„Wir sind nun einmal anders als die Andern“: Gedenken an homosexuelle NS-Opfer

Flossenbürg. Menschen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden, standen im Mittelpunkt des Gedankakts des Landtags in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Ein neuer Gedenkstein wurde eingeweiht, ein ergreifendes Lied ertönte.

Gedenken der homosexuellen NS-Opfer: Landtagspräsidentin Ilse Aigner (rechts), queerpolitische Sprecherin der Grünen in Nürnberg Uschi Unsinn und der Direktor der Stiftung der bayerischen Gedenkstätten Karl Freller. Bild: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

Der Bayerische Landtag und die Stiftung Bayerische Gedenkstätten haben am Mittwoch in Flossenbürg in einem Gedenkakt an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Besonders gedachten sie dieses Jahr der Menschen, die auf Grund ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden. Dazu gab es ein ergreifendes Programm.

Menschen immer noch diskriminiert

Landtagspräsidentin Ilse Aigner und der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, kamen zum großen Gedenkakt. Sie erinnerten daran, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in der NS-Zeit kriminalisiert und getötet wurden. Das Gedenken an die homosexuellen Opfer der NS-Zeit stand lange nicht im Mittelpunkt der Erinnerungspolitik in Deutschland. Deshalb war der Schwerpunkt des Gedenktags umso wichtiger. Die Rednerinnen und Redner mahnten auch immer wieder, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung immer noch diskriminiert werden.

Die neue Stele im Tal des Todes in Gedenken an die homosexuellen NS-Opfer, gestaltet von Künstler Bastian Brauwer. Bild: KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

„Denn wir sind alle andrer Welten Kind“

Einer der ergreifensten Momente war wohl, als die neue Gedenkstele, gestaltet von Bastian Brauwer, Bildhauer und Vorsitzender CSD Nürnberg, im Tal des Todes präsentiert wurde, und danach „Das lila Lied“ erklang, vorgetragen von Luca Fabièn Dotzler. „Das lila Lied“ ist die erste Hymne der homosexuellen Bewegung aus dem Jahre 1920 mit dem Refraintext: „Wir sind nun einmal anders, als die andern, die nur im Gleichschritt der Moral geliebt, neugierig erst durch tausend Wunder wandern, und für die ′s doch nur das Banale gibt. Wir aber wissen nicht, wie das Gefühl ist, denn wir sind alle andrer Welten Kind. Wir lieben nur die lila Nacht, die schwül ist, weil wir ja anders als die andern sind.“

Die Öffentlichkeit war aufgrund der Coronalage leider ausgeschlossen. Jedoch wurde der Gedenkakt live im Bayerischen Fernsehen übertragen. Im Vorfeld der Veranstaltung gab es einige Aufregung, weil die Querdenker-Bewegung versuchte, den Gedenktag für sich zu vereinnahmen, was jedoch nicht gelang. Die Aufmerksamkeit und das Gedenken war ganz den Opfern des Nationalsozialismus und der homosexuellen NS-Opfer vorbehalten.

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