Kliniken AG trennt sich von Vohenstrauß und Waldsassen

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Weiden. Die Kliniken Nordoberpfalz AG teilt mit, dass sowohl der Betrieb am Krankenhaus Vohenstrauß als auch die Orthopädische Rehabilitation Waldsassen eingestellt werden. Diese Entscheidungen traf der Aufsichtsrat im Zuge der Sanierung. 

„In der vergangenen Aufsichtsratssitzung der Kliniken Nordoberpfalz AG wurden weitere wichtige Weichen für die zukünftige Ausrichtung des Klinikverbundes
gestellt. Oberstes Ziel bleibt weiterhin die Sicherung der kommunalen Trägerschaft“, heißt es seitens der Kliniken.

Waldsassen und Vohenstrauß werden eingestellt

Unmittelbar betroffen sind die Standorte Waldsassen und Vohenstrauß. In beiden Krankenhäusern wird der Betrieb eingestellt. „So erfolgt nach Bewältigung der derzeitigen Corona-Pandemie keine Wiederaufnahme des Betriebs der Orthopädischen Rehabilitation in Waldsassen. Der Standort Vohenstrauß scheidet zum
nächstmöglichen Zeitpunkt aus der akutstationären Versorgung aus“, erklärt Kliniken-Sprecher Michael Reindl.

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Für beide Standorte seien mehrere Szenarien der Nachfolgenutzung im Gespräch und würden geprüft. „Beispielhaft sind die Realisierung eines Intersektoralen
Gesundheitszentrums, die Integration von Arztpraxen, eine Umwidmung in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung oder weitere alternative Nachfolgenutzungen denkbar.
Entsprechende Gespräche laufen bereits und werden jetzt weiter intensiviert“, so Reindl.

An beiden Standorten seien die kommunalen Verantwortungsträger eng in die weitere Planung eingebunden. Die Kliniken Nordoberpfalz AG werde an beiden Standorten in der Übergangsphase fachlich begleiten, jedoch in Zukunft nicht mehr als Betreiber oder Liegenschaftsverwalter der neuen Versorgungseinheiten auftreten.

Lösungen für Angestellte finden

„Uns fallen diese Einschnitte menschlich und fachlich enorm schwer, da wir wissen, was die Teams – berufsgruppenübergreifend – vor Ort in den vergangenen Jahren für hervorragende Arbeit geleistet haben. Aus dem Blickwinkel des wirtschaftlichen Überlebens des Unternehmens jedoch sind diese einschneidenden Schritte unabdingbar notwendig“, so Dr. Thomas Egginger, Vorstand der Kliniken Nordoberpfalz AG. „Es ist uns als Kliniken Nordoberpfalz AG und unseren Gesellschaftern einfach nicht mehr möglich, die seit Jahren praktizierte Unterfinanzierung im Gesundheitswesen und damit des Krankenhauswesens in den bisherigen Strukturen zu kompensieren. Das hat uns in eine dramatische, existenzgefährdende Situation gebracht, der wir nun mit allen zur Verfügung stehenden
Mitteln begegnen.“

Für das Personal vor Ort würden gemeinsam mit dem Betriebsrat aktuell die Möglichkeiten eines Einsatzes an anderen Standorten der Kliniken Nordoberpfalz AG geprüft. „Im Allgemeinen haben wir den Betriebsrat früh über die Gesamtsituation des Unternehmens, insbesondere auch die wirtschaftliche, informiert. Jetzt gilt es, gemeinsam mit Hochdruck daran zu arbeiten, die besten Lösungen für unsere Kolleginnen und Kollegen zu finden“, betont Dr. Egginger.

Geburtshilfe Tirschenreuth wird wiedereröffnet

Außerdem wurde beschlossen, die Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth, die zur Bewältigung der Corona-Pandemie kurzfristig ans Klinikum Weiden verlagert wurde, wieder zu eröffnen.

Der Sanierungsplan umfasse auch die Prüfung vieler anderer Bereiche innerhalb des Klinikverbunds, wie beispielsweise Anpassung von medizinischen Leistungsspektren, Optimierungspotentiale in Prozess- und Organisationsthemen oder dem Einkauf. Zudem seien auch bereits viele weitere Maßnahmen eingeleitet oder umgesetzt worden.

Zusätzliche Informationen:

Betten: Krankenhaus Vohenstrauß: 40, Orthopädische Rehabilitation Waldsassen: 50

Beschäftigte: rund 65 VK

Sachstand IGZ: Die Realisierung eines IGZ (Intersektoralen Gesundheitszentrums) wird seitens der Kliniken Nordoberpfalz AG sowohl für Waldsassen als auch für Vohenstrauß weiterhin angestrebt. Seitens des Freistaats wurden positive Zeichen für eine Umsetzung signalisiert. Derzeit laufen die Verhandlungen mit den Kostenträgern. Unabhängig vom Standort wird die Umsetzung jedoch nicht durch die Kliniken Nordoberpfalz AG erfolgen. Der Klinikverbund hat aber eine enge fachliche Begleitung zugesichert.

8 Kommentare

  1. Dr Knut Thielsen schreibt:

    Fassungslos – und zwar sowohl in der Sache als erst recht über den Zeitpunkt der Entscheidung!

  2. Walter Thurn schreibt:

    Ich darf Herr Landrat Andreas Meiers Aussage zum Krankenhaus Vohenstrauß vom 11. März 2020 zitieren (Onetz): „Das Krankenhaus muss keinen Gewinn erwirtschaften“, betonte er. Ziel müsse es demnach sein, die AG so aufzustellen, dass die Defizite erträglich bleiben. Bereits vor zwei Wochen wies er den Kämmerer des Landkreises an, in den laufenden Haushalt zusätzlich eine Million für das Krankenhaus in Vohenstrauß einzustellen, um Defizite abzudecken und die Zeit zu erkaufen, um sich zukunftsfit aufzustellen. Weitere 500 000 Euro waren bereits im Haushalt vorhanden, um weitere Eventualitäten abzudecken. „Das ist ein greifbares und fassbares Zeichen dafür, dass wir das Krankenhaus noch nicht abgeschrieben haben und wir es weiterentwickeln wollen für die Zukunft und nicht nur dicke Backen machen“, setzte der Landrat eine Spitze an die neugegründete Interessengemeinschaft. Jetzt, wo der Landrat wiedergewählt ist, ist die Weiterentwicklung des Krankenhauses Vohenstrauß ganz schnell in Vergessenheit geraten. Der einzige, der hier dicke Backen machte, war demzufolge Landrat Meier selbst. Die Tatsache aber, dass man kurz nach der Kommunalwahl und mitten in der Corona-Krise solche Entscheidungen trifft und dem Personal, das Unglaubliches leistet, solche Ohrfeigen verpasst, ist eine riesengroße Schande für die Verantwortlichen dieser Kliniken AG und für die Politiker, die dessen Geschicke mitbestimmen, allen voran Landrat Meier. Man hat aus dieser Krise rein gar nichts gelernt, wenn man nicht gemerkt hat, dass man sich in Zukunft wieder breiter aufstellen muss. Und die Millionen werden weiter in Weiden versickern….

  3. Die Wahrheit schreibt:

    ihr werdet den kleinen Krankenhäusern noch nachweinen. früher als es noch keine machtgeilen Manager gab lief alles gut mit unseren Krankenhäusern. und noch was seit es das Klinikum weiden gibt wird alles nach weiden verlegt da stimmt doch was nicht.

  4. Walter J. Pilsak schreibt:

    Traurig, traurig, nicht nur erst seit heute! Es zählt nur noch die Gier nach Geld. An dieser Einstellung wird auch die jetzige Coronakriese nichts ändern, auch wenn dies viele gehofft hatten. Im Gegenteil: Beispiel Waldsassen. Nachdem die Klinik aufgrund der Coronapandemie geräumt wurde, belässt man es gleich dabei. Ist ja so einfach!

  5. Smoko schreibt:

    Alles nach Weiden.

  6. Marc Rauchenberger schreibt:

    Starke Leistung. Macht nur die kleinen Krankenhäuser kaputt. Das Wohl der Patienten ist den Geldgeilen Managern vollkommen egal.

  7. Brummbär schreibt:

    Was macht die AG wenn sie alle kleinen Häuser zugesperrt haben und trotzdem noch ein Defizit einfahren? Man sollte eher mal im Mutterhaus aufräumen bevor man die kleinen Häuser schließt!

  8. Pingback: 25 Krankenhausschließungen 2020 in Deutschland - Führungskraft mit Herz

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