Landwirtschaft mal anders: Die Weigls vom Walerhof machen es vor

Pilmersreuth. 80 Kühe stehen in den Ställen des Walerhofs in Pilmersreuth. Die Milch wird an die Molkerei geliefert, aber auch erfolgreich selbst vermarktet. Seit 2020 ist das Walerhofeis auf dem Markt - ein absoluter Renner in der Region.

Auf dem Walerhof lässt man sich immer etwas einfallen. Hof-Chef Alexander Weigl (rechts) will bald schon einen eigenen Käse auf den Markt bringen. Foto: Bewegterblick

150.000 Bauernhöfe gab’s im Freistaat zur Jahrtausendwende. Ende 2020 waren es nur noch knapp 86.000. Die werden dafür aber immer größer. „Wachsen oder Weichen“ lautet die Landwirtschafts-Devise. Also jedes Jahrzehnt den Viehbestand verdoppeln?

Walerhof-Bauer Alexander Weigl (51) schüttelt energisch den Kopf: „Wenn ich mich daran gehalten hätte, hätte ich wahrscheinlich heute schon 500 Milchkühe in Stall.“ Aktuell mampfen dort 80 Tiere genüsslich ihr Heu, das noch von den eigenen Wiesen stammt. Eine überschaubare Größe. Und die reicht, um erfolgreich zu sein.

Älterer Sohn übernimmt den Hof

Ideen muss man halt haben. Die hat Weigl, der Ende der 90er Jahre den 100 Hektar-Betrieb vor den Toren Tirschenreuths von seinen Eltern übernommen hat. Die Milch nur an die Molkerei zu liefern, das alleine reicht halt nicht mehr. Zusätzliche Vertriebswege müssen erschlossen werden. Erst recht, weil Sohn Kevin (24) die Hof-Tradition ja fortsetzen will. Mehr Wertschöpfung durch eine kreative Selbstvermarktung heißt das Erfolgsrezept.

Walerhof-Milch aus der „Zapfsäule“

Dazu haben sich bereits in den letzten Jahren die Weigls einiges einfallen lassen. 2016 stellten sie die ersten Milch-Automaten in den Einkaufsmärkten in der Region auf. Sechs waren es ursprünglich, heute sind es nur noch drei. „Die Leute müssen mehr für den Liter zahlen und auch noch ihre eigene Flasche mitbringen“, erläutert Weigl die sinkende Nachfrage.

Der Walerhof-Bauer hat sich nicht entmutigen lassen und auf sogenannte Milchzapfsäulen umgestellt. Rund 20 sind davon in der Region im Einsatz. Der Vorteil für den Landwirt. Die sind günstiger in der Anschaffung und leichter zu befüllen.

Der letzte Erfolgscoup, den man gelandet hat: Das Walerhofeis. Foto: Bewegterblick

„Eis-to-go“ vom Walerhof

Und dann kam 2020 Corona. Für die allermeisten ein Drama, für Alexander Weigl eine echte Chance. Eisdielen mussten geschlossen bleiben. Mit seinem „Walerhofeis-to-go“ stopfte der findige Landwirt eine Versorgungslücke. Er suchte sich für sein „eiskaltes“ Vorhaben Partner und kontaktierte Dominik und Riccardo Neitz.

Beide betreiben Eisdielen in Tirschenreuth und Windischeschenbach. Die sagten sofort zu. Sie verarbeiten die pasteurisierte Walerhof-Frischmilch zu leckerem Eis und füllen sie gleich in kleine Pappbecher ab. Verkauft wurde es zunächst nur im eigenen Hofladen. Ein Volltreffer! Die Leute plünderten regelrecht die Kühltruhe. „Es war bei uns wirklich die Hölle los“, erinnert sich Ehefrau Michaela mit einem Lächeln.

Eis-Siegeszug durch die Region

Doch das Walerhof-Eis hat mittlerweile den Siegeszug durch die Region angetreten. Dieses gibt es zwischenzeitlich auch in verschiedenen Verbrauchermärkten und in noch mehr Geschmacksvarianten. „Wir beliefern zudem Feste und Veranstaltungen“, erzählt der 51-Jährige.

Die gefrorene Leckerei ist natürlich auch bei den Schulkindern angesagt. Sie erkunden regelmäßig in Klassenstärke den Betrieb, samt „Kälbchen-Kindergarten“. Der Walerhof ist nämlich ein Erlebnisbauernhof und mittlerweile auch in die Riege der Heimatunternehmen aufgenommen worden.

Aktuell tüfteln die Weigls übrigens gemeinsam mit den Neitzs an Geschmacksvariationen für den kommenden Winter. Wie wäre es mal mit einem Glühwein- oder Lebkucheneis?

80 Milchkühe stehen in den beiden Walerhof-Ställen. Foto: Bewegterblick

Im Hofladen rund um die Uhr einkaufen

Apropos Hofladen. Rund um die Uhr und sieben Tage in der Woche kann man dort einkaufen. Es gibt nicht nur Hofprodukte wie die Salami aus 100 Prozent Rindfleisch oder die tiefgefrorenen Burgerpatties. Alexander Weigl hat das Angebot auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt. Knödelteig, Nudeln, Chips und sogar Energydrinks kann man aus den Automaten ziehen. Mittlerweile haben sie auch einen Kaffeeautomaten installiert.

Und das nächste Projekt steht in den Startlöchern. Gemeinsam mit einem halben Dutzend Gesellschaftern wird Weigl eine mobile Käserei an den Start bringen. „Dann wird es ganz bestimmt einen eigenen Walerhof-Käse geben“, betont der 51-Jährige. Eis, Käse, Hofladen, Erlebnisbauernhof, Milchzapfsäulen, Rindfleisch-Vermarktung, war es das jetzt? Alexander Weigl lächelt. „Ich glaube, uns wird bestimmt noch was einfallen.“

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