Intensivstation: Kliniken AG verbessert Behandlung

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Weiden. Neue Wege, die das Team der Interdisziplinären Intensivstation der Kliniken Nordoberpfalz AG bei der Behandlung von Patienten geht, zeigen Erfolg. Die Kliniken AG schulte mehr als 500 Ärzte und Pflegekräfte in ganz Deutschland. 

Faltlhauser Intensivworkshop_Klinikum_Weiden

Praktische Inhalte nah am Patienten vermitteln: das ist der Kern der Workshops, in denen das Team der Interdisziplinären Intensivstation 83 am Klinikum Weiden um Leiter Andreas Faltlhauser bereits mehr als 500 Teilnehmer aus ganz Deutschland geschult hat. Foto: Kliniken Nordoberpfalz AG.

Für viele gehört es zu den schlimmsten Vorstellungen: ein naher Angehöriger liegt wegen einer schweren Erkrankung, eines Unfalls oder einer großen Operation auf der Intensivstationen. Eindrücke, die geprägt sind von Geräten, Schläuchen und Katheter, an die der Angehörige angeschlossen ist, dazu eine sterile Atmosphäre. Eine ähnliche Vorstellung: Menschen, die in ein künstliches Koma versetzt wurden und auf Ansprache oder Berührungen nicht mehr reagieren. Dass sich solche Vorstellungen aber nicht zwingend bewahrheiten müssen, zeigt sich auf der Interdisziplinären Intensivstation 83 am Klinikum Weiden: hier geht man seit mehreren Jahren einen anderen erfolgreichen Weg.

Lange Zeit war unter Intensivmedizinern die Versetzung in ein künstliches Koma ein anerkanntes und in der klinischen Routine häufig angewendetes Verfahren. Seit etwa 15 Jahren wissen Mediziner aber, dass diese Technik, Patienten während einer akuten Krankheitsphase mit Medikamenten ruhig zu stellen, in vielen Fällen nicht dem Behandlungserfolg dient, sondern im Gegenteil den Patienten schadet. „Patienten haben durch länger dauernde Sedierung ein erhöhtes Risiko, ein Delir – also einen akuten Verwirrtheitszustand – zu erleiden. Inzwischen ist unstrittig, dass diese akuten Verwirrtheitszustände direkte Auswirkungen auf den Gesundungsprozess des Patienten haben können“, erklärt Andreas Faltlhauser, Leiter der Interdisziplinären Intensivstation 83 am Klinikum Weiden. So treten beispielsweise häufiger Infektionen und Wundheilungsstörungen auf, Krankenhausaufenthalte werden verlängert, manche Patienten sterben sogar an den Komplikationen. Aber auch auf die geistige Leistungsfähigkeit der Patienten nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation kann ein Delir fatale Auswirkungen haben. Viele Patienten büßen erheblich an geistigem Leistungsvermögen wie Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit und Erinnerungsvermögen ein.

Neue Wege zeigen Erfolg

Das Team der Interdisziplinären Intensivstation 83 am Klinikum Weiden geht seit nunmehr sieben Jahren einen anderen Weg – mit Erfolg. Anstatt einen Patienten mit Medikamenten ruhig zu stellen, werden die Patienten, auch wenn sie künstlich beatmet werden müssen, ihren Bedürfnissen entsprechend mit Schmerzmitteln und angstlösenden Medikamenten behandelt. Eine Sedierung, also das Ausschalten des Bewusstseins, ist so nur noch in sehr seltenen Fällen – und auch dann nur für kurze Zeit – nötig. „Dadurch kann ein Patient früher aus dem Bett mobilisiert werden, früher auf die Unterstützung von Geräten, wie zum Beispiel der künstlichen Beatmung, verzichten und seinen Gesundungsprozess aktiv mitgestalten“, so Faltlhauser.

Diese neue Herangehensweise in der Intensivmedizin erfordert jedoch ein Umdenken von allen Beteiligten: Ärzten, Pflegekräften, Physiotherapeuten – aber auch Angehörigen. Gerade sie spielen in diesem Konzept eine entscheidende Rolle, da sie einen unschätzbaren Beitrag dazu leisten, den Patienten über seine Situation zu orientieren und moralisch zu unterstützen. Deshalb werden die Angehörigen aktiv in die Therapie eingebunden und so zum Bestandteil des therapeutischen Konzepts. Alle wissenschaftlichen Studien deuten darauf hin, dass diese neue Herangehensweise für die Patienten sehr positive Auswirkungen hat. Diese Auswirkungen sind für das Team der Interdisziplinären Intensivstation 83 in der täglichen Praxis spürbar.

Kliniken AG schult 500 Pflegekräfte und Ärzte

Über die letzten Jahre hat das Team ein Umfeld geschaffen, in dem diese Konzept des „Nichtsedierens“ durch die Vermeidung von Lärm, unnötiger Lichtexposition, die Förderung des natürlichen Schlafs und vor allem die frühzeitige konsequente Mobilisierung der Patienten aus dem Bett sehr gut funktioniert. Diese Erfahrungen geben Ärzte und Pflegekräfte seit einigen Jahren in regelmäßigen Workshops und durch Hospitationen direkt in der alltäglichen klinischen Praxis am Patientenbett an interessierte Ärzte und Pflegekräfte aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland weiter.

Inzwischen haben etwa 500 Teilnehmer aus ganz Deutschland, von Unikliniken ebenso wie Krankenhäusern der Regelversorgung, die Workshops und Praktika am Klinikum Weiden besucht und so Ideen und Denkanstöße für ihre eigene klinische Praxis erhalten. Den Initiatoren der Workshops Andreas Faltlhauser und Markus Argauer ist dabei wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass es nicht möglich ist, die Strukturen und Herangehensweisen einfach zu übernehmen: Viel mehr ist ein Umdenken in den Köpfen aller Mitarbeiter nötig.

Dieser Prozess muss individuell in allen Intensivstationen entwickelt und gesteuert werden.“

Eine Goldrandlösung, die für alle passt, gibt es nicht“, betont Faltlhauser, der 20.165 dieser Workshops in ihrer jetzigen Form entwickelt und seither medizinisch geleitet hat. Zusammen mit Markus Argauer, der die pflegerischen Aspekte vertritt, und wechselnden externen Referenten entstand so eine wertvolle Plattform den Teilnehmern praxisnah direkt am Patientenbett diese neue Philosophie der Patientenversorgung vermittelt.

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