Nach dem Oberpfalz-Bashing der Franken: Ein Oberpfalz-Tatort muss her

Weiden/Wiesau. "Ein Oberpfalz-Tatort muss her" nach dem Bashing der Oberpfälzer Polizei im jüngsten Franken-Tatort. Das fordern zwei Prominente aus der Oberpfalz. Eine nicht ganz tierisch ernstzunehmende Film-Nachbetrachtung.

Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Kriminalhauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) aus dem Franken-Tatort. Foto: BR/Hager Moss Film GmbH/Hagen Keller

Fast jeder Oberpfälzer kennt es nur zu gut, das Oberpfalz-Bashing, wie es neudeutsch heißt. Dass nun auch im aktuellen Franken-Tatort ausgerechnet unsere fränkischen „Lieblingsfeinde“ auf diesen Zug aufgesprungen sind und die Oberpfälzer Polizei als ganzes – eine konkrete Dienststelle wurde nicht genannt – madig machten, kam zwar nicht ganz überraschend und hinterlässt uns ein bisschen traurig, aber auch wütend und kampfeslustig.

Die Namenlosen

In dem Krimi geht es um den brutalen Mord an einem jungen Mann und im Zusammenhang damit um einen ähnlich gelagerten Fall, der sich vor Jahren in der Oberpfalz ereignet haben soll. „Wie haben unsere Kollegen aus der Oberpfalz da nur gearbeitet? Acht von 18 Zeugen befragt und dann den Fall eingestellt?“, schimpft Kriminalhauptkommissar Felix Voss (Fabian Hinrichs) im aktuellen Franken-Tatort „Warum“ vom vergangenen Sonntag. Und wirft einem der aus der Oberpfalz angereisten Kripo-Beamten vor: „Lieber Herr Kollege, ich finde es ja ganz toll, dass sie den langen Weg aus der Oberpfalz hierher so schnell hinbekommen haben. Aber ihre Gründlichkeit, was das Befragen von Zeugen angeht, ist ja wohl ein Witz“, muss sich der namenlose Polizist unter anderem anhören.

Jedem Dorf seinen Tatort

Mittlerweile gibt es auch kaum noch eine Stadt, kaum eine Region im Lande, die sich nicht einer Tatort-Folge rühmen könnte. Allein die Oberpfalz ging bisher leer aus. Deshalb fordern wir den Bayerischen Rundfunk hiermit auf, schnellstmöglich einen Oberpfalz-Tatort aufzulegen.

Ob nun in Regensburg, Amberg, Weiden oder Triebendorf ist uns egal. Und wir haben gewichtige Mitstreiter aufgetan, die uns in dieser Sache unterstützen: Uli Grötsch, seines Zeichens SPD-Bundestagsabgeordneter und – was noch wichtiger ist – ehemaliger Schleierfahnder der Polizei – und Christina Baumer, Schauspielerin und Filmproduzentin, aufgewachsen in Triebendorf bei Wiesau (Landkreis Tirschenreuth).

Leicht angesäuert

Wobei der ehemalige Polizist Grötsch schon etwas angesäuert ist angesichts der Pöbeleien gegen die Oberpfalz im Franken-Tatort. „Da hab ich mich schon erstmal geärgert“, gibt der Waidhauser zu. „Es wird immer wieder kolportiert, dass wir Oberpfälzer kollektiv hinter dem Mond leben. Dabei sind wir eine der prosperierendsten Regionen in Bayern.“

Allerdings wisse er aus Erfahrung, dass es in Wirklichkeit kein regionales Konkurrenzdenken in der bayerischen Polizei gebe. Die Idee eines Oberpfalz-Tatorts unterstützt Grötsch absolut: „Dann kann unsere Polizei zeigen, dass sie mindestens genau so viel Ahnung hat und genauso gut ist wie die Kolleginnen und Kollegen in Franken und den anderen Bezirken.“

Von der Idee begeistert

Schlichtweg begeistert von einem Oberpfalz-Tatort ist Christina Baumer: „Da wäre schon lange Zeit. Jedes Kaff hat seinen Tatort, nur wir nicht.“ Sie habe den Franken-Tatort zwar nicht gesehen, aber davon gehört. „Dieses Bashing finde ich total unfair.“ Witzige gegenseitige Veräppelungen wie beim Franken-Fasching in Veitshöchheim mit der Altneihauser Feierwehrkapelln seien total in Ordnung und lustig.

„Aber wenn es einseitig und auch noch unberechtigt ist, passt das nicht“, kritisiert die Schauspielerin. Deshalb Baumers klare Forderung: „Ein Tatort bei uns wäre voll angebracht. Die ARD muss endlich Farbe bekennen. Vor allem nach diesen Entgleisungen vom Sonntag“, sagt die Wiesauerin schmunzelnd.

Zwei Bedingungen hat Christina Baumer: „Der Oberpfalz-Tatort muss selbstverständlich im schönsten Oberpfälzisch gesprochen werden und ich muss zusammen mit meiner Kollegin Anna-Kathrin Stahl aus Weiden eine der beiden Hauptrollen als Kommissarinnen-Duo bekommen.“ Letzteres gebe es ohnehin viel zu selten in Krimis.

Und noch ein besonders intimer Kenner der Oberpfälzisch-Fränkischen Freundschaft gibt zu diesem Thema natürlich seinen Senf dazu. Norbert Neugirg, Kommandant der Altneihauser Feierwehrkapell’n, hat dies längst erkannt:

„In einem Tatort, wo man fränkisch spricht,
bräuchte es die Leiche nicht,
denn da flößt ja der Dialekt allein
dem Zuschauer schon Schrecken ein.“
(Der Kommandant der Altneihauser Feierwehrkapell’n Norbert Neugirg 2016 bei Fastnacht in Franken im BR)

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1 Kommentare

Frank Bradl - 05.05.2022

Zumal der letzte Tatort stinklangweilig und keine klare linie hatte. Der beste FrankenTatort der bis zum Schluss die Spanung hielt kam aus Bayreuth und wurde durch die Kommissare Ringelhan usw. Toll umgesetzt auch wenn die handlungssprünge oft etwas durch einander waren, war der Spannungsbogen bis zum Schluss perfekt. Ein Oberpfälzer Tatort könnte das Salz in der Suppe sein weil die vielfältigkeit und schönheit der Region das ganze sehr gut auflockern könnte. Die Menschen in der Oberpfalz sind genauso vielfälltig wie Interessant. Eine schöne geschichte würde das ganze bestimmt sehr spannend machen. Unterstützung kommt da garantiert auch von den Schleierfandern durch die Grenz nähe.