Innovative Kunst am Ort des Schreckens

Flossenbürg. Die südafrikanische Künstlerin Talya Lubinsky tritt mit ihrer Ausstellung „Melting Stone“ in einen künstlerischen Dialog mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg.

Mit der Ausstellung der südafrikanischen Künstlerin Talya Lubinsky (rechts) nutzt Prof. Dr. Jörg Skriebeleit (links), der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg das ehemalige DESt-Verwaltungsgebäude als Experimentierfeld Erinnerung. Die Kuration der Ausstellung lieg in den Händen von Dr. Katharina Fink (Mitte).Foto: Hans Prem
Mit der Ausstellung der südafrikanischen Künstlerin Talya Lubinsky (rechts) nutzt Prof. Dr. Jörg Skriebeleit (links), der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg das ehemalige DESt-Verwaltungsgebäude als Experimentierfeld Erinnerung. Die Kuration der Ausstellung lieg in den Händen von Dr. Katharina Fink (Mitte).Foto: Hans Prem
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Die Ausstellung „Melting Stone“ befindet sich in einem stillgelegten Gebäude, in dem früher die Verwaltung der Deutschen Erd- und Steinwerke (DESt) untergebracht war. Die DESt, ein SS-eigener Betrieb, bewirtschaftete den angrenzenden Granitsteinbruch.

Die Installation nimmt die geologisch-historische Bedeutung von Granit und Glas zum Ausgangspunkt, um Gedenkkulturen zu befragen.

Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg

„Sanding Glass“ ist eine großflächige Arbeit auf und mit Glas. Sie ist vor einem 14 Meter langen und 2,5 Meter hohen Wandbild an den Wänden des ehemaligen „Gefolgschaftssaals“ installiert. Der nationalsozialistischen Ideologie der Zeit folgend, sind hier kräftige Steinmetze und Bauarbeiter dargestellt, die im faschistisch-realistischen Stil gemalt sind. In den Jahrzehnten nach der Befreiung des Lagers wurden die Gesichter der Figuren absichtlich entfernt. Auch die Farbe des Wandgemäldes ist vielfach aufgesprungen und abgeblättert.

Kratzen an der Oberfläche

Talya Lubinsky bearbeitet jene Teile des Gemäldes, die nicht abgerieben oder verwittert sind, auf Glas, um sie undurchsichtig zu machen. Steht der Betrachter direkt vor der Installation, sind durch das klare Glas nur noch die Teile der Wand zu sehen, die bereits durch die Zeit oder durch menschliche Eingriffe verunreinigt worden sind. So entsteht durch das Kratzen an der Oberfläche visueller Konventionen eine neue Zeichnung, die den Blick auf die Inhalte einer Geschichte lenkt, die durch ihre Abwesenheit erzählt wird.

„Zum einen setzt sich Talya Lubinsky aktiv mit der An- und Abwesenheit von Täterspuren im Gebäude auseinander. Zum anderen symbolisiert sie mit Skulpturen aus geschmolzenem Granit den Wandel und die Vergänglichkeit der Erinnerung“, erläutert Prof. Dr. Jörg Skriebeleit. Gerade deshalb passe ihre Kunst hervorragend zu diesem Ort des ehemaligen KZ-Steinbruchs, der sich weiterhin als Experimentierraum für Erinnerungskultur definieren werde.

Eine besondere poetische Sprache

Kuratorin Dr. Katharina Fink, die Leiterin der künstlerischen Programme im Iwalewahaus der Universität Bayreuth, die eine Gruppe Studenten zur Eröffnung mitgebracht hatte, bezeichnete die Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg als eine „bereichernde Erfahrung“. Lubinsky, mit der sie schon oft zusammengearbeitet habe, ermögliche es, mit ihren Arbeiten eine neue poetische Sprache dafür zu finden, Geschichte zu vergegenwärtigen. Die Künstlerin selbst bedankte sich bei allen, die ihr bei der Erstellung der Installation geholfen haben.

Die Ausstellung kann noch bis 18. September täglich von 13 Uhr bis 17 Uhr im ehemaligen DESt-Gebäude besucht werden.

Hintergrund

Dieses Projekt ist der erste Artist in Residence- und Ausstellungskooperation zwischen der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg und dem Iwalewahaus der Universität Bayreuth, einem Raum für die Produktion und Diskussion von Kunst aus Afrika und darüber hinaus.

Talya Lubinsky ist eine Künstlerin aus Johannesburg, die derzeit in Berlin lebt. Sie die Enkelin jüdischer Großeltern, die damals nach Südafrika ausgewandert sind.

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