Geheimes Häftlingsradio – Wie Geschichte lebendig wird

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Weiden. Ein selbstgebautes Radio trägt eine besondere Geschichte. Berufsschüler sorgen mit einem Projekt dafür, dass sie auch gehört wird.

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Berufsschüler bauen ein Radio nach. Das Original gebaut von Zwangsarbeitern erzählt eine bewegende Geschichte. Bild: Tomas Roubicek

Ein geheimes Radio war der Ausgangspunkt für ein Kooperationsprojekt von Jugendlichen aus Deutschland und Tschechien. Die für Ende September gemeinsam geplante Spurensuche in Jáchymov (Joachimstal) im Erzgebirge konnte coronabedingt nicht stattfinden, jetzt stellen die Organisatoren von der Evangelischen Jugend für Gedenken und Versöhnung im Dekanat Weiden, der Kirche der Böhmischen Brüder in Aš sowie dem Projekt Spolek Politicti Vezni.cz (Political Prisoners.eu) aber ihr gesammeltes Material im Internet zur Schau. „Es zeigt ein Kapitel der deutsch-tschechischen Geschichte, das vielen in Deutschland unbekannt ist“, berichten die Verantwortlichen.

Zeitzeugen-Interviews und das Video einer Führung durch das Gelände der ehemaligen Uranmine würden zeigen, unter welchen Bedingungen zunächst Kriegsgefangene der Wehrmacht und später politische Häftlinge unter der Herrschaft der Kommunisten geschunden wurden. „Unter den Häftlingen in dem Zwangsarbeiterlager waren viele Pfadfinder. Ihr einziges Vergehen war es häufig, dass sie versucht hatten, aus der damaligen Tschechoslowakei zu fliehen“, erläutert Gisela Baur-Pajak von der Projektstelle für Gedenken und Versöhnung.

„Unsere Jugendbegegnung im September hätten deshalb auch Pfadfinder aktiv mitgestaltet. Jetzt freuen wir uns, dass wir unser gesammeltes Material nicht nur den angemeldeten Teilnehmern, sondern allen Interessierten zur Verfügung stellen können. So kann Geschichte auch in Pandemiezeiten lebendig vermittelt werden.“

Besonders bewegend ist die Geschichte um ein heimlich von den Zwangsarbeitern gebautes Radio. Damit konnten sie sich mitten in der „Joachimsthaler Hölle“ über Radio Free Europe und andere westliche Sender über die politische Weltlage informieren. Im Herbst 2019 hatten Berufsschüler aus der Oberpfalz und Tschechien gemeinsam das Gehäuse des geheimen Radios nachgebaut, das Innenleben wurde vom Verein Spolek Politicti Vezni.cz rekonstruiert.

Wer mehr über das Projekt erfahren und die Akteure kennenlernen will, findet nun unter tinyurl.com/RadioPadlet zahlreiche Informationen in deutscher und tschechischer Sprache.

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