„Solidarisches Erbendorf“ protestiert gegen Corona-„Spaziergänge“

Erbendorf. Der Gegenprotest war so einfach wie effektiv. Die Versammlung "Solidarisches Erbendorf" hat den Leuten, die sich jeden Sonntag in Erbendorf unangemeldet versammeln, den Treffpunkt blockiert. Die Demonstrierenden wollen nicht, dass ihre Stadt von Rechten instrumentalisiert wird.

Mussten die Gegendemonstranten zuvor auf einen anderen Platz ausweichen, durften sie jetzt wieder in den Stadtpark, wie schon Ende Januar (siehe Bild). Archivbild: Beate Luber
Mussten die Gegendemonstranten zuvor auf einen anderen Platz ausweichen, durften sie jetzt wieder in den Stadtpark, wie schon Ende Januar (siehe Bild). Archivbild: Beate Luber
Der Platz, auf dem sich die

Seit 1. Advent läuft das jeden Sonntag in Erbendorf normalerweise so ab: Mehrere Hundert Leute, die von sich behaupten, einfach „spazieren zu gehen“, treffen sich vermeintlich rein zufällig auf dem eingezäunten Stadtpark vor der Stadthalle in Erbendorf. Dann ziehen sie durch die Stadt, vorbei an Altenheimen und Krankenhaus, durch Wohngebiete, rufen, pfeifen, tröten in Vuvuzelas. Am Ende treffen sie sich wieder im Park mitten in der Stadt, applaudieren und gehen auseinander. Seit knapp zwei Monaten ging das so – am vergangenen Sonntag war es anders.

„Solidarisches Erbendorf“

Laut Polizeiangaben sind es 450 Menschen, die wieder einmal nach Erbendorf anreisen. Doch zu ihrem angestammten Treffpunkt im Stadtpark dürfen sie nicht. Denn etwa 50 Erbendorferinnen und Erbendorfer treffen sich dort zu einer Gegendemo unter dem Motto „Solidarisches Erbendorf“. Polizistinnen und Polizisten postieren sich an den Eingängen zum Park. „Wollen Sie an einer angemeldeten Versammlung teilnehmen?“, fragt ein Polizist einen schwarz gekleideten Mann, der in den Stadtpark will. „Ich will hier nur spazierengehen“, antwortet der. Der Polizist weist ihn ab. Eine Teilnehmerin, die nach Polizeiangaben versucht, die angemeldete Versammlung zu stören, wird in Gewahrsam genommen. Sie habe dabei Widerstand gegen die Polizeibeamten geleistet, heißt es im Polizeibericht.

Gegendemo beschmipft und ausgepfiffen

Lisa Bregler aus Erbendorf hat die Gegendemo ziemlich spontan angemeldet. Sie ist Krankenschwester. Der Grund für ihren Gegenprotest erklärt sie knapp und bündig: „Wir haben die Leute lang genug gewähren lassen. Die sagen, die sind normale besorgte Leute, schwurbeln aber was von Diktatur. Das ist absoluter Quatsch.“ Die vermeintlichen „Spaziergänger“ sind sichtlich sauer, dass sie nicht auf ihren angestammten Platz dürfen. Einige Hundert stehen um den Zaun, pfeifen und beschimpfen die Leute aus dem Gegenprotest.

Die Demo wendete sich auch explizit gegen die Beteiligung Rechter und Rechtsextremer bei den illegalen Ansammlungen. Bild: Beate Luber

Vor allem Auswärtige

450 „Spaziergänger“ gegen 50 Demonstrierende, die Verhältnisse sind etwas schief. Doch nach Aussage von Erbendorfs Bürgermeister Johannes Reger ist nur ein kleiner Teil der „Spaziergänger“ aus dem Einzugsgebiet von Erbendorf. Er beobachtet die unangemeldeten Massenaufläufe seit einiger Zeit. Die Woche zuvor waren etwa 460 auf der Straße, laut Reger stammten nur etwa 20 davon aus dem Bereich Erbendorf/Krummennaab/Wildenreuth. Auch deshalb ist der CSU-Mann bei der Gegendemo dabei.

Ich will nicht, dass uns so viele Auswärtige als Plattform für ihre Aktivitäten benutzen.

Laut den Autokennzeichen kommen die Leute bis aus Schwandorf, Wunsiedel, Bayreuth, Cham. Mit dem kleinen Teil an Leuten, die aus Erbendorf dabei sind, sucht Reger das Gespräch. „Wir laden sie zu Gesprächskreisen ein, um ihre Sorgen und Nöte ernst zu nehmen.“ Eine Allgemeinverfügung gegen die unangemeldeten Massenansammlungen sei rechtlich schwer durchzusetzen.

In rechten Netzwerken beworben

Die Einheimischen, die zu dem Gegenprotest gekommen sind, zeigen sich entsetzt von der riesigen Menschenmenge, die durch die 5.000 Einwohner große Gemeinde zieht. „Die Leute in ihren Häusern haben Angst, wenn die da mit ihren Vuvuzelas vorbeiziehen“, erzählt eine Frau. Besonders schlimm findet sie, dass die Route an den Altenheimen vorbeiführt, die in der ersten Corona-Welle viele Tote zu beklagen hatten.

Ein anderer Teilnehmer berichtet, dass mehr und mehr Rechtsextreme bei den illegalen Spaziergängen mitliefen. Auch der bekannte Neonazi Patrick Schröder aus Mantel sei schon mit dabei gewesen. Bürgermeister Reger betont jedoch, dass nicht alle „Spaziergänger“ Rechte oder Radikale seien. Jedoch nutze die rechte Szene die Corona-Proteste als Plattform. In rechten Netzwerken, vor allem auf Telegram, werde der illegale Massenauflauf breit beworben.

Gegendemo weiter geplant

„Ihr seid nicht der Widerstand. Ihr lauft mit Nazis Hand in Hand“ und „Ihr seid hier nicht willkommen“ steht auf großen Transparenten der Gegendemo. Die Erbendorferinnen und Erbendorfer haben das Gefühl, ihre Stadt wird instrumentalisiert für Zwecke, die mit viel zu tun haben, aber bestimmt nichts mit „Freiheit“ und „Demokratie“. Die Gegenveranstaltung „Solidarisches Erbendorf“ wollen sie am kommenden Sonntagabend im Stadtpark weiterführen.

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1 Kommentare

Irene Heinl - 08.02.2022

Habe kein Verständnis für die Menschen die im Schutz der Dunkelheit mit den Rechten und
Nazis mitlaufen.Wir leben in einer Demokratie so können Sie ihre Meinung auch bei Tageslicht auf den Marktplatz äußern, und müssen nicht mit den Leugner mit Maschieren.