Was macht ein Schweizer Postbus auf den Nordoberpfälzer Straßen?

Pleystein. Das Gefährt fällt im Nordoberpfälzer Straßenbild sofort auf. Seit April ist er bereits im Einsatz. Er gehört zum Fuhrpark des Pleysteiner Busunternehmens Bayer.

Der Autopostale-Bus hat bei den Schülern schon eine Fangemeinde. Foto: Theo Kurtz

Na, da reibt man sich verwundert die Augen. Ein Schweizer Postbus kurvt auf den Nordoberpfälzer Straßen. Das Gefährt sticht raus aus der Blechlawine, dank seiner gelben Folierung, des Posthorns im XXL-Format und der AutoPostale-Aufschrift. Nein, da hat sich niemand verfahren und auch ein möglicher Zoiglausflug mit trinkfesten Eidgenossen an Bord scheidet aus. Dafür ist der Setra hier schon zu lange unterwegs, seit April genau genommen. Er befördert Schüler, bedient unter anderem die Linien von Weiden nach Flossenbürg und Windischeschenbach und ist als Fahrschulfahrzeug im Einsatz.

Bus gehört den Bayers

„Das Fahrzeug gehört uns“, löst Tino Bayer mit einem Lächeln das Rätsel auf. Der Chef des gleichnamigen Pleysteiner Busunternehmens war auf der Suche nach einem neuen Fahrschulbus und wurde bei einem Händler fündig. „Wir hatten in den vergangenen 15 Jahren schon immer welche“, erzählt er. Dann kam Corona und der letzte wurde im vergangenen Jahr verkauft. Jetzt musste aber wieder einer her. Tochter Sandra macht eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin im Personenverkehr, ist im dritten Lehrjahr. Dafür braucht sie aber einen Führerschein.

Top-Ausstattung und der Preis waren interessant

„Der Preis und der Gesamtzustand des Busses waren für mich ausschlaggebend“, erzählt er. Die Schweizer legen, wer hätte auch daran gezweifelt, großen Wert darauf, dass die Fahrzeuge einen gepflegten Eindruck machen. Und auch die Ausstattung hat es in sich. Im Gegensatz zu manchem deutschen Linienbus, in dem der Fahrgast leise vor sich hinträllern muss, wenn er so etwas wie Musik hören möchte, sind in den Schweizer Postbussen leistungsstarke Radioanlagen verbaut.

Nicht mehr drin ist hingegen die Hupe. Die haben sich die Eidgenossen gesichert. Sie ist eine Rarität, sie wird nicht mehr produziert. Doch die Schweizer wollen halt auf den allzuvertrauten, eher asthmatisch klingenden Tü-Ta-Too-Sound nicht verzichten. Darum werden alle ausgebauten Hupen auf Vordermann gebracht und in die neuen Busse wieder reingeschraubt.

Bus war in der italienischen Schweiz unterwegs

Alle Sitze sind mit Sicherheitsgurte ausgestattet. Busgäste müssen sich – im Gegensatz zu uns – bei den Eidgenossen grundsätzlich anschnallen. Damit es keiner vergisst, wird er dezent auch mit einem „E Obbligatorio allacciare la cintura di sicurezza“ hingewiesen. Klingt italienisch? Ist es auch. Der Bus war schließlich im Tessin unterwegs. Und noch eine Fahrzeugbesonderheit gibts: Er ist etwa im Vergleich zu den deutschen Modellen um einen halben Meter kürzer und damit wendiger. Wichtig, bei serpentinenreichen Strecken und Passstraßen. Und davon gibts in dem italienischsprachigen Kanton einige.

Sandra Bayer könnte den Postbus nach ihrer Ausbildung steuern. Foto: Theo Kurtz

Schüler wollen mitfahren

Der AutoPostale-Bus hat – zumindest unter den Schülern – schon eine große Fangemeinde. „Die wollen, wenn sich die Gelegenheit bietet, immer damit mitfahren“, erzählt Bayer. In erster Linie das große Posthorn hat es ihnen angetan. Und an der Originalfolierung wird er auch nichts ändern. Kein Wunder, die findet man auf dem deutschen Fahrzeugmarkt wohl nur schwer ein zweites Mal. Nur der „Bayer“-Schriftzug wird mal angebracht. „Aber so, dass er zum Gesamtbild passt“, verspricht der Busunternehmer.

950.000 Kilometer zeigt der aktuelle Tachostand an. Rund eine halbe Million kann man noch drauffahren. So wird man also auch in den nächsten Jahren in die „La classe gialla“ zusteigen können. Und wahrscheinlich wird dann Tochter Sandra am Steuer der „Gelben Klasse“ sitzen.

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