Baugebiet „Im Badgarten“ kommt nicht so schnell voran wie geplant

Störnstein. Schnell hatte es gehen sollen mit der Ausweisung des Baugebietes „Im Badgarten“, aber ein halbes Dutzend Gemeinderäte hadert mit Vorgaben des Bebauungsplans. Ein Gutachten soll nun klären, wie gut oder schlecht Regenwasser dort versickert.

Das Baugebiet „Im Badgarten“ kommt nicht so schnell voran wie geplant. Gemeinderäte von FW und SPD hadern mit verschiedenen Vorgaben des Bebauungsplanentwurfs. Foto: Eichl

Zweieinhalb Stunden diskutiert der Gemeinderat über die Stellungnahmen von Fachstellen und Privatleuten zum Bebauungsplanentwurf. Michael Wagner vom Grafenwöhrer Architektur- und Ingenieurbüro Schultes, der die Punkte erläutert, fühlt sich zwischendurch angegriffen. Bürgermeister Markus Ludwig sagt nach gut einstündiger Debatte nur über die Stellungnahme des Bundes Naturschutz: „Wir kommen doch so keinen Deut weiter.“

Gemeinde setzt auf dezentrale Entwässerung

Der Bund Naturschutz (BN) bemängelt zum Beispiel, das im Bebauungsplan vorgesehene Konzept zum Umgang mit Regenwasser sei das falsche angesichts von Starkregen. Die Gemeinde setzt auf ein dezentrales System aus freiwillig einzubauenden Zisternen, einem Regenrückhaltebecken und einer gedrosselten Einleitung des Regenwassers in den Kanal; dies nach dem Prinzip, dass Bauherren, die viel Fläche versiegeln, entsprechend mehr tun müssen für die Regenrückhaltung.

Der BN dagegen fordert unter anderem, den Bau von Zisternen mit einem Fassungsvermögen von mindestens sechs Kubikmeter je Grundstück vorzuschreiben. Die Fraktion der Freien Wähler und Teile der SPD sprechen sich gegen die vom Ingenieurbüro vorgeschlagene Lösung aus, es kommt zu einem Patt von sechs zu sechs Stimmen, womit das dezentrale System abgelehnt ist.

Wagner fragt nach Alternativen

Nach reger Debatte über die notwendige Größe einer Zisterne sagt Wagner, es sei unerheblich, welche Größe man im Bebauungsplan vorschlage, denn es werde immer Menschen geben, die das Wasser aus der Zisterne gar nicht nutzten und deren Zisterne dann überlaufe, „aber wir müssen irgendwie weiterkommen“.

Jürgen Völkl (CSU) warf ein, eine hundertprozentige Rückhaltung sei ohnehin nicht zu erreichen. Der Gemeinderat einigt sich darauf, ein Bodengutachten abzuwarten, das klären soll, wie gut oder schlecht im „Badgarten“ Regenwasser überhaupt versickern wird.

Wasserwirtschaftsamt fordert zentrale Anlage

Dem Wasserwirtschaftsamt gehe es nicht um die Größe von Zisternen, das Amt sieht in dem Baugebiet am besten eine zentrale Regenwasserbehandlungsanlage verbaut, über die gezielt in einen Vorfluter abzuleiten sei. Die Gemeinde will laut Wagner aber unbedingt an dem System festhalten, das auch die Grundstücksbesitzer an der Entwässerung beteiligt. Die Gemeinde Püchersreuth praktiziere das seit Jahren schon mit Erfolg.

Wasserversorgung darf sich nicht verschlechtern

Dem Wasserwirtschaftsamt geht es in seiner Stellungnahme auch um die Wasserversorgung. Diese dürfe sich durch das neue Baugebiet nicht für den Rest des Dorfes verschlechtern. Wagner sagt dazu, das sei eine Aufgabe, die über die Erschließungsplanung gelöst werden müsse. Möglicherweise seien Leitungen zu vergrößern, der Druck zu erhöhen. Die Entscheidung über die Stellungnahme des Wasserwirtschaftsamtes wird ebenfalls von dem Bodengutachten abhängig gemacht.

Sorgen um den Hochwasserschutz

Wagner betont, das neue Baugebiet löse eventuelle Hochwasserprobleme des Dorfes nicht, es werde sie aber auch nicht vergrößern. Und auch der Bürgermeister unterstreicht: „Natürlich darf nachher niemand schlechter dran sein als jetzt.“

Das genügte Elke Troppmann (SPD) nicht. Sie sagt, das Thema Hochwasser werde viel zu lapidar abgetan, die Gemeinde könne doch gar nicht sicherstellen, dass das Baugebiet die Gefahr nicht verschärfe. Worauf Ludwig erwidert, über eine gefrorene Wiese laufe sicher mehr Wasser ins Dorf hinunter als über ein Baugebiet mit einer geregelten Versickerung.

Alternative Standorte: Angebot „nicht geeignet“

Von Privatleuten liegen fünf schriftliche Stellungnahmen vor, in denen es unter anderem um die Frage geht, ob es nicht alternative Standorte gegeben hätte. Meiler spricht wiederholt von Tauschangeboten. Ludwig sagt, bis zum Aufstellungsbeschluss im Mai habe es keine solchen gegeben; ein späteres Angebot habe sich als nicht geeignet erwiesen, da in dem Fall auch noch weitere Grundstückseigentümer hätten tauschen müssen.

Die kritischen Punkte beim Baugebiet „Im Badgarten“

  • Der Bund Naturschutz fordert unter anderem, Bauherren den Einbau einer Regenwasserzisterne von mindestens sechs Kubikmetern vorzuschreiben.
  • Das Wasserwirtschaftsamt sieht die im Bebauungsplan vorgesehene Art der Regenwasserrückhaltung ebenfalls kritisch und fordert den Bau einer zentralen Regenwasserbehandlungsanlage.
  • Für das Landratsamt muss über ein Gutachten geklärt werden, wie schwer die Geruchsbelästigung durch die angrenzende Landwirtschaft ist.
  • Von den Bürgern kommt unter anderem die Befürchtung, das neue Baugebiet könne die Hochwassergefahr für weiter unten liegende Dorfgebiete erhöhen.

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.