Zensus für die Bäume: Bundeswaldinventur in der nördlichen Oberpfalz

Waldershof. Die Wälder verändern sich: Sturm, Hitze, Dürre und Borkenkäfer hinterlassen deutliche Spuren in den bayerischen Wäldern. Welche Veränderungen es in den vergangenen zehn Jahren gegeben hat, soll die 4. Bundeswaldinventur herausfinden.

Leonie Gass und Wolfgang Stöger werden in den kommenden Wochen in der nördlichen Oberpfalz und im südlichen Oberfranken alle relevanten Daten für die Bundeswaldinventur ermitteln. Aufmerksamer Beobachter war Forstdirektor Moritz Neumann (von links) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth-Weiden. Foto: Udo Fürst
Leonie Gass und Wolfgang Stöger werden in den kommenden Wochen in der nördlichen Oberpfalz und im südlichen Oberfranken alle relevanten Daten für die Bundeswaldinventur ermitteln. Aufmerksamer Beobachter war Forstdirektor Moritz Neumann (von links) vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth-Weiden. Foto: Udo Fürst
Wolfgang Stöger und Leonie Gass sind in den kommenden Wochen im Landkreis Tirschenreuth unterwegs, um die Daten für die vierte Bundeswaldinventur zu ermitteln. Fotos: Udo Fürst
Wolfgang Stöger und Leonie Gass sind in den kommenden Wochen im Landkreis Tirschenreuth unterwegs, um die Daten für die vierte Bundeswaldinventur zu ermitteln. Fotos: Udo Fürst
Udo Fürst
Udo Fürst

Wenn der frühe Schwammerlsucher oder Wanderer in den nächsten Wochen im Steinwald oder Fichtelgebirge grün-braun gekleidete Menschen mit seltsam anmutenden Instrumenten in der Hand sieht, dürfte es sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um Fachleute der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) handeln, die zwei Jahre lang Daten für die vierte Bundeswaldinventur (BWI) erheben.

Zwei Jahre unterwegs

In der Nähe von Waldershof sind zurzeit mit Leonie Gass und Wolfgang Stöger zwei von insgesamt 19 speziell geschulten Försterinnen und Förstern der LWF unterwegs, die über zwei Jahre hinweg die Daten für diese Inventur erheben. Die beiden erheben die Walddaten an den Stichprobenpunkten schwerpunktmäßig in der nördlichen Oberpfalz und in Oberfranken. Sie vermessen und bewerten genau jene Bäume, die ihre Vorgänger bereits vor zehn Jahren exakt an diesen Inventurpunkten untersucht haben. Zu ihrer Ausstattung gehören Feldcomputer, GNSS-Gerät, Ultraschall-Höhen- und Entfernungsmesser, Maßband, Durchmesser-Bandmaß, Relaskop, Kompass und Hochkluppen mit einer Teleskopstange.

Viele Fragen

Wie viele Bäume stehen im Umkreis? Wie dick ist der Stamm, wie sieht die Krone aus? Was wächst am Boden? Liegen abgestorbene Äste und Stämme herum, in denen Pilze oder Insekten leben können? Hat sich der Zustand des Baums in den vergangenen zehn Jahren verändert? „Aus dem Vergleich der Ergebnisse lassen sich Änderungen der Waldzustände ablesen und in längerfristige Zusammenhänge und Vorgänge einordnen und Entwicklungen zu den vorigen Bestandsaufnahmen ablesen“, erklärt Wolfgang Stöger. Der ist eigentlich Landesinventurleiter bei der LWF, ist aber für einen erkrankten Kollegen eingesprungen.

Versteckte Eisenrohre

Gesucht werden im Waldboden versteckte Eisenrohre, mehr als hundert dieser Inventurpunkte gibt es auf den vier mal vier Kilometer großen Rastern, mit dem die LWF Bayerns Waldgebiete vor 35 Jahren – also noch in analogen Zeiten ohne computergestützte Datenverarbeitung – überzogen hat. Seit damals, als die Wälder vom sauren Regen bedroht waren und das Damoklesschwert des Waldsterbens über bundesdeutschen Wäldern hing, werden diese bayernweit etwa 8000 Inventurpunkte regelmäßig alle zehn Jahre angesteuert. Damit sollen der aktuelle Bestand und Zustand des Waldes dokumentiert und Daten erhoben werden, die Auskunft über seine Entwicklung geben. Denn der Wald ist ein langfristiges Projekt. Und es geht ihm deutlich besser als noch vor 20, 30 Jahren. „In Bayern gibt es immer mehr Wald“, weiß Wolfgang Stöger und beziffert die Zahl auf 2,6 Millionen Hektar. „Wir haben etwa fünf Milliarden Bäume und jährlich wachsen im Freistaat 30 Millionen Kubikmeter Bäume nach. Jede Sekunde ist das ein Kubikmeter Holz.“

15 Bäume gesucht

Die LWF-Förster suchen mit Kompass und GNSS-Gerät besagte Eisenringe, um dann mit Maßstock, Baumhöhenmessgerät und Laptops die rund 15 Bäume im Umkreis dieses Inventurpunkts zu erfassen. Dabei werden Baumart, Durchmesser, Höhe, Alter, Besonderheiten und Verletzungen wie eventuelle Holzernte- oder Sturmschäden der Bäume ermittelt und eingetragen. Auch die nachwachsenden jungen Bäumchen, die Bodenvegetation mit Heidelbeeren und Brennnessel sowie naturschutzrelevante Parameter wie Totholz, Biotopbaummerkmale, Strukturvielfalt und Waldlebensraumtypen werden genau erfasst. Sie spielen für die Zukunftsprognose des jeweiligen Waldes und hinterher für die Beratung der Waldbesitzer eine große Rolle.

Naturnah und strukturreich

Stögers und des Forstes Idealvorstellung sind naturnahe und strukturreiche Mischwälder aus alten und jungen Bäumen, vorzugsweise mit viel Totholz für Insekten, Baumpilze und Vögel. Das Fichtelgebirge und sein südlicher kleiner Bruder Steinwald sind noch weit weg von diesem Ideal. Hier herrschen Fichten und Tannen vor, beide recht anfällig gegen Klimawandel, Trockenheit und Borkenkäfer. Aber auch hier sei man am gegensteuern, betont der Förster. „Bayern ist eigentlich ein Buchenland. Die Rückentwicklung dorthin ist ein natürlicher Prozess.“

 

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