Markt Floß nimmt hohe Schulden in Kauf, um das Vermögen zu erhalten

Floß. Die Sanierung der Schule und des Sportbetriebsgebäudes sowie Städtebaumaßnahmen lassen den Haushalt des Marktes auf zwölf Millionen Euro steigen. Die Pro-Kopf-Verschuldung verdoppelt sich.

Das Sportbetriebsgebäude an der Mehrzweckhalle ist in sehr schlechtem Zustand. Defekte Leitungen führen zum Beispiel immer wieder zu Schäden. Eine Sanierung ist nur mit entsprechender Förderung möglich; im Haushalt sind aber schon einmal Mittel für die Sanierung eingestellt. Foto: Gabi Eichl

Die Marktgemeinde nimmt viel Geld in die Hand, um ihre Infrastruktur auf einen modernen Stand zu bringen. Und sie schreckt dafür auch nicht vor hohen neuen Schulden zurück. Der Marktgemeinderat betrachtet diese Vorgehensweise quer durch die Fraktionen als sinnvolle Investition in die Zukunft des Marktes.

Weil es fast ausschließlich um Investitionen in Baumaßnahmen geht, betrifft die Steigerung nur den Vermögenshaushalt. Der steigt gegenüber dem Vorjahresansatz um mehr als 60 Prozent: von 3,1 Millionen auf gut fünf Millionen Euro. Der Verwaltungshaushalt bleibt dagegen mit 6,8 Millionen Euro weitgehend unverändert. Die bereits im Vorjahr eingeplante, aber erst heuer begonnene Generalsanierung der Grund- und Mittelschule ist einer der größten Posten im Vermögenshaushalt.

Teure Sanierung

Noch nicht begonnen, aber je nach Förderung fest eingeplant sind die Sanierung des maroden
Sportbetriebsgebäudes an der Mehrzweckhalle (circa vier Millionen Euro), mehrere Städtebaufördermaßnahmen am Marktplatz, der weitere Breitbandausbau und die Dorferneuerung in Kalmreuth/Schlattein.

Sollten die entsprechenden Fördermittel fließen, ist zur Umsetzung dieser Projekte laut Kämmerer Klaus Grünwald ein Kredit von 1,5 Millionen Euro notwendig. Dieser Kredit zusammen mit dem 1,1-Millionen-Kredit für die Schulsanierung ließe die Verschuldung des Marktes auf gut 4,3 Millionen Euro wachsen. Das entspricht einer Pro-Kopf-Verschuldung von fast 1300 Euro, mehr als das Doppelte gegenüber 2021 (575 Euro). In den kommenden zwei Jahren steige die Verschuldung bis auf 6,4 Millionen Euro, sollten alle geplanten Maßnahmen verwirklicht werde.

„Vernünftig und vorsichtig“

Laut Bürgermeister Robert Lindner (SPD) könne sich der Markt all das und zusätzlich knapp 460.000 Euro an freiwilligen Leistungen erlauben, wie er in der Haushaltssitzung des Marktrates sagte. Grund dafür: „Weil in den zurückliegenden Jahren vernünftig und vorsichtig gewirtschaftet wurde.“

Die Aktivität der Gemeinde entwickle zudem eine Art Eigendynamik. Lindner sprach von einem Rückgang der Leerstände am Marktplatz („Wer hätte gedacht, dass jemand das Kellerhaisl, das Pemsl-Wirtshaus oder die alte Volksbank kauft und saniert?“) und von einer großen Nachfrage nach Bau- und Gewerbeflächen.

„Dranbleiben und anpacken“

CSU-Sprecher Sebastian Kitta befürchtete, dass die staatlichen Zuschüsse auf absehbare Zeit weniger würden. Das Motto für die anstehenden Projekte müsse daher sein: „Dranbleiben, anschieben, anpacken!“ Sabine Müller (SPD) sprach von „überlegtem Wirtschaften“. Der Markt
investiere in seine Sachwerte und mehre so sein Vermögen, auch wenn dafür neue Schulden unumgänglich seien. „Wir schaffen Werte“, sagte Müller. Sie erinnerte an die einst umstrittene Investition in den Solarpark. „Heute zeigt sich, wie weitsichtig diese Entscheidung war.“

Ähnlich zustimmend äußert sich Wolfgang Bock für die FDP/UW-Fraktion. Er betrachtet einen Teil der geplanten Maßnahmen unter dem Vorbehalt, dass sich erst zeigen müsse, was tatsächlich umsetzbar sei. Auch Kitta hatte vorher darauf hingewiesen, dass nicht abzusehen
sei, welche Folgen der Krieg in der Ukraine noch haben werde.

Eckdaten des Haushalts 2022

  • Verwaltungshaushalt: 6,8 Mio. Euro (Vorjahr: 6,7 Mio. Euro)
  • Vermögenshaushalt: 5 Mio. Euro (Vorjahr: 3,1 Mio. Euro)
  • Hebesätze: 350 v. H. (Grundsteuer A/B, Gewerbesteuer)
  • Freiwillige Leistungen: 460.000 Euro
  • Schulden: 4,3 Mio. Euro
  • Pro-Kopf-Verschuldung zum Jahresende: 1285 Euro (aktuell: 575
  • Euro)

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