Raiffeisenmarkt-Chef schlägt Alarm: „Wir zerstören unsere Landwirtschaft“

Erbendorf. Geschäftsführer Josef Scheidler hatte in einem Brandbrief an den Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht die dramatische Situation der Bauern geschildert. Der Parlamentarier schaute jetzt in Erbendorf vorbei.

Albert Rupprecht (Dritter von rechts) hatte auf den Brandbrief reagiert und war nach Erbendorf gekommen. Foto: Roman Melzner

Der Bundestagsabgeordnete Albert Rupprecht stattete den Verantwortlichen der Raiffeisen-Markt Waren GmbH in Erbendorf einen Besuch ab. Auslöser war ein Brandbrief, den deren Geschäftsführer Josef Scheidler an den CSU-Abgeordneten geschrieben hatte.

35 Millionen Euro Umsatz

Josef Scheidler stellte Albert Rupprecht eingangs kurz die mittlerweile elftgrößte Raiffeisen-Warengenossenschaft in Bayern vor, die mit einem Gesamtumsatz von über 35 Millionen Euro ein Arbeitgeber für mittlerweile 73 Personen ist. Eine Lanze brach der Raiffeisen-Lagerhauschef dabei für die Landwirte. „Über 260.000 Voll- und Nebenerwerbslandwirte sorgen für die Ernährung von über 83 Millionen Bundesbürgern“, so Scheidler.

Er warnte davor, im Lebensmittelbereich genauso abhängig zu werden wie es aktuell beim Thema Energie ist. In der Landwirtschaft und den nachgelagerten Bereich sind mehr Arbeitnehmer beschäftigt als in der Automobilindustrie, pflichtete ihm Bürgermeister Johannes Reger bei, der auch an dem Treffen teilnahm.

Moderne Landwirtschaft wird in Misskredit gebracht

Scheidler bedauerte, dass immer wieder versucht werde, die moderne Landwirtschaft in Misskredit zu bringen. Er erinnerte dabei an Bildern von Massentierhaltungen, Nitrateintrag und giftigen Pflanzenschutzmitteln. Nirgends sei hingegen zu lesen, dass durch den modernen Ackerbau die Bodenfruchtbarkeit größer ist als vor 50 Jahren. Die Lebensmittel hingegen werden zu Discountpreisen im Supermarkt angeboten.

Landwirte verdienen immer weniger

„Auch trotz steigender Inflation verdienen die Landwirte dabei immer weniger“, verurteilte Scheidler die aktuelle Politik. Auch das Lagerhaus wurde während der Pandemie bis heute alleine gelassen und erhielt kaum Unterstützung. „Im Gegenteil – Auflagen des Ordnungsamtes waren in kürzester Zeit umzusetzen, ohne zu sagen, wie man dies bewerkstelligen sollte“, erinnerte Scheidler.

Bauern stehen vor großen Herausforderungen

Er ging auch auf die zukünftigen Herausforderungen in der Landwirtschaft ein, wie der zunehmenden Wetterabhängigkeit, den zunehmend erschwerten Produktionsanforderungen bei hochwertigen Lebensmitteln, aber auch dem Strukturwandel, der in der Landwirtschaft besonders dynamisch verläuft.

Wird unsere Landwirtschaft kaputt gemacht?

„Wir sind drauf und dran unsere heimische Landwirtschaft zu zerstören und uns in Abhängigkeiten zu begeben, die wir einmal teurer bezahlen werden“, mahnte der Geschäftsführer des Lagerhauses. Als Beispiel nannte er, dass Lagerhäuser auch in ganz Bayern immer mehr Kontrollen unterliegen, die die Mitarbeiter von ihrer eigentlichen Arbeit abhalten.

Rupprecht warnt vor einer Planwirtschaft

Albert Rupprecht, der aufmerksam den Vortrag verfolgte, warnte davor, dass man in Deutschland aufpassen muss, um nicht in eine Planwirtschaft abzudriften. Ihm fehlen von der aktuellen Regierung komplett marktwirtschaftliche Ansätze. „Die Gesetze und Vorgaben sind alle ideologisch gesteuert“, so Rupprecht. Er erinnerte dabei an die von den Grünen diskutierte CO₂-Steuer für Kühe.

Deine Meinung? Hier kommentieren!

* Diese Felder sind erforderlich.