Tiefe Einblicke in rumänische Fischerei gewonnen

ARGE Fisch des Landkreises Tirschenreuth auf Lehrfahrt unterwegs – Rumänen kämpfen mit gleichen Problemen wie die Nordoberpfälzer

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Tirschenreuth. Zur traditionellen Fischerei-Lehrfahrt der ARGE FISCH im Landkreis Tirschenreuth und der TEGOF sind vor kurzem wieder 46 interessierte Teichwirte und Fischer aus ganz Deutschland aufgebrochen. Dieses Mal war das Ziel Rumänien, um sich dort neben der vielen Sehenswürdigkeiten auch über die Teichwirtschaft zu informieren.

Die Vertreter der ARGE Fisch des Landkreises Tirschenreuth sind in Rumänien unterwegs gewesen. Foto: Fabian Polster

Nach der Landung und der ersten Nacht in Bukarest besuchte die Abordnung am zweiten Tag Ciocanesti und die dortige traditionelle Teichwirtschaft und Karpfenzucht S.C. Ciocanesti. Neben Karpfen, Gras- und Silberkarpfen sind vor allem Karauschen ein wichtiger Wirtschaftsfisch der rumänischen Teichwirte. Die großen, traditionsreichen Karpfenteiche, die den Betrieb prägen, sind natura 2000-Gebiet und werden vom WWF gefördert. Der Betrieb in Ciocanesti ist über 200 Hektar groß und beschäftigt 15 Mitarbeiter. Besonders überraschend war die große wirtschaftliche Bedeutung von Giebeln und Karauschen. Diese Arten werden in Rumänien als Speisefisch seit jeher sehr geschätzt und sind mit geringem Aufwand zu erzeugen.

Jedoch kämpfen auch die Betriebe in Rumänien mit ähnlichen Problemen wie in der nördlichen Oberpfalz: Über 50 Prozent ihrer Produktion werden von Räubern wie dem Kormoran oder dem Pelikan gefressen. Einen finanziellen Ausgleich hierfür gibt es nicht und die rumänischen Teichwirte fühlen sich von Politik und Entscheidungsträgern im Stich gelassen. Weiter auf dem Weg zum Donaudelta ging es zur Störzucht Hedonia Caviar SRL mit ihrer sehr gut ausgestatteten Kreislaufanlage mit modernsten Einrichtungen für Produktion und Verarbeitung. Insgesamt machte die ganze Anlage, so die Teilnehmer, nicht den Eindruck einer funktionierenden Produktionsanlage und es blieben Zweifel, ob Fischzucht tatsächlich die Absicht war. Diskussionen über EU-Fördergelder und Kontrollintensität waren danach unvermeidlich.

Selbst die Präsidentin ist vor Ort

Am dritten Tag der Reise war dann unter anderem Tulcea das Ziel. Die rumänischen Fischerkollegen warteten schon auf die Oberpfälzer am Donaukai. Die ersten Eindrücke des Donau-Deltas, das als Biosphärenreservat und Welt-Naturerbe geschützt ist, waren überwältigend. Am frühen Nachmittag stand der Besuch der traditionellen, sehr extensiven Teichwirtschaft SC Obretin SRL an. Gefischt wird dort vor allem in einem von der Donau abgetrennten See mit über 700 Hektar. Es wird nicht gefüttert und nur mit Stellnetzen und Reusen gearbeitet. Zehn Personen arbeiten dort auf über 2100 Hektar. Produziert werden ca. 400 Tonnen Fisch pro Jahr, nahezu alle Donaudelta-Arten sind vorhanden. Auch die Präsidentin der rumänischen Fischervereinigung, Ingenieurin Mariana Munteanu, war vor Ort.

Höhepunkt der Reise war dann das Donau-Delta. Mit wendigen Motorbooten, die auch kleine Nebenflussarme erreichen können, erlebten die Teilnehmer der Reise ungezähmte Natur mit Schilfdickichten, riesigen Seerosenteppichen und Pelikankolonien. Doch dieses großartige Naturschauspiel hat zwei Seiten. Die Zahl der Pelikane hat sich im Delta in den letzten zehn Jahren auf nun 20.000 Vögel verdoppelt und die Pelikane fressen aktuell ca. 20 Tonnen Fisch pro Tag. Diese gewaltige Menge wird auch im riesigen Gewässersystem des Donaudeltas zum Problem für die Fischer.

„Mit Rumänien besuchten wir ein Land besuchen, das viele Facetten hat. Wir erlebten ein Land im Aufbruch, das sich ganz selbstverständlich als Teil Europas sieht. Wir sahen aber auch die Überbleibsel des Kommunismus, die nach wie vor spürbar sind. Und wir erlebten vor allem ein Land, das bei weitem mehr zu bieten hat, als es die deutschen Medien teilweise darstellen. Und vor allem hatten wir das Glück, unvoreingenommene, nette und überaus gastfreundliche Menschen kennen zu lernen, die unsere Lehrfahrt nach Rumänien für alle Teilnehmer zu einem Erlebnis machten“, lautete die Bilanz der Teilnehmer.

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