Kampf gegen die Fischräuber

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Kleinsterz. Etwa 1.000 Tonnen Fisch werden die Teichwirte im Landkreis Tirschenreuth heuer ernten. Dabei könnten es viel mehr sein, wenn da nicht ein paar Räuber wären. 

Von Udo Fürst

Abfischen Fische Kleinsterz Thomas Beer 3

Fischwirtschaftsmeister und ARGE Fisch-Vorsitzender Thomas Beer wirft an einem seiner Teiche bei Kleinsterz das Netz aus.

Eigentlich ist Thomas Beer zufrieden. Zufrieden mit der Witterung in diesem Jahr und zufrieden mit der deshalb zu erwartenden guten Fischernte. Allerdings steht hinter diesen Erwartungen das Wörtchen „eigentlich“.

Denn die haupt- und nebenberuflichen Teichwirte kämpfen gegen ein großes Problem: Die als Fischräuber gefürchteten Kormorane, Reiher und Fischotter machen ihnen zu schaffen. „Die Teichwirtschaft wird dadurch zunehmend schwieriger“, sagt der Fischwirtschaftsmeister und Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Fisch im Landkreis Tirschenreuth.

Mehr und mehr Teichwirte geben auf

Teichwirte hätten die Region als Kulturlandschaft geprägt. Im Landkreis gebe es mehr als 4.000 bewirtschaftete Teiche und die ARGE Fisch habe viel zur Identifikation der Region mit dem Karpfen beigetragen, sagt Beer. Diese Errungenschaft sei nun aber wegen der ausufernden Bürokratie und durch Kormoran und Fischotter stark gefährdet. „Einige Teichwirte haben deshalb schon aufgegeben und es werden noch mehr, die bald keine Lust mehr haben.“

Ein prächtiger Spiegelkarpfen aus den Teichen von Thomas Beer.

Politik zu langsam!

Thomas Beer weiß zwar von Bekenntnissen der Politik, sich dem Problem anzunehmen, aber das alles dauert ihm viel zu lang. „Den Worten müssen Taten folgen“, forderte auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei der Eröffnung der Oberpfälzer Fischsaison. Er kritisierte die Politik, die zu langsam und zu bürokratisch agiere. „Nur mit Schönrederei wird das nix.“

Der Bezirkstagspräsident sprach noch ein weiteres Problem an: Die zu geringe Nachfrage der Menschen aus der Region nach heimischem Fisch.

Was läuft eigentlich falsch, wenn ich für heimische Produkte werben muss?“

meinte Löffler. Die Eröffnung der Fischsaison als Marketingkampagne gebe es seit 13 Jahren. Sie solle die Öffentlichkeit für Fisch aus der Region sensibilisieren. „Viele essen lieber teuren Seefisch und andere Meeresfrüchte anstatt unsere Karpfen oder Forellen“, bedauerte Löffler.

Teichwirte der Zukunft

„Wir müssen diese einmalige Kulturlandschaft erhalten“, so der Bezirkstagspräsident weiter und hatte Hoffnung: „Dazu braucht es solch einfallsreiche Teichwirte wie Thomas Beer. Wer eine solche Basis hat, der ist gerüstet für die Zukunft.“ Damit nahm Löffler Bezug auf den Fischwirtschaftsmeister Thomas Beer.

Der vermarktet sein regionales Produkt in seinem Fischzuchtbetrieb in Kleinsterz auch touristisch. Seinen Gästen bietet er neben einer kleinen Gastwirtschaft – in der seine Frau kocht – Teichführungen, Gästezimmer und Ferienwohnungen und somit Natur- und Fischerlebnis pur.

Miteinander mit Fischräubern schaffen – nicht ausrotten!

Thomas Beer setzt im Zusammenhang mit dem Fischräuberproblem auf die Zusammenarbeit mit dem Naturschutz. „Wir wollen den Kormoran, Fischreiher und Otter nicht ausrotten, sondern ein verträgliches Miteinander schaffen.“

Nicht vergessen dürfe man, dass die Tiere auch Vögel und Amphibien fressen. Dagegen müsse man gemeinsam vorgehen. „Der Fischbesatz wird jedes Jahr mehr und die Erträge immer weniger. Das kann nicht so weitergehen.“

Abfischen Fische Kleinsterz Thomas Beer 1

Die Teichwirte in der Oberpfalz fahren wie hier bei Muckenthal im Landkreis Tirschenreuth ihre Ernte ein.

Laut wissenschaftlicher Erkenntnisse fresse ein Otter pro Tag rund 1,5 Kilogramm und damit pro Jahr über zehn Zentner Fisch. Der Kormoran vertilgt demnach täglich 500 Gramm Fisch. Für Beer und alle anderen Fischzüchter und Teichwirte in der Oberpfalz ist klar, dass die Fischräuber reduziert werden müssten.

Trotz dieser Probleme feiert die Region auch heuer zur Karpfenernte ihre große Tradition mit den Erlebniswochen Fisch. Schließlich blickt man auf fast 1.000 Jahre Geschichte zurück. Dass Fisch aus dem „Land der 1000 Teiche“ – tatsächlich sind es bekanntlich 4.700 Fischgewässer – ein Genuss für Gaumen und Gewissen ist und wie Fischerzeugung und Ökologie eng zusammen hängen, zeigt die ARGE Fisch bis zum Wochenende 12./13. Oktober (Kornthaner Karpfenkirchweih) bei mehreren Veranstaltungen hautnah, informativ, unterhaltsam und lecker zugleich.

Die Erlebniswochen Fisch sind eröffnet! Hier lesen.

Bilder: Udo Fürst 

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2 Kommentare

  1. Heinz Harfmann schreibt:

    Auf dem Bild ist ein Schuppenkarpfen zusehen und kein Spiegelkarpfen.

  2. Petra Meissner schreibt:

    Danke lieber Naturschützer wir haben auch aufgegeben. Das ganze Jahr arbeitest dich ab und dann kommen 20 Kormorane und machen die Arbeit kaputt.

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