Mundartschmankerln aus dem Stiftland und Franken

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Mitterteich. Beim Literaturtreffen „Unna Sprouch“ beleuchten Redakteurin Christl (Muck) Schemm aus Arzberg und der frühere Grundschulrektor Manfred Brunner aus Waldsassen die Dialektunterschiede zwischen Sechsämterland und Stiftland genauer. 

Von Werner Männer

Mundart Literaturtreff Mitterteich

Manfred Brunner und Christl (Muck) Schemm gestalten den „Mundart-Abend“ des Arbeitskreises Literatur im Mitterteicher Mehrgenerationenhaus.

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Schemm ist die Tochter des bekannten Schriftstellers und Autors Otto Schemm. Sie zitierte für den fränkischen Teil einige lustige Begebenheiten aus den Büchern ihres Vaters. Grundschulrektor a. D. Manfred Brunner erinnerte an die im Stiftland und vor allem in Waldsassen bekannte Autorin Barbara Heinrich, die 1924 in Waldsassen geboren wurde. Er begann mit ihrem Gedicht „Hinta d‘ Sandgroum“.

„Sie hat ihre Umwelt ganz bewusst wahrgenommen“, erinnerte sich der ehemalige Rektor. Sie brachte Alltägliches, Lustiges und Ernstes zu Papier. Ihre Mundartaufzeichnungen handeln zum Beispiel vom „Amselnest“ oder der „Schwammzeit“. Die Autorin stellte aber auch Überlegungen über den Tod – „Doud“ – an, und warum er nicht so wie die Geburt akzeptiert werde.

„Hoimwai“ plagt Schemm

Heuer wäre Vater Otto Schemm 100 Jahre alt geworden. „Eigentlich hätte er Schauspieler werden wollen, ist aber dann Lehrer geworden“, berichtete seine Tochter. Er mauserte sich später zum bekannten Mundart-Autor für Theaterstücke. Die Geschichten aus dem Buch „Stoagass“, aus dem sie zitierte, erfreuten ihre Zuhörer – viele von ihnen kannten sie bereits. Im Buch „Der Internist“ beschrieb Otto Schemm wie es ihm als Internatschüler ergangen war. „Für ihn ist das wie ein Gefängnis gewesen“, berichtete Muck Schemm. „As Hoimwai“ habe ihn sehr geplagt und er habe viel „gwoint“.

Am Beispiel von seinem Buch „Stieferl“, einem alten Arzberger Bekannten, stellten sie fest, dass zwischen den Mundarten nur geringfügige Unterschiede bestehen. Er habe beim „Weißen-Otto“ sein Bier nicht ausgetrunken und nebenbei seinen „Dogda“ (Arzt) zur Weißglut gebracht.

Mundart Literaturtreff Mitterteich

Gestenreich liest Christl Muck Schemm aus den Büchern ihres Vaters.

Ein Ort mit zwei Monden

Zum Abschluss dieses literarischen Treffens sammelte die Besucher Wörter, die heute kaum noch gesprochen werden und deren Bedeutung kaum bekannt sind – zum Beispiel Reitschule (Karussell).

Musiker Rainer Artmann steuerte einige musikalische Mundartbeiträge bei wie die Hymne von Haingrün bei, einen Ort bei Groschlattengrün: „Hoigroi ist schoi, des mua ma g‘stei“. Sie handelt darum, dass der Mond in den Teich gefallen ist und ihn keiner herausholen kann. „Damit ist Haingrün der einzige Ort mir zwei Monden“, so das Fazit. Den Refrain durften dann alle mitsingen. Artmann bekam sehr viel Beifall.

Der nächste Literatur-Treff im Mitterteicher Mehrgenerationenhaus ist am 18. November geplant.

Mundart Literaturtreff Mitterteich

Musiker Reiner Artmann unterhielt mit musikalischen Mundartbeiträgen unter anderem mit Schnaderhüpferln die Besucher.

Mundart Literaturtreff Mitterteich

Musiker Reiner Artmann

Bilder: Werner Männer 

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