Ist Krebs bald eine Krankheit von vielen?

Waldeck. Einen Vortrag zur Entwicklung der Biomedizin hielt Dr. Josef Scheiber bei der Mittelstandsunion des Kreisverbands Tirschenreuth.

Über die Entwicklung der Biomedizin referierte Dr. Josef Scheiber bei der Mittelstandsunion des Kreisverbandes Tirschenreuth. Foto: Roman Melzner
Über die Entwicklung der Biomedizin referierte Dr. Josef Scheiber bei der Mittelstandsunion des Kreisverbandes Tirschenreuth. Foto: Roman Melzner
Aufmerksame Zuhörer fand Josef Scheiber in den Mitgliedern der Mittelstands-Union. Foto: Roman Melzner
Aufmerksame Zuhörer fand Josef Scheiber in den Mitgliedern der Mittelstands-Union. Foto: Roman Melzner
Roman Melzner
Foto: Roman Melzner

Josef Scheiber, der Geschäftsführer der Firma Biovariance GmbH zeigte die hohe Dynamik und
Geschwindigkeit in der Biomedizin auf, in die nicht erst seit Corona deutlich auch finanziell investiert werde. Kaum jemand kennt die noch kleine Firma aus Tirschenreuth.

Wer sich in den vergangenen Monaten aber einem PCR-Test unterzogen hat und auf dessen Ergebnis wartete, erhielt dieses vermutlich auch vom Unternehmen von Josef Scheiber. Der Fachmann referierte nun in den Hollerhöfen über die Entwicklung der Biomedizin in den vergangenen Jahren.

Aufträge aus ganz Bayern

Die Firma bekommt mittlerweile wegen ihrer Schnelligkeit und Zuverlässigkeit Aufträge aus ganz Bayern. Geschäftsführer und Gründer Dr. Josef Scheiber ist als anerkannter Fachmann auch bei der Erforschung des Corona-Virus immer wieder gefragt. Die Biomedizin dient der molekularen und zellbiologischen Erforschung der Ursachen von Krankheiten, um sie ursächlich behandeln und effektiv vorbeugen zu können, erläuterte Scheiber eingangs.

Er zeigte dabei die hohe Dynamik der ständigen Wissensvermehrung bei der Biomedizin auf. Habe sich das Wissen auf diesem Gebiet im Jahre 1950 noch alle 50 Jahre verdoppelt, passiere dies mittlerweile alle 48 Tage, verdeutlichte der Referent die enorme weltweit vernetzte Datenlage.

Rasender Fortschritt

Im Bereich der EDV sei die Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten auch sehr stark angestiegen. Dennoch habe sie in den vergangenen zehn Jahren nicht annähernd mit den Sieben-Meilen-Stiefeln der Biomedizin mithalten können. Scheiber zeigte den Schaltplan des menschlichen Körpers auf. Die Möglichkeiten der Forschung in diesem Ausmaß sei vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.

Am Beispiel der Krankheit Krebs zeigte Scheiber, dass seit rund zehn Jahren eine Lebensverlängerung von mehreren Jahren durch die richtige Behandlung erfolgen könne. Wenn sich diese Wissensdynamik so fortsetze, werde der Krebs in rund zehn Jahren der Volkskrankheit Diabetes gleichzusetzen sein. Die neuen Herausforderungen seien heimtückische Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Scheiber: „Wir werden erfreulicherweise zwar immer älter, was aber auch neue Krankheitsbilder zur Folge hat.“

„Impfen hilft“

Bei der Diskussion ging Scheiber auch auf die Corona-Situation in China ein, wo aktuell in Städten wie in Hongkong oder Shanghai Millionen Menschen einfach isoliert werden. In diesen Gebieten wurde der in Europa eher unbekannte Impfstoff Sinovac verabreicht, erklärte Scheiber.

Dieser habe sehr gut gegen das Delta-Virus gewirkt, aber anscheinend kaum gegen die Omikron-Variante. „Das ist aber auch ein Zeichen dafür, dass eine Impfquote bei uns von circa 80 Prozent mit unseren Impfstoffen doch nicht so schlecht ist. Und, dass vor allem das Impfen definitiv hilft.“

Bakterien fressen Plastik

Der Bio-Tech-Gründer aus Tirschenreuth zeigte anhand seiner Präsentation viele Erfolge und Fortschritte im Bereich der Biomedizin auf. So berichtete er von der Entwicklung von Bakterien einer Regensburger Firma, die PET-Flaschen und anderen Müll nahezu komplett auffräßen und
dabei auch noch Strom als Abfallprodukt entstehen ließen.

Ebenso wusste Scheiber von im Reaktor gezüchteten, gesundem Fleisch sowie von einem Projekt des Tesla-Milliardärs Elon Musk, bei dem Schweinen erstmals Gehirnübertragungen mit einem Chip auf ein anderes Schwein gelungen sei.

Ethik beachten

„Bei diesen Themen und der Begeisterung rund um das Thema künstliche Intelligenz müssen wir aber schon jetzt auch ethische Fragen mit in den Fokus rücken“, mahnte Scheiber. Das Geld für die Forschungen komme meist aus den USA und China, wo rein finanzielle Ziele die zentralen
Treiber seien. Die Mehrheit der Forscher hingegen, die das Knowhow einbrächten, komme überwiegend aus England, Frankreich oder Deutschland.

„Wir hatten in den letzten zwei Jahren weltweit noch nie so viele Neuzulassungen an Medikamenten und sind auf dem richtigen Weg.“ Gesunder Menschenverstand werde aber letztendlich immer unbezahlbar bleiben.

„Chancen nutzen“

„Wir haben es selbst in der Hand, ob wir nur zusehen oder auch die Chancen richtig nutzen“, betonte MU-Bezirksvorsitzender Benjamin Zeitler. Auch Kreisvorsitzender Leonhard Zintl zollte dem Redner und seinem Team, mit dem er ein Top-Unternehmen aufgebaut habe, großen Respekt. „Digitale Transformation und Innovation beim Mittelstand sorgen für Arbeitsplätze und stärkt unsere regionale Entwicklung“, so Zintl.

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