Jugendzentrum zeigt Theater über Kinderarmut

Weiden. Kinderarmut ist auch in Deutschland ein Problem. Das lernten insgesamt 100 Schülerinnen und Schüler bei einem Präventionstheater in Weiden.

Schülerinnen der Sophie-Scholl-Realschule spielten im Stück mit. Bild: Juz Weiden
Bild: Juz Weiden
Bild: Juz Weiden

Aufgrund der aktuellen Lage war das Theater nicht öffentlich, sondern wurde nur schulintern in Form von vier Vorstellungen für einzelne Klassen vorgeführt. Trotzdem konnte der Stadtjugendring so insgesamt 100 Schülerinnen und Schülern das Theaterstück im Juz präsentieren.

Acht Schülerinnen der Sophie-Scholl-Realschule wirkten als Schauspielerinnen mit. Organisiert wurde das Präventionstheater von Jean-François Drožak von „Kunstdünger“, einer Agentur für Kulturdesign, gefördert von Demokratie Leben.

Kreative Lösungen finden

Das Stück „Pleitegeier“ sensibilisiert durch Interaktion und gibt viele Anregungen, kreative Lösungen zu finden. Das Publikum sieht in zahlreichen beispielhaften Szenen, mit welchen alltäglichen finanziellen Problemen die Hauptfigur Anna und ihre Familie konfrontiert sind.

Dabei wird deutlich, was es für Kinder bedeutet, arm zu sein: Nicht dazuzugehören, verhöhnt und verachtet zu werden und Empfänger von Mitleid zu sein, für das man gefälligst dankbar zu sein hat. Um das sehr knappe Budget der Familie zu verdeutlichen, steht ein riesiger Rechenschieber auf der Bühne. Die Kugeln auf der Stange stehen für den Regelsatz, die Annas Mama monatlich für sie zur Verfügung hat.

Nach jeder Szene entscheidet das Publikum, wie viel Geld wofür ausgegeben wird. Für jede zehn Euro, die ausgegeben werden, wandert eine Kugel von links nach rechts.

Starke Gemeinschaft wichtig

Das Stück nimmt am Ende eine Wendung und zeigt auf, wie man mit wenigen Mitteln, viel Kreativität und einer starken Gemeinschaft Lösungen finden kann. Parallel zur Theaterproduktion erarbeitet Schulsozialarbeiterin Franziska Striegel mit Schülerinnen eine Agenda. Zu Beginn stand eine Umfrage auf dem Plan: Was wünschen sich Jugendliche für Weiden, und wie kann Teilhabe gelingen. Die Ergebnisse werden dem Jugendpfleger Ewald Zenger vorgestellt.

Auch der Stadtjugendring ist fortwährend mit Jugendlichen im Gespräch. Im Anschluss an das Stück fand eine Diskussion zwischen den jungen Darstellerinnen und dem Publikum statt. Ausgangspunkt ist die Frage: „Was braucht ein Kind wirklich?“ Dabei ist Geld meist nicht die erste und schon gar nicht einzige Antwort. Sehr häufig werden Spielen, Liebe, Kuscheln, Eltern und Geschwister, Ferien – und sogar Bildung als Glücksbringer genannt.

„Was bedeutet Armut für ein Kind?“

Durch theaterpädagogisches Erleben finden die Zuschauer einen neuen Zugang zu den Fragen „Was bedeutet Armut für ein Kind und was ist wirklich wichtig im Leben?“. Durch die interaktive und dadurch sehr intensive und persönliche Auseinandersetzung erlebt das Publikum, wie schwierig es für eine finanziell benachteiligte Familie ist, finanzielle Entscheidungen zu treffen.

Die Projektpartner und jungen Schauspielerinnen geben bewusst keine oberflächlichen Antworten auf die oben gestellten Fragen, sondern sie fordern jeden Einzelnen auf, auf eigene Gedanken zu kommen. Dabei wird klar: Ganz ohne Geld geht es nicht und eine eindeutig richtige Entscheidung gibt es nicht. Die vom Stück angebotene Lösung überrascht aber: „Geld ist nicht alles. Haltet zusammen und lasst euch selbst etwas einfallen!“

Stück in vier Tagen einstudiert

Jean-François Drožak von der Agentur Kunstdünger macht eine besondere Form von Präventionstheater. Er castet im Vorfeld an der Schule mit der er kooperiert interessierte Schauspielerinnen. Diese lernen in vier Tagen das Stück und bringen es auf die Bühne. Das Jugendzentrum hatte in dieser Form schon Theaterstücke mit mehreren Weidener Schulen mit Themen wie „Mobbing“, „Sucht“, „Depressionen“ und „Rechtsradikalismus“.

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