Heimische Fossilien im Gepäck: Auf Entdeckungstour in Grafenwöhr

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Grafenwöhr. Passen Paläontologie und Prosa zusammen? „Geradezu vortrefflich!“, meinten wohl Dichter und Denker vergangener Jahrtausende. Davon konnten sich die Teilnehmer einer ganz besonderen geologischen Stadtführung durch Grafenwöhr überzeugen.

Von Doris Mayer-Englhart

Felsenkeller Annaberg Geotour Grafenwöhr Bild Doris Mayer-Englhart

Die Felsenkeller rund um den Annaberg hatten im Lauf der Zeit verschiedene Aufgaben und Funktionen.

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Mit dem Gedicht „Die Maienblumen blühen“ von Wilhelm Wolf, rezitiert von Geoparkranger Raimund Röttenbacher, startete die Geotour „So klagte der Ichthyosaurus – eine LiteraTour zu Dichtung und Tatsachen“ in Grafenwöhr. In anschaulicher und unterhaltsamer Weise erfuhren die Teilnehmer, wie das Gelände Oberpfälzer Hügelland mit seinen Besonderheiten entstanden ist. Mit einem Gedicht zu „Sandstein“ des Hamburgers Barthold Heinrich Brockes (1680-1747) , der der Epoche frühen deutschen Aufklärung zugeordnet ist, kam Röttenbachs Ehefrau Christina als Vortragende der Gedichte und Zitate erstmals in Einsatz.

Sämtliche Gebäude des Marktplatzes vom Rathaus bis zur Maria Himmelfahrtskirche sind aus Sandstein erbaut, erklärte der Geoparkranger. Viele interessante Details hatte er auch rund um die Felsenkeller am Annaberg auf im Repertoire. Am Schönberg, mit Blick auf die Sandsteinquader der Bühne, erklärte der Referent die Bedeutung des Geländes bis 1920 und die Entstehung der Bühne mit Festplatz im Anschluss. Noch viel weiter in der Geschichte zurückgehen musste er, um genauest zu erläutern, welche Faktoren in der Zeit von 250-235 Millionen Jahren notwendig waren, um aus Fels Sandstein entstehen zu lassen.

Die Oberpfalz lag damals am Meer

Muschelkalk Buntsandstein Raimund Röttenbacher Fossilien Grafenwöhr Geo-Tour Bild Doris Mayer-Englhart

Muschelkalk und Buntsandstein sind für eine weite Region um Grafenwöhr typisch. Diese spezielle Schichtung wird als „Grafenwöhrer Formation“ in geologische Bücher eingehen.

Röttenbacher hatte einige heimische Fossilien im Gepäck, die Eindrücke der Flora vergangener Zeiten zeigten. Die Teilnehmer staunten auch, als sie erfuhren, dass die Oberpfalz zu dieser Zeit in der Nähe des Äquators und zudem am Meer lag. Stolz erläuterte er, dass die für die Region typische Schichtung aus Muschelkalk und Buntsandstein als „Grafenwöhrer Formation“ in die geologischen Bücher eingehen wird.

Immer wieder konnten die Teilnehmer literarischen Texten lauschen, die Christine Röttenbacher sehr anschaulich vortrug. Dazu kam der überwältigende Eindruck der gerade aufblühenden Natur und das Verweilen an besonders schönen Stellen des Weges. Heute, an Christi Himmelfahrt, steht um 14:00 Uhr die nächste Geo-Tour ab Grafenwöhr an. Infos zu allen Touren der Umgebung findet man auch im Veranstaltungskalender des Geoparks Bayern-Böhmen.

Raimund Röttenbacher Fossilien Grafenwöhr Geo-Tour Bild Doris Mayer-Englhart

Anhand in Grafenwöhr gefundener Fossilien konnte Raimund Röttenbacher, sehr zum Erstaunen der Teilnehmer, die Flora von 240 Mio Jahren belegen.

Bilder: Doris Mayer-Englhart

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