Warum Frauen länger leben als Männer

Was sind Gründe für die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter? Prof. Dr. Anton Scharl klärt auf

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Weiden. Für alle entwickelten Gesellschaften gilt: Frauen leben länger als Männer. Die Suche nach den Ursachen für dieses Phänomen ist jedoch schwierig, da viele Faktoren das Lebensalter beeinflussen. Prof. Dr. Anton Scharl, leitender Chefarzt der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden, kennt mögliche Gründe für die unterschiedliche Lebenserwartung der Geschlechter.

Prof. Dr. Scharl Kliniken Nordoberpfalz

Prof. Dr. Anton Scharl, der leitende Chefarzt der Frauenklinken. Foto: Klinikum St. Marien Amberg

Nach aktuellen Erkenntnissen ist die Biologie nur zu einem kleineren Teil für die Lebenserwartung verantwortlich. Das beginnt schon beim Unterschied in den Chromosomen. Denn während Frauen zwei X-Chromosomen haben, besitzen Männer nur eines. Da sich auf diesem Chromosom viele Gene finden, die das Immunsystem steuern, können Frauen durch die doppelte Ausstattung Defekte leichter kompensieren als Männer. Außerdem scheinen die weiblichen Geschlechtshormone eher Schutzmerkmale zu besitzen, zum Beispiel vor Verkalkung der Gefäße, während die männlichen eher risikoerhöhend wirken. Erkennbar
wird dies an höherer Risikobereitschaft im Alltag, mehr Aggressivität – zum Beispiel beim Sport oder Autofahren – oder einer geringeren Immunabwehr. Nachteile, die Frauen früher durch Risiken bei Geburten oder in der Schwangerschaft hatten, werden zudem durch die Medizin ausgeglichen.

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Frauen leben gesünder

Der wesentlichere Faktor für die unterschiedliche Lebenserwartung ist aber die Lebensführung. Das zeigt ein Vergleich von Mönchen und Nonnen. Nonnen leben beispielsweise im Schnitt nur ein bis zwei Jahre länger als Mönche, „normale“ Männer hingegen fünf bis sechs Jahre weniger als Frauen. Was machen Frauen also besser? Sie leben und essen gesünder, konsumieren weniger Alkohol oder Nikotin und gehen achtsamer mit ihrem Körper um. „Das zeigt sich durch frühere Besuche beim Arzt, eine häufigere Teilnahme an Präventionsschulungen oder den regelmäßigen Besuch von Vorsorgeuntersuchungen, zum Beispiel bei Krebs“, weiß Prof. Dr. Anton Scharl.

Speziell bei der Krebsbehandlung haben Frauen den Vorteil, dass Brustkrebs – die häufigste bösartige Krebserkrankung bei Frauen – durch die immensen Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung in vielen Fällen geheilt werden kann. Letztlich können aber auch Männer von dem günstigen Einfluss der Frauen profitieren: Leben sie in einer stabilen Partnerschaft mit einer Frau, gewinnen sie an Lebenszeit hinzu. Bei Männern ohne Partnerin fehlt der sanfte Druck der Frau, gesünder zu leben und mehr auf sich zu achten.

Gute Nachrichten für alle, die noch mehr über dieses Thema erfahren möchte: Prof. Dr. Anton Scharl, Leitender Chefarzt der Frauenkliniken Amberg-Tirschenreuth-Weiden, hält heute dazu einen Vortrag am Klinikum Weiden.

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