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Oberpfälzer Whiskey: Wasser, Getreide und vieeel Zeit

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Erbendorf. Was haben Steinwald und Schottland gemein? In beiden Gegenden wird erstklassiger Whisky gebrannt. In Erbendorf gibt es sogar einen der besten der Welt: den Stonewood 1818 Bavarian Single Grain.

Von Udo Fürst

Der Steinwald ist bekannt für tiefe Wälder, zerklüftete Felsen, raues Klima und hart arbeitende, bescheidene Menschen. Kaum zu glauben, dass ausgerechnet aus dieser Ecke einer der besten Whiskys der Welt kommt. Der Stonewood 1818 Bavarian Single Grain Whisky wurde 2008 mit der Goldmedaille vom World Spirit Awards ausgezeichnet und nur zwei Jahre später mit 91 Punkten in Jim Murray’s Whisky-Bible aufgenommen. Kategorie: brillant. Seitdem reißt sich die (Whisky-)Welt um diesen goldbraunen Tropfen.

Wie ein Donnerhall

Whiskey Erbendorf In Fässern im Kellergewölbe reift der "Steinwald-Whiskey" heran

Schuld daran, dass die ansonsten höchstens mit vielen Steinen gesegnete Ecke im armen Nordostbayern in der Welt des Whiskys einen Namen wie Donnerhall hat, ist die Steinwälder Hausbrennerei Schraml. Gregor Schraml, der Chef, ist Schnapsbrenner in der sechsten Generation. Seine Heimat rund um den Naturpark Steinwald beschreibt er als „bayerische Highlands“. Es gibt hier glasklares Wasser, gutes Getreide und – viel Zeit.

Mehr Zutaten braucht es nicht für einen guten Whisky,

weiß der diplomierte Lebensmitteltechnologe. Die vierte Zutat, das besondere Image, besitzt der Stonewood 1818 seit seinen Auszeichnungen. Mittlerweile kann sich die Erbendorfer Whiskybrennerei vor Anfragen kaum retten. Mehr als 5000 Bestellungen liegen vor, weit mehr, als sie liefern kann. Der jährliche Ausstoß beträgt zwischen 150 und 300 Flaschen. Dafür zahlen Whiskyliebhaber fast jeden Preis. 120 Euro kostet eine 0,7-Liter-Flasche, fast 50 Euro mehr als vor einigen Jahren. Einzelhändler hätten ihm vorgehalten, seinen Whisky, der ja jetzt den „Touch des Exklusiven“ habe, viel zu billig zu verkaufen, berichtet Schraml. Doch selbst wenn Liebhaber noch so viel zahlen würden – sie müssen jetzt ganz tapfer sein: Der „1818“ ist total ausverkauft. Erst im September 2019 kann man das begehrte Tröpfchen wieder ordern.

Whiskey Erbendorf 120 Euro kostet eine Flasche des edlen Whiskeys - und erst 2019 ist der wieder zu haben.

Seit mehr als 100 Jahren nach Familienrezept

Gregors Vater Alois, 80, hatte sich bereits in den Fünfzigern am Whisky versucht, wollte den heute wie damals gleichen Kornbrand als Steinwald-Whisky auf den Markt bringen. Die Idee floppte – wohl vor allem deshalb, weil ein richtiger Whisky zu jener Zeit aus Amerika oder Schottland zu stammen hatte. Obwohl ihn sein Vater eindringlich gewarnt habe, Ähnliches noch einmal zu versuchen, wagte Gregor das Experiment. Der 42-Jährige verpasste seinem Whisky ein edleres Gewand, gab ihm einen neuen Namen und ließ ihn international begutachten. Von da an begann der Siegeszug des alten Bauernkorns.

Ob Steinwald-Whisky, Bauernkorn oder Stonewood 1818 – an der Herstellungsweise des Brandes hat sich seit mehr als 100 Jahren nichts geändert. Christoph Karl Schraml, Gregors Urgroßvater, hat die Rezeptur Ende des 19. Jahrhunderts schriftlich festgehalten. Bis heute hält man sich penibel genau an die Vorgaben. Nur der Arbeitsplatz hat sich geändert. Die Schramls brennen ihren Schnaps in einem einstigen Benediktinerkloster im Herzen Erbendorfs. Dort schäumt in zwei überdimensionalen Holzfässern die Maische aus Weizen und Braugerste, ehe sie in der Destillerie gebrannt wird.

Whiskey Erbendorf Wie in Schottland gibt es auch im Steinwald die richtigen Zutaten für einen guten Whiskey: Klares Wasser, gutes Getreide - und viel Zeit

Beliebte Liköre

Der Whisky hat die Brennerei zwar berühmt gemacht, ist aber längst nicht das einzige Produkt – im Gegenteil. Der Anteil des Stonewood 1818 am jährlichen Gesamtausstoß von 80.000 Flaschen liegt im Promillebereich. „Aber er hat die gesamte Produktpalette hochgezogen“, glaubt Schraml. Kerngeschäft sind die ebenfalls prämierten Liköre, Obstgeiste und Bierbrände. Die Brennerei Schraml ist gut ausgelastet, verzeichnet seit Jahren zweistellige Umsatzsteigerungen und beschäftigt sechs Mitarbeiter. „Steinwälder“, „Wurzelstolperer“ und „Kräutersegen“ heißen die Schnäpse „Made in Erbendorf“.

Bester Werbe- und Imageträger aber bleibt der Whisky, dessen Sortiment Schraml kräftig erweitern will. Zum Beispiel mit dem Stonewood Woaz, einem fünf Jahre alten Single Wheat Malt, dem bald ein drei Jahre alter Whisky folgen soll. 20.000 Flaschen Whisky werden die Schramls heuer produzieren – wesentlich mehr als bisher und doch nur ein Klacks im internationalen Vergleich.

Whiskey Erbendorf Der Stonewood 1818 Bavarian Single Grain Whisky wurde 2008 mit der Goldmedaille vom World Spirit Awards ausgezeichnet

Der erfolgreiche Weg der Schnapsbrennerei ist nicht verborgen geblieben. So zeichnete das „Regionalmarketing Oberpfalz“ den Erbendorfer Betrieb vor drei Jahren als Unternehmen des Monats aus. Trotz des fast schon kometenhaften Aufstiegs seiner Firma: Gregor Schraml ist auf dem Boden geblieben. Er will seinen Whisky auch nicht zu weiteren internationalen Prämierungen schicken. Medaillen und Punkte seien zwar gut fürs Ego, für ihn aber nicht so wichtig. „Ob Likör, Geist oder Whisky. Unsere Produkte sind für ganz normale Menschen.“

Bilder: Gabi Schönberger

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