Johannes Kett (36) will Theisseiler Bürgermeisterin Marianne Rauh beerben

Letzau. Für die CSU wirft der Fraktionssprecher im Gemeinderat, Johannes Kett, den Hut in den Ring um die Nachfolge der verstorbenen Bürgermeisterin Marianne Rauh. Gast bei der Nominierungsversammlung: Dritter Bürgermeister Charly Mois von der SPD.

Die CSU schickt den Fraktionssprecher im Gemeinderat, Johannes Kett (2.v.l.), ins Rennen um das Bürgermeisteramt; darauf stoßen der Zweite Bürgermeister Karl Völkl, Landrat Andreas Meier und MdL Stephan Oetzinger an (von links). Foto: Eichl

Die Wirtsstube des DJK-Sportheims ist vollbesetzt, als der derzeit amtierende Bürgermeister Karl Völkl sagt, die CSU wolle weiterhin den Bürgermeister stellen. Er sagt es nicht explizit, aber im Verlauf der Versammlung wird deutlich, warum nicht er selbst, wie vielfach erwartet, antritt.

Das Bürgermeisteramt der Gemeinde ist ein ehrenamtliches und das lässt sich kaum mit einer Führungsposition in der Privatwirtschaft vereinbaren, wie Völkl sie derzeit bekleidet. Ein Beamter des Freistaates wie Johannes Kett dagegen kann seine Arbeitszeit so verkürzen, dass noch Zeit bleibt für das Ehrenamt eines Bürgermeisters.

Karl Völkl „uneingeschränkt“ hinter Johannes Kett

Völkl stellt sich „uneingeschränkt“, wie er an diesem Abend mehrmals betont, hinter den Kandidaten. Er werde diesen unterstützen, so wie er das bei Marianne Rauh getan habe. Johannes Kett sei „der richtige Mann“, Rauhs politisches Erbe anzunehmen und fortzuführen. Das Programm für die begonnene Wahlperiode trage bereits seine Handschrift.

Völkl spricht von einem „beispielhaften Teamwork“ der Theisseiler CSU, das ihm während der monatelangen Vertretung der erkrankten Bürgermeisterin den Rücken frei gehalten habe. Mit diesem Teamwork und einem Bürgermeister Johannes Kett werde man erfolgreich die großen anstehenden Aufgaben angehen.

Finanzminister Füracker drückt Kett die Daumen

MdL Stephan Oetzinger sagt, es sei in Marianne Rauhs Sinn, die Weichen zu stellen, damit es gut mit „ihrer Gemeinde“ weitergehe. Kett wird mit 20 von 21 Stimmen bei einer Enthaltung zum Bürgermeisterkandidaten gewählt. Oetzinger sagt zu Kett, dessen Chef, Finanzminister Albert Füracker, drücke ihm die Daumen für die Wahl. Wie Völkl bezeichnet auch Landrat Andreas Meier Kett als den richtigen Mann, als eben jenen „Profi“, den es in Krisenzeiten brauche („ein solcher bist du“). Die Zeit sei schwierig, und sie werde es noch eine Weile bleiben.

Johannes Kett (3.v.r.) will in die Fußstapfen der verstorbenen Bürgermeisterin Marianne Rauh treten. Er setzt auf sein CSU-Team, für das stellvertretend stehen Landrat Andreas Meier (rechts), MdL Stephan Oetzinger (links) und die Gemeinderäte Karl Völkl, Florian Neumann, Gabi Lukas und Bernhard Kick (von links). Foto: Eichl

Für den 36-jährigen Johannes Kett sei Marianne Rauh, so sagt er, immer das Gesicht der Gemeinde gewesen. Ihre Fußstapfen seien groß, niemand werde die Lücke, die sie hinterlasse, „jemals schließen können“. Aber man könne ihr Erbe erfolgreich weiterführen. Das zu tun, trete er an, wohl wissend, dass derlei nur im Team zu schaffen sei – und zu diesem Team zählt Kett auch den anwesenden Dritten Bürgermeister Karl-Heinz Mois von der SPD, von dem wie im Fall Karl Völkls ebenfalls erwartet worden war, er könne selbst kandidieren.

Großes Lob für Zweiten Bürgermeister

Völkls Vorschusslorbeeren gibt Kett zurück: „Etwas Besseres als Karl als Zweiter Bürgermeister hätte der Gemeinde Theisseil in dieser schwierigen Periode nicht passieren können.“

Kett bekennt, es habe auch noch andere junge CSU-Gemeinderäte als mögliche Kandidaten gegeben, etwa Bernhard Kick oder Florian Neumann. Aber ihm sei es am leichtesten, Stunden zu reduzieren, zumal der Freistaat als Arbeitgeber ehrenamtliches Engagement wie dieses ausdrücklich fördere. Dennoch werde er als Bürgermeister weiterhin Termine in München haben, er sei aber sicher, beides unter einen Hut bringen zu können, und „ein kurzer Draht zum Finanzminister muss ja kein Nachteil sein“.

Großfamilie in Theisseil „erdet mich“

Kett bezeichnet sich selbst als fest verwurzelt in seiner Heimatgemeinde. Er baut derzeit in Theisseil, die Großfamilie Kett lebt in Rufweite, „das erdet mich“, sagt er. Ausdrücklich dankt er seinem Ehemann dafür, dass dieser die Kandidatur mittrage und fördere. Theisseil sei keine reiche Gemeinde und müsse sich in erster Linie um Erhalt und Erneuerung der notwendigen Infrastruktur kümmern.

Dies allein erfordere erhebliche Anstrengungen in den kommenden Jahren. Kanalsanierungen, der Neubau eines Bauhofs und zweier Feuerwehrhäuser in Zeiten explodierender Baupreise: Bauen werde zum Luxus, sagt Kett. Da müsse möglicherweise ein Projekt wie der Radweg zwischen Theisseil und Letzau zurückgestellt werden. Es sei denn, dessen Bedeutung werde von den Förderstellen erkannt, sagt er in Richtung Oetzingers und Meiers: „Es wäre doch schön, wenn wir in den kommenden vier Jahren einen Lückenschluss zwischen Weiden und Albersrieth hinbekämen.“

Zur Person Johannes Kett

  • gebürtiger Theisseiler, 36 Jahre alt, verheiratet
  • Sohn des Wirtsehepaars Hans und Monika Kett
  • als Jugendlicher aktiver Fußballer der DJK Letzau
  • seit dem 12. Lebensjahr aktiv in der Feuerwehr Edeldorf
  • 2005 Ausbildung bei der Finanzverwaltung in Weiden
  • Studium Öffentliche Finanzen und Steuerrecht an der Hochschule für den öffentlichen Dienst in Herrsching/Ammersee
  • Studium der Wirtschaftswissenschaften (Schwerpunkt Umweltökonomie und öffentliche Finanzen) an der Fernuniversität Hagen
  • seit 2012 Beamter im Finanzministerium München (zuständig für die Sanierungen der bayerischen Schlösser, aktuell: Neuschwanstein, Opernhaus Bayreuth; außerdem im Team Staatlicher Hochbau für den Aufbau der Universität Nürnberg)
  • Hobbies: Laufen, Langlaufen, Musik (Tenorhorn, Klarinette, Klavier)
  • baut derzeit mit seinem Mann ein Haus in Theisseil

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