft im Jugendzentrum Weiden: Das Juz-Team Nico Erhardt, Julia Zimmermann, Johanna Grillenbeck und Florian Graf mit Benjamin Kahnes und Valera Westfal vom Magischen Projekt. Bild: Juz Weiden
Das Juz-Team: Florian Graf, Julia Zimmermann und Nico Erhardt.Auch  Johanna Grillenbeck (nicht im Bild) gehört dazu. Bild: Beate Luber
Das Juz-Team: Florian Graf, Julia Zimmermann und Nico Erhardt.Auch Johanna Grillenbeck (nicht im Bild) gehört dazu. Bild: Beate Luber
Anschlagtafel im Juz. Bild: Beate Luber
Anschlagtafel im Juz. Bild: Beate Luber
Der Saal. Bild: Beate Luber
Der Saal. Bild: Beate Luber
Der Spieleraum. Bild: Beate Luber
Der Spieleraum. Bild: Beate Luber
Die Disco. Bild: Beate Luber
Die Disco. Bild: Beate Luber
Der Spielwagen. Bild: Beate Luber
Der Spielwagen. Bild: Beate Luber
Neu gestaltete Fassade im Juz. Bild: Beate Luber
Neu gestaltete Fassade im Juz. Bild: Beate Luber
Das Tonstudio. Bild: Beate Luber
Das Tonstudio. Bild: Beate Luber
Das Tonstudio. Bild: Beate Luber
Das Tonstudio. Bild: Beate Luber
Der Tanzraum. Bild: Beate Luber
Der Tanzraum. Bild: Beate Luber
Einer von 3 Bandräumen im Juz Weiden. Bild: Beate Luber
Einer von 3 Bandräumen im Juz Weiden. Bild: Beate Luber
Bild: Juz Weiden
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber
Bild: Beate Luber

Über die Sommerferien war zu, doch am Montag kurz nach Schulschluss wird es wieder dasselbe Bild wie jeden Schultag geben – schon sind die ersten Jugendlichen da, sitzen auf der Tischtennisplatte, skaten im Skatepark, fläzen auf den Treppen, und warten, bis das Juz um 15 Uhr endlich aufmacht.

Seit 1981 existiert das Jugendzentrum in seiner heutigen Form, unter der Trägerschaft des Stadtjugendrings. Vor den Ferien hatte das Haus so viele Tagesbesucher wie nie zuvor, etwa 150 schätzen die Mitarbeitenden. Früher waren es mal 50, mal 10. Dazu kommen noch die Massenveranstaltungen, die das Juz organisiert, wie das Hip-Hop-Festival „All Forms of Rockin'“ mit 800 Besucherinnen und Besuchern, oder der Skatecontest mit knapp 1.000. „Auch nach den Ferien erwarten wir wieder einen ordentlichen Ansturm“, sagt Johanna Grillenbeck vom Juz-Team. Das Jugendzentrum in Weiden erlebt also einen kleinen Boom. Doch mit dem Besucherboom kommen auch Herausforderungen.

„Jugendliche haben Probleme“

„Es ist nicht so, dass wir nur Musterschüler hätten, die den ganzen Tag basteln“, sagt Florian Graf vom Juz-Team lakonisch. „Jugendliche haben Probleme, darum müssen wir uns kümmern.“ Dazu gehören Probleme in der Schule, mit den Eltern, den Freunden, aber auch mit Alkohol und Drogen. Auch das gehört zum Tagesgeschäft eines Jugendsozialarbeiters.

In den Osterferien, erzählen Graf und sein Team, habe sich das geballt. „Nach dem Lockdown war hier auf einmal eine Riesenmasse an Menschen, die ganze Terrasse und das Café waren voll. Wir waren froh, die Kinder wieder dazuhaben, kannten aber keinen Menschen, alle mussten Maske tragen“, erinnert sich Sozialpädagogin Julia Zimmermann. War das Team überfordert? „Nein nicht überfordert. Es war geballt, es hat etwas Zeit gebraucht“, so Graf.

Kommentar „Juz ist kein Schandfleck, sondern ein Ort für alle“

Das Jugendzentrum wird erst zum „Schandfleck“, wenn es Problemfälle aussperrt. Hier geht es zum Kommentar von Beate Luber.

„Alle haben Gas gegeben“

In dieser Zeit lief die Frühjahrsvollversammlung des Stadtjugendrings (SJR), des Trägers des Juz. Dort entschieden sich Florian Vogel, Vorsitzender des SJR, und Geschäftsführer Ewald Zenger, Tacheles zu reden. „Wir hatten die Wahl: Kehren wir das unter den Tisch, oder kommunizieren wir transparent“, so Zenger. Also berichteten sie, dass sich Jugendliche auf der Freifläche des Juz betrinken, kiffen, auch von härteren Drogen war die Rede. „Alle haben Gas gegeben“, bestätigt Graf. Schulen, Polizei und andere Vereine berichteten von denselben Problemen, so Zenger.

Die Nachricht hat Unruhe verursacht. Kurz war im Gespräch, Security für die Außenbereiche anzustellen. Denn in diesen Bereichen, die gar nicht mehr zum Juz gehörten, sondern öffentlicher Grund sind, gab es am meisten Probleme. Doch die Unruhe hat sich nach den Pfingstferien wieder gelegt, Security ist nicht mehr nötig.

„Wir sagen nicht einfach: ‚Du fliegst raus'“

Das ist vor allem dem Juz-Team zu verdanken, das inmitten der Aufregung das gemacht hat, was es immer macht: nämlich zu versuchen, mit den Jugendlichen in Kontakt treten. „Bei uns läuft alles über das Reden“, so Zimmermann. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter identifizierten einige Problemfälle. „Bei 150 Leuten sind es nicht 150, die Stress machen, sondern fünf oder zehn.“ Drei Hausverbote mussten sie aussprechen, davon zwei Langzeitverbote, ein Mädchen hat ein Kurzzeit-Hausverbot. „Wir sagen nicht einfach: ‚Du fliegst raus‘. Jeder Jugendliche, der auffällig ist, hat eine Hintergrundgeschichte. Wir lassen niemanden fallen“, sagt Graf.

Kommende Veranstaltungen im und mit dem Juz

  • 17. September, 13Uhr bis 16 Uhr: Mädchen-Flohmarkt im „Plan B“ (22 Tische mit Klamotten, Schuhen und Accessoires von jungen Frauen für junge Frauen)
  • 24. September, 15 Uhr bis 18 Uhr: Juz-Club (Disco mit Menschen mit und ohne Behinderungen)
  • 30. September: Lange Nacht der Demokratie (Kunstausstellung und Lesung von Alice Hasters „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“)
  • 23. Oktober: Dance Your Style (Tanzcontest in der Mehrzweckhalle mit 400 Tänzerinnen und Tänzern, Anmeldung ab jetzt möglich)
  • 28. Oktober: Kunstgenuss bis Mitternacht im Plan B (Musik und Kunst)

„Wenn sie im Stadtbad sind, ist da niemand“

Mit zwei der drei Jugendlichen seien sie immer noch in Kontakt, die Schicksale seien teilweise hart: „In Weiden gibt es nichts, was es in Großstädten nicht auch gibt.“ Das Team wehrt sich dagegen, von einer Belastung oder Überforderung zu reden. Sie seien froh, dass auch die Problemfälle zu ihnen kommen. „Wenn sie im Stadtbad sind, ist da niemand“, sagt Graf. „Und die Jugendlichen haben Hilfe verdient.“

Julia Zimmermann, sagt Graf, sei die Frau für die harten Fälle. Wie sie Zugang zu den Jugendlichen finde? „Es gibt kein Patentrezept. Einfach dranbleiben, aber auch Luft geben. Ich finde es wichtig, Regeln und Grenzen ganz klar aufzuzeigen“, sagt Zimmermann. „Aber ob die Jugendlichen mitmachen, bleibt ihnen überlassen“, hakt Nico Erhardt ein. Jeder der vier Mitarbeitenden im Juz-Team, zwei Frauen und zwei Männer, sei ein eigener Charakter. Die Jugendlichen könnten sich aussuchen, zu wem sie am liebsten Kontakt haben.

Öffnungszeiten im Jugendzentum

Das Haus in der Frühlingsstraße 1 hat Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 15 Uhr bis 21 Uhr geöffnet. Bei Veranstaltungen variieren die Öffnungszeiten.

60 ehrenamtliche ehemalige Juz-Gänger

Doch das Team will nicht nur über die Problemfälle reden, sondern auch über das, was das Juz zum größten Teil ausmacht. Über die zahlreichen Kids, die hier täglich das Tonstudio oder den Tanzraum nutzen, die hier selbständig die Theke schmeißen und sich so etwas dazuverdienen. Und über die 60 Ehrenamtlichen, die für das Juz tätig sind, etwa 50 von ihnen unter 25 Jahren. Diejenigen, die sich schon freinehmen, bevor sie überhaupt gefragt werden, wenn das Seifenkistenrennnen oder der Skatecontest anstehen. Es sind selber ehemalige Juz-Gänger, die jetzt den jüngeren zeigen, wie man einen Song aufnimmt, oder wie es eben so zugeht im Juz.

„Hier kann jeder herkommen, wirklich jeder“

Einer davon ist Alexander Riedl. Mit 13 Jahren war er zum ersten Mal im Juz, jetzt ist er 19. Er macht gerade eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker, hängt nach Feierabend immer noch gern hier ab und hilft auch bei den Veranstaltungen mit. Als das Juz wegen Alkohol- und Drogenproblemen in der Tageszeitung auftauchte, habe er die Darstellung der anderen Seite vermisst. Klar gebe es Ausnahmen. Aber die meisten hielten sich an die Regeln. Was er gut findet: „Man kann hier auch diskutieren, über Politik und Demokratie. Wenn jemand Probleme in der Schule oder mit den Eltern hat, wird ihm geholfen.“ Ihm gefällt vor allem die Offenheit: „Hier kann jeder herkommen, wie er ist. Wirklich jeder.“

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