„Bunker-Maxi“ berichtet über Westwall-Testanlagen

Grafenwöhr. Der Westwall-Experte berichtet über die wissenschaftlichen und historischen Hintergründe der Testanlagen.

Mit Zollstab, Kamera und Karte bewaffnet ist Bunkerforscher Wawrzinek in den Ruinen der Festungsbauten unterwegs, um diese zu inventarisieren. Bild: Gerald Morgenstern
Mit Zollstab, Kamera und Karte bewaffnet ist Bunkerforscher Wawrzinek in den Ruinen der Festungsbauten unterwegs, um diese zu inventarisieren. Bild: Gerald Morgenstern
207 Seiten umfasst die Bachelorarbeit zu den Grafenwöhrer Westwall-Testbunkern, die der Student der Forstwirtschaft Maximilian Wawrzinek (rechts) an Heimatvereinsvorsitzenden Willi Buchfelder übergab. Bild: Gerald Morgenstern
207 Seiten umfasst die Bachelorarbeit zu den Grafenwöhrer Westwall-Testbunkern, die der Student der Forstwirtschaft Maximilian Wawrzinek (rechts) an Heimatvereinsvorsitzenden Willi Buchfelder übergab. Bild: Gerald Morgenstern
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Über drei Meter hoch ist der mit einem Überhang gebaute trockene Panzergraben, Stacheldrahthindernisse sollten die Infanteriesoldaten aufhalten. Bild: Gerald Morgenstern
Über drei Meter hoch ist der mit einem Überhang gebaute trockene Panzergraben, Stacheldrahthindernisse sollten die Infanteriesoldaten aufhalten. Bild: Gerald Morgenstern
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Schwere Stahltüren sicherten die Zugänge zu den erdeingedeckten Bunker. Lüftungsanlagen und Gasschleusen schützten die Besatzungen in den Bauten vor Giftgasangriffe. Bild: Gerald Morgenstern
Schwere Stahltüren sicherten die Zugänge zu den erdeingedeckten Bunker. Lüftungsanlagen und Gasschleusen schützten die Besatzungen in den Bauten vor Giftgasangriffe. Bild: Gerald Morgenstern
Mit Zollstab, Kamera und Karte bewaffnet ist Bunkerforscher Wawrzinek in den Ruinen der Festungsbauten unterwegs, um diese zu inventarisieren. Bild: Gerald Morgenstern
207 Seiten umfasst die Bachelorarbeit zu den Grafenwöhrer Westwall-Testbunkern, die der Student der Forstwirtschaft Maximilian Wawrzinek (rechts) an Heimatvereinsvorsitzenden Willi Buchfelder übergab. Bild: Gerald Morgenstern
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Über drei Meter hoch ist der mit einem Überhang gebaute trockene Panzergraben, Stacheldrahthindernisse sollten die Infanteriesoldaten aufhalten. Bild: Gerald Morgenstern
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Schwere Stahltüren sicherten die Zugänge zu den erdeingedeckten Bunker. Lüftungsanlagen und Gasschleusen schützten die Besatzungen in den Bauten vor Giftgasangriffe. Bild: Gerald Morgenstern

41.260 Schuss Munition für insgesamt 135 Geschütze verschiedenster Art waren für die Großübung „Kampf um ständige Befestigung Grafenwöhr 1939“ bereits vor Ort. Mit einem Vorwand wurde der Angriff auf Hitlers Westwall-Testbunker abgesagt, der wahre Grund war der bevorstehende Polenfeldzug am 1. September 1939.

Im Militärmuseum berichtete der Freiburger Student Maximilian Wawrzinek über seine Bachelorarbeit zum Grafenwöhrer Westwall.

207 Seiten wissenschaftliches Werk

207 Seiten umfasst die detaillierte Arbeit, die der 28-jährige Student der Forstwirtschaft als gebundenes Werk an den Heimatverein übergeben konnte. Vorsitzender Willi Buchfelder freute sich über die wissenschaftliche Aufarbeitung des militärhistorischen Kapitels aus der Geschichte des Übungsplatzes.

Über 40 Besucher folgten gespannt dem bebilderten Vortrag im Museum, einige Stunden zuvor waren Soldaten der US-Armee und der Bundeswehr die Zuhörer.

Frühes Interesse am Thema Westwall

Da der Original Westwall direkt durch seinen Heimatort Winterdorf am Oberrhein verlief, interessierte sich Wawrzinek schon früh für die Teile der 620 Kilometer langen Festungsanlage, die auch als Siegfried-Linie bezeichnet wird.

In einem historischen Verein in Rastatt begleitet er auch Führungen durch die noch bestehenden Bunker der insgesamt 22.000 Festungsbauten. Während seines Praktikums beim Bundesforstbetrieb in Grafenwöhr im Jahr 2020 nahm der Student für Waldwirtschaft und Umwelt die Grafenwöhrer Bunkerbauten und Befestigungsanlagen unter die Lupe.

Spitzname „Bunker-Maxi“

Sein ungewöhnliches Thema verschaffte ihm unter den Studienkollegen schnell den Beinamen „Bunker-Maxi“. Die Kenntnisse über die Westwall-Testbunker aus der Praktikumszeit in Grafenwöhr wurden mit Recherchen im Militär-Bundesarchiv in Freiburg sowie mit umfangreicher Literatur aus Grafenwöhr, vom Festungsverein Interfest, Luftbildern und niedergeschriebenen Aussagen von Zeitzeugen vervollständigt.

Bunker mit tonnenschweren Panzertürmen versehen

Das Verteidigungsfeld vor der ehemaligen Ortschaft Pappenberg beginnt mit einem trockenen und einem nassen Panzergraben, Linien aus Pfahlhindernissen, spanischen Reitern, Betonhöckern und einem Drahtverhau. Die nachgelagerten den Bunker waren mit tonnenschweren Panzertürmen und – kuppeln versehen, aus den Kugelblenden konnten Maschinengewehre zur Verteidigung der Sperranlagen abgefeuert werden.

Weitere Unterstände waren als Stellungen für Panzerabwehrkanonen aufgebaut, die Öffnungen mit schweren Stahlplatten geschützt. Ein Mauerschartenstand im hinteren Bereich der Versuchsanlage war mit einer 17-Zentimeter-Schiffskanone bestückt, die nach Wawrzineks Aufzeichnungen allerdings nur einmal feuerte.

Luftbilder von 1939

Alle Bunkertypen waren als Regelbauten bezeichnet und waren zum Teil mit bis zu drei Metern Stahlbeton bewährt und mit Erde eingedeckt. Beweise, dass ein MG-Scharten und Gruppenstand mit einem Gehöft zur Tarnung überbaut war und aus dem zu öffnenden Scheunentor die Verteidigungswaffen abgefeuert wurden, lieferte der Referent mit alten Luftbildern von 1939.

Die schweren Bunkertypen waren mit eisernen Eingangstüren versehen und gasdicht zum Schutz vor Gasangriffen gebaut, ein handbetriebener „Reichseinheitsschutzlüfter“ sollte für die Frischluftzufuhr sorgen.

Ausgeklügeltes Kommunikationssystem zwischen den Bunkerbauten

Kabelschränke der Firma Siemens, Drahtverbindungen und Feldtelefone wurden hierfür verwendet. Es kamen wohl Tonnen von Sprengstoff zum Einsatz, als die Amerikaner nach dem Einmarsch die Bunker sprengten. Dennoch sind einige Anlagen heute noch gut intakt.

Durch die Lage der Bunker mitten im Sperrgebiet, dem Einschlaggebiet des Übungsplatzes, ist auch deren Ausstattung im Gegensatz zu den original Westwallbunkern größtenteils noch vorhanden.

Unterschlupf für Tiere

Maximilian Wawrzinek betrachtete die Grafenwöhrer Westwallbunker so auch als einen Reliktkomplex im Kontext von Denkmal- und Naturschutz. Viele Spezies suchen Unterschlupf in den Bunkerruinen. Einige Anlagen werden, betreut von der US-Umweltabteilung, als Fledermausquartiere genutzt.

Die schießfreie Zeit über die Osterfeiertage konnte Bunkerexperte Wawrzinek für die weitere Vermessung und Inventarisierung der Bunker nutzen. Große Unterstützung erfuhr er dabei von US-Range-Control, der Bundeswehr und dem Bundesforst.

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