Hier wird den Kids in den Ferien garantiert nicht langweilig

Immenreuth. Eine etwas andere Abwechslung vom "Ferienalltag" wird Kindern und Jugendlichen in der ehemaligen Familienferienstätte geboten.

Gruppenbild mit den Jugendbeauftragten, einigen Bürgermeistern und den Veranstaltern vom ECW-Team. Foto: Udo Fürst
Gruppenbild mit den Jugendbeauftragten, einigen Bürgermeistern und den Veranstaltern vom ECW-Team. Foto: Udo Fürst
Mit Events wie
Mit Events wie „Felder der Ehre“ will der Begegnungscampus Immenreuth GmbH (BCI) im Verein ECW Jugendbildung e.V. Kindern und Jugendlichen die Ferienzeit verschönern. Fotos: ECW
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Mit Events wie „Felder der Ehre“ will der Begegnungscampus Immenreuth den Kindern und Jugendlichen spannende Abwechslung in der Ferienzeit bieten. Foto: ECW
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Udo Fürst
ECW Immenreuth
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Die charakterliche Entwicklung junger Menschen stärken, sie weiterbilden und die Völkerverständigung voranbringen – was auf den ersten Blick zwar vernünftig, aber auch nicht allzu spannend klingt, macht den teilnehmenden Kids richtig viel Spaß und garantiert ihnen Kurzweil im oft nicht sehr aufregenden Ferienalltag.

Der Verein „Ellodan Creative Works Jugendbildung e.V.“, kurz ECW, geht im Bereich Jugendbildung einen neuen Weg. „Unser Konzept, durch Larp („Live Action Role Play, zu deutsch Live-Rollenspiele“) die charakterliche Entwicklung junger Menschen zu stärken und zu selbstbewussten Persönlichkeiten zu entwickeln, ist deutschlandweit einzigartig“, sagt Tanzschulinhaber und Persönlichkeitstrainer Bruno Wissenz, Projektleiter beim ECW. Vor circa einem Jahr kaufte der Verein die frühere Kolping-Familienferienstätte Immenreuth und betreibt dort nun einen Begegnungscampus.

Keine Reaktion

Unter dem Motto „Gemeinsam mehr erreichen“ hatten der Begegnungscampus und der ECW kürzlich alle Jugendbeauftragten und Bürgermeister(innen) des Landkreises Tirschenreuth zu einem runden Tisch eingeladen. So wollten die ECW-Verantwortlichen eine gewisse Enttäuschung nicht verhehlen, dass von den 60 Eingeladenen nur knapp zehn gekommen waren. Leider sei von 18 der29 eingeladenen Kommunen überhaupt keine Reaktion auf die Einladung erfolgt.

Der Einladung gefolgt waren die Jugendbeauftragten aus Immenreuth (Monika Heindl), Kemnath (Maria Heser und Mirjam Müller), Krummennaab (Andreas Heinz), Kulmain (Manuel Griener), Reuth (Barbara Neugirg), Waldsassen (Katja Bloßfeldt und Andreas Koch) sowie Bürgermeister Günter Kopp aus Kulmain und dritter Bürgermeister Eberhard Besold aus Immenreuth.

Vernetzung forcieren

Bruno Wissenz erklärte das Ziel des Treffens: „Wir möchten die Vernetzung der Kommunen mit den Menschen hier in der Begegnungsstätte forcieren und mit den entscheidenden Personen über Ferienprogramme, Aktionen sowie Kinder- und Jugendbildung in der Region diskutieren.“ Nicht zuletzt wolle man aktiv neuen Schwung in die zuletzt durch die Pandemie stark belastete Ferien- und Jugendarbeit bringen.

„Wir haben dafür ein Ferienprogramm auf die Beine gestellt, das wir weit über Immenreuth hinaus öffnen möchten“, so der Projektleiter. Gemeinsam mit den Verantwortlichen vor Ort wolle man Schwung in die Jugendarbeit bringen und den Kindern und Jugendlichen ermöglichen, ihre Ferien aktiv zu nutzen, zu gestalten und zu genießen.

Ehrenamtliche fehlen

Zu Beginn befragte Wissenz die Gäste nach ihren Erfahrungen in den einzelnen Kommunen. Übereinstimmendes Resümee: Die Vereine sind in den allermeisten Fällen die treibende Kraft der Ferienprogramme. Ebenso einmütig bedauerten die Diskussionsteilnehmer, dass es immer schwerer werde, Ehrenamtliche zu finden.

Eberhard Besold berichtete von seiner Erfahrung, dass Eltern ihre Kinder oft einfach nur abgeben, ohne sich wirklich dafür zu interessieren, was die Kids überhaupt genau machen in den Vereinen und bei den Ferienveranstaltungen. „Hauptsache ei paar Stunden weg“, scheint da die Hauptmotivation zu sein.“

Rollenspiel Larp

Wissenz machte deutlich, dass man ein völlig andere Ferienprogram biete, als die Städte und Gemeinden dazu in der Lage seien. Beispiel Rollenspiel „Larp“ aus der Welt der Fantasy als Teil eines Fantasy Mittelalter-Zeltlagers, an dem in den vergangenen Jahren schon bis zu 250 junge Menschen teilnahmen: „Das hat nichts mit Kriegsspielen zu und und wir sind auch weder politisch noch religiös aktiv“, sagte Wissenz und wusste: „Das kommt bei den Kids an wie geschnitten Brot. Und warum? Bei uns gibt es Schwerter, Pfeil und Bogen“, brachte es der Projektleiter auf den Punkt.

„Das ist aber völlig ungefährlich. Die sind aus Schaumstoff und Gummi“, relativierte er sogleich. Bei Larp handle es sich um eine spezielle Form des Rollenspiels, in dem die Spieler in eine selbst erdachte Rolle schlüpfen – a la Skyrim, Assassin’s Creed oder World of Warcraft. Damit entwickeln die Spieler zusammen mit anderen, ähnlich einem Improvisationstheater, in einem vorgegebenen Szenario eine eigene Geschichte. „Alles völlig ungefährlich, rein spielerisch.“

Entwicklung fördern

Man unterstütze Jugendliche dabei, sich Herausforderungen mutig zu stellen, persönliche Stärken zu entwickeln und „den Helden in sich zu entdecken“, heißt es in der Broschüre des ECW. „Wir sind die einzigen in Deutschland, die auf unseren großen ‚Felder der Ehre‘ – Events eine fundierte Larp-Ausbildung anbieten. Damit fördere man die Entwicklung von Jugendlichen und  jungen Erwachsenen hin zu verantwortungsvollen und selbstbewussten Persönlichkeiten und vernetzen junge Menschen in einer Deutschland– und europaweiten Community.

„Dabei ist uns vor allem auch die paritätische und inklusive Arbeit wichtig. Der Begegnungscampus heißt jedes Mädchen, jeden Jungen mit toleranter Gesinnung willkommen“, betont Marius Boywitt, Vorsitzender und Geschäftsführer des Begegnungscampus. Man werde trotz der geringen Resonanz bei der ersten Zusammenkunft weiterhin mit den Kommunen in Kontakt bleiben, versicherten Boywitt und Wissenz.

Weitere Infos und Anmeldung für die Ferienprogrammpunkte per E-Mail unter info@BegegnungsCampus.de, telefonisch unter +49/15730363394 oder im Internet unter http://www.begegnungscampus.de/.

In der ehemaligen Jugendferienstätte leben zehn ECW-Mitarbeiter/(innen) dauerhaft, insgesamt arbeiten zwischen 20 und 40 Frauen und Männer für den Verein, der ursprünglich aus der Erlanger Gegend kommt. Der Begegnungscampus vereine Wohnen und Arbeiten und bietet Platz für Seminare, Tagungen und Workshops mit Übernachtungsmöglichkeiten sowie Raum für Vereine, Sport und Spiel.

Derzeit sind dort auch Flüchtlingsfamilien aus Syrien, dem Irak und der Ukraine untergebracht.

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