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Jürgen Faltenbacher, der Mann der Basis und der Bodenständigkeit im BFV

Waldsassen/München. Viele Funktionäre von DFB und BFV sind nicht gerade Prototypen des sympathischen Zeitgenossen. Jürgen Faltenbacher macht da eine Ausnahme.

Der Waldsassener Jürgen Faltenbacher hat beim Bayerischen Fußballverband einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt. Foto: Udo Fürst
Der Waldsassener Jürgen Faltenbacher hat beim Bayerischen Fußballverband einen beeindruckenden Aufstieg hingelegt. Foto: Udo Fürst
BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher (links) erhielt von BFV-Präsident Rainer Koch die Verbandsverdienstnadel in Silber. Fotos: Fabian Frühwirt
BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher (links) erhielt von BFV-Präsident Rainer Koch die Verbandsverdienstnadel in Silber. Fotos: Fabian Frühwirt
Der Waldsassener Jürgen Faltenbacher ist jetzt auch Spielleiter der 3. Liga. Foto: Fabian Frühwirt
Der Waldsassener Jürgen Faltenbacher ist jetzt auch Spielleiter der 3. Liga. Foto: Fabian Frühwirt
Bild: Udo Fürst
BFV Fabian Frühwirt
Fabian Frühwirt

Jürgen Faltenbacher ist ein freundlicher Mensch. Doch der 53-Jährige kann auch anders. Dann nämlich, wenn es um die Belange des Bayerischen Fußballverbandes oder – noch wichtiger für ihn – um Gerechtigkeit geht. Dann wird der Waldsassener schon mal streng oder unnachgiebig – je nach Bedarf. Und noch ein Attribut trifft auf ihn zu wie die berühmte Faust aufs Auge: Faltenbacher ist absolut korrekt.

Das könnte auch an seinem Beruf und an seiner Berufung liegen: Er arbeitet in der Kämmerei seiner Heimatstadt Waldsassen und er ist seit zwölf Jahren Schatzmeister des Bayerischen Fußballverbands (BFV), des größten der insgesamt 21 DFB-Landesverbände und der größte im Bayerischen Landes-Sportverband (BLSV) organisierte Sportfachverband. Im BFV sind über 4500 Vereine mit insgesamt über 1,6 Millionen Mitgliedern organisiert.

Gern gesehener Gast

Faltenbacher gilt als beliebter und gern gesehener Gast, Ansprechpartner und Unterstützer vor allem der „kleinen“ Vereine. Groß geworden beim mittlerweile aufgelösten SV Waldsassen als Spieler, Schiedsrichter (ab 1984) und Vorstandsmitglied sowie im Fußballkreis Marktredwitz als Schiedsrichter-Obmann und Kreisspielleiter, ist der passionierte Radler ein sehr nahbarer Funktionär.

Da seine Akribie und Empathie schnell bekannt wurden, waren die nächsten Stationen Bezirksspielleiter Oberfranken und Vorsitzender des Verbands-Spielausschusses (ab 2006) eine fast logische Folge. Der Aufstieg des Jürgen Faltenbacher ging aber weiter: Zwei Jahre lang Spielleiter der Regionalliga Süd, Mitglied der DFB-Kommission „Spielklassenstruktur“ und bis heute Mitglied des Spielausschusses des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Im Juli 2010 wurde er schließlich Schatzmeister des BFV,

Hohe Ehrung

Als Auszeichnung für seine herausragende Verdienste wurde Faltenbacher vor wenigen Wochen vom BFV die Verbandsverdienstnadel in Silber verliehen. „Die Liste seiner Tätigkeiten ist ganz besonders lang, das Wirken von Jürgen Faltenbacher in all diesen Ämtern aber ist das Entscheidende“, sagte BFV-Präsident Rainer Koch bei der Laudatio in der Sitzung des Vorstands und des Präsidiums in Bayreuth:

„Er ist als Schatzmeister Gestalter mit dem inneren und gelebten Auftrag, auf Sparsamkeit hinzuwirken und Investitionen mit Weitblick anzugehen. Diese Grundhaltung lebt Jürgen Faltenbacher Tag für Tag auf einem hochkomplexen Feld. Er ist tragende Säule des BFV und Erfolgsgarant für die Kraft, die der BFV in den vergangenen Jahrzehnten entwickelt und stetig ausgebaut hat.“

Sparen ist angesagt

„Wir haben besonders in den vergangenen Monaten den Gürtel in vielen Bereichen enger schnallen müssen und werden auch weiterhin bei jedem Euro sehr genau überlegen, ob wir ihn ausgeben oder nicht. Die finanzielle Belastung für die Vereine so gering wie möglich zu halten, ist unser Hauptanliegen bei all‘ unseren Finanzplanungen“, erklärt Jürgen Faltenbacher.

Der BFV stehe wirtschaftlich gut da, was auch dem eisernen Sparkurs des Verbandes zu verdanken sei. Leider sei es aber zu erheblichen Einschnitten bei der Belegschaft gekommen. „Jetzt sind wir froh, dass Corona zumindest eine Pause einlegt. Denn die Lust auf Amateurfußball ist deutlich zu spüren.“ Die BFV-Kinderfußballkampagne „Auf die Plätze“ laufe sehr gut, die Kinder und Jugendliche kämen wieder in die Vereine. „Da müssen wir buchstäblich weiter am Ball bleiben.“

Rekord-Etat des BFV

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) plant für das Haushaltjahr 2022 mit einem Rekord-Haushalt in Höhe von 28,514 Millionen Euro. Der Vorstand votierte im Januar einstimmig für das ausgeglichene, von BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher vorgelegte, Zahlenwerk.

„Einerseits reden wir über den bis heute größten Haushalt in der Geschichte des Bayerischen Fußball-Verbandes. Andererseits sind darin anteilig für 2022 die beim Verbandstag 2021 einstimmig beschlossenen Um- und Neubaumaßnahmen in Höhe von 9,41 Millionen Euro enthalten. Rechnet man diese Zusatzausgaben heraus, bewegen wir uns etwas unterhalb des Niveaus der Vorjahre. Das ist natürlich vor allem der Corona-Pandemie geschuldet, die neben den einzelnen Vereinen auch den Verband weiterhin vor enorme finanzielle Herausforderungen stellt. Aber durch das extrem solide und transparente Finanzmanagement der vergangenen Jahre haben wir die Basis geschaffen, trotz der gestiegenen und vielfältigen Anforderungen optimistisch in die Zukunft blicken und die Vereine auch künftig maximal entlasten zu können“, erklärte BFV-Schatzmeister Jürgen Faltenbacher.

Prüfungskommission gibt grünes Licht

Der vorgelegte Haushalt wurde detailliert von der Prüfungskommission des BFV unter Vorsitz von Günther Huber auf ihre rechtlichen und organisatorischen Vorgaben durchleuchtet und ohne Einschränkungen und vollumfänglich zur Verabschiedung durch den BFV-Vorstand freigegeben.

Zukunftsfähig machen

Was sieht Faltenbacher als wichtigste Aufgabe(n) für den BFV? „Dass wir weiterhin dem rasanten gesellschaftlichen Wandel mit nachhaltigen Konzepten und Lösungen begegnen, um den Fußball in einer schwierigen Zeit zukunftsfähig zu machen. Dazu braucht es unsere Hilfe, aber auch Vereine, die diesen Weg mitgehen. Was gestern gut war, wird uns in vielen Teilen morgen schon nicht mehr helfen.“

Welche Aufgaben hat sich der BFV-Schatzmeister selbst zum Ziel gesetzt? Faltenbacher: „Sollte ich wiedergewählt werden, geht es darum, gut zu wirtschaften und alle Ausgaben daraufhin zu durchleuchten, welchen Nutzen die Vereine am Ende davon haben.“ Der BFV habe mit dem Neubau in München begonnen und investiere in Gewerbe- und Wohnungsflächen, die man vermieten werde, mehr als 40 Millionen Euro. „Das tun wir nicht für uns, sondern dafür, dass die Gebühren der Vereine stabil bleiben. Und wir schultern das Großprojekt, ohne die Klubs zu belasten. Das ist für einen Schatzmeister eine große Herausforderung.“

Früh abgewunken

Der Waldsassener wurde auch als Kandidat für die Nachfolge von Rainer Koch gehandelt, hat aber früh abgewunken. Warum? „Ich habe mich lange mit der Situation beschäftigt und damit intensiv auseinandergesetzt. Und es gab unzählige Anrufe von Kollegen aus dem Vorstand und von Funktionären, aber auch von Vereinsvertretern aus Kreisen und Bezirken, die mich dazu ermuntert haben, für das Präsidentenamt zu kandidieren. Ich habe für mich aber entschieden, meinen Hut bewusst nicht in den Ring zu werfen. Wer mich kennt, weiß, dass ich kein Typ bin, der in der ersten Reihe stehen muss. Ich sehe meine Zukunft nach wie vor auf der Position des Schatzmeisters.“ Der BFV stehe vor großen Herausforderungen und die möchte er mit meistern.

Wie ist das Verhältnis zum noch amtierenden Präsidenten Rainer Koch? „Vertrauensvoll und loyal. Anders funktioniert das auch gar nicht: Präsident und Schatzmeister müssen miteinander können.“

Radeln als Ausgleich

Jürgen Faltenbacher ist passionierter Fahrradfahrer, strampelt normalerweise jährlich Tausende Kilometer in seiner Heimat, der nördlichen Oberpfalz, aber auch im angrenzenden Oberfranken sowie im Nachbarland Tschechien. Wie viel Kilometer ist er heuer schon geradelt? „Leider noch nicht so viel. Ich bin gerade mal vierstellig, das ist deutlich zu wenig für diese Zeit.“

Es sei für ihn der perfekte Ausgleich: rauf aufs Rad und raus aus der bisweilen extrem belastenden Alltagshektik. „Abschalten in der Natur, ob alleine oder mit Freunden, das bringt mich auf andere Gedanken und verschafft mir einen freien Kopf. Dieser Ausgleich ist enorm wichtig.“

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