Zündfunk-Bogdahn mit Promis auf den höchsten Gipfeln der Republik

Regensburg. Viele von uns hat er durch unsere Zündfunk-Jugend begleitet. Jetzt debütiert Achim „Sechzig“ Bogdahn in der Buchhandlung Dombrowsky als Buchpräsentator. Mit einer aufsehenerregenden Reisereportage.

Zündfunk-Moderator Achim „Sechzig“ Bogdahn liest in der Buchhandlung Dombrowsky aus seiner Buchpremiere. Bild: Peter Geiger

Im Herzen, da scheint Achim „60“ Bogdahn sowieso längst ein Regensburger zu sein. Denn als Ort für die Sneak-Preview seines Buchdebüts „Unter den Wolken“, da suchte sich der Zündfunk-Redakteur, der im Radio bei Bayern 2 auch das „Tagesgespräch“ und „Eins zu Eins“ moderiert, zielsicher die Buchhandlung Dombrowsky am Kassiansplatz aus.

Bei seinem letzten Aufenthalt hier quatschte er Ulrich Dombrowsky, den Buchhändler, einfach an – und der sagte, ohne dass über Honorar oder Spesen geredet worden wäre – für die Eröffnung seines „Literarischen Herbsts“ kurzerhand zu.

Bogdahn hat Regensburgs Image verjüngt

Achim Bogdahns Faible für Regensburg reicht weit zurück: Seit den 1990er Jahren berichtet er von hier immer live in seinen Samstagssendungen. So hat er nicht nur ein tragfähiges Netz an Freunden vor Ort geknüpft: Der Oberpfälzer Popmusikbeauftragte Säm Wagner gehört ebenso dazu wie Kinounternehmer Achim Hofbauer, der das Porträtfoto im Buch beigesteuert hat. Außerdem hat er dafür gesorgt, dass die lange doch eher verschnarchte Domstadt an der Donau ein Image als Weltkulturerbe und Metropole der Kurzfilmtage, von Indiebands und pfiffigen Kiosken aufbauen konnte.

57 ist Bogdahn mittlerweile. Und dass es so lange gedauert hat mit seinem Debüt als Buchautor, das erzählt er hier vor ausverkauftem Haus in für ihn typischer Weise: Beim Hochfahren – Achim Bogdahn setzte schon lange vor dem Neuneuroticket auf die Bahncard100 – saß er einem jungen Typen gegenüber, der als Bodenleger in Landshut arbeitet und sich am Wochenende in Regensburg von Mama verköstigen lässt. Der hatte dem Achim auch diese Frage gestellt. Und erhielt als Antwort, dass er als Radiojournalist einfach immer ganz ganz viel zu tun gehabt hätte. Außerdem sei er ja dreifacher Familienvater.

Der Don Camillo des Bayerischen Rundfunks ist 1860-Fan: Ausgerechnet in Regensburg. Immerhin hat der SSV Jahn die Löwen in den Untergrund geschickt. Bild: Peter Geiger

16 Radio-Reportagen „Unter den Wolken“

Aber dass es jetzt schließlich doch geklappt hat, mit „Unter den Wolken“, seinem in Heynes Hardcover-Programm erschienenen Buch, das hat er seiner Rundfunkarbeit zu verdanken. Nachdem er von einem Mann namens „Brocken-Benno“ gelesen hatte, bot Bogdahn dem Rucksackradio auf Bayern 2 eine Reihe an, für die er mit mehr oder weniger prominenten Begleitern auf den jeweils höchsten Gipfel eines Bundeslands steigen würde.

Rekordwanderer Brocken-Benno, eigentlich Benno Wolfgang Schmidt aus Wernigerode,hat die gut elfhundert Meter hoch liegende Spitze von Sachsen-Anhalt nämlich schon über achttausendmal bestiegen. Und Achim Bogdahn begleitete ihn, mit Mikro und Notizblock. Um darüber zunächst fürs Radio und jetzt auch fürs Buch zu berichten.

Auch ein Meister der Abschweifung

Berichten? Ach, was für ein gleichermaßen langweiliger wie untauglicher Begriff für diese 16 Reportagen plus Vorwort und ergänzt um eine „Soundtrack zum Buch“ genannte Playlist mit seinen Lieblingsliedern von der Wanderung. Was diese mehr als vierhundert Seiten ausmacht und auszeichnet? Achim Bogdahn vereint die Tugend eines Jean Paul („Meister der Abschweifung“ wurde der Goethe-Zeitgenosse genannt) mit denen des New Journalism.

Will sagen: Er erzählt ganz viel aus seinem eigenen Leben und dem seiner prominenten Begleiter. Und auch davon, mit welchen das gemeinsame Wandern nicht geklappt hat. Überhaupt formt Bogdahn ganz viel aus dem Drumherum. Und kommt gerade deshalb zum Punkt, weil nicht der Gipfel, sondern der Weg dorthin sein zentrales Ziel ist.

Achim Bogdahn und der Regensburger Kino-Doyen Achim Hofbauer, Bild: Peter Geiger

Mit Mehmet Scholl, Lars Riedel, Manuel Andrack und und und …

Ungelogen: Bei Dombrowsky haben manche der Gäste zwischendurch Probleme, die Bodenhaftung zu bewahren. Beispielsweise, wenn Achim – alle in der Buchhandlung nennen ihn jetzt so, auch wenn er in einer von Mehmet Scholl und Waldemar Hartmann bevölkerten Episode durchschimmern lässt, dass er nicht durchwegs ein Freund des Duzens ist – von seinem Besuch in Sachsen beim Kaktusliebhaber und Diskus-Olympiasieger Lars Riedel erzählt.

Oder wenn er mit Manuel Andrack im Saarland, „mindestens so groß wie dieses Buch“, nach dem Besteigen des Dollbergs (695 Meter) eine der zahlreichen Talsperren dieses Bundeslands umrundet – leider in der verkehrten Richtung. Weshalb aus den geplanten eineinhalb Kilometern bei Sturm und Regenwetter eine Odyssee existenziellen und lebensbedrohlichen Ausmaßes wird.

Intensive Zugabe mit Dorfpunk Rocko Schamoni

Am intensivsten freilich: die Zugabe! Auch wenn Achim gar nicht vordrang, zum Kern des Ganzen, zur Besteigung des einhundertsiebenundsechzig Meter hohen Bungsbergs in Schleswig-Holstein in Begleitung von „Dorfpunk“ Rocko Schamoni. Die Episode über Pommes und die anschließende Übernachtung im „Tannenhof“ war dennoch von solch schlagender Brutalokomik, dass der Autor dieser Zeilen auch tags darauf noch – trotz geübter Lachmuskulatur – an einer Übersäuerung in diesem Bereich laboriert.

Ungelogen. Wer’s nachprüfen möchte, besorgt sich für schlappe 22 Euro diesen blauen Ziegel mit dem von offenkundig von Nils Holgersson inspirierten Cover (Achim liebt Skandinavien!) und schlägt nach. Ab Seite 131 geht da nämlich der Punk ab!

Achim Bogdahn und Buchhändler Ulrich Dombrowsky. Bild: Peter-Geiger

Weitere Lesungen aus „Unter den Wolken“

Achim Bogdahn liest noch dreimal in der Oberpfalz:

  • am 27. September in Amberg im Luftmuseum,
  • am 25. Oktober in Lappersdorf im Aurelium und
  • am 27. Januar 2023 in Sulzbach-Rosenberg in der Buchhandlung Volkert.

Alle 16 Plauder-Wanderungen kann man hier anhören: Eins zu Eins. Der Talk

Diese und andere bekannte Persönlichkeiten haben Achim Bogdahn bei der Erklimmung der kleinen und großen Berge vor der eignen Haustüre begleitet (zum Anhören auf den Namen klicken):

1. Mehmet Scholl / Baden-Württemberg / Feldberg

2. Felix Neureuther / Bayern / Zugspitze

3. Judith Holofernes / Berlin / Großer Müggelberg

4. Anke Domscheit-Berg / Brandenburg / Kutschenberg

5. Henning Scherf / Bremen / Erhebung im Friedehorstpark

6. Denis Gastmann / Hamburg / Der Hasselbrack

7. Anna und Lisa Hahner / Hessen / Die Wasserkuppe

8. Devid Striesow / Mecklenburg-Vorpommern / Der Helpter Berg

9. Margot Käßmann / Niedersachsen /Wurmberg

10. Hans-Joachim Watzke / NRW / Der Langenberg

11. Edgar Reitz / Rheinland-Pfalz / Erbeskopf

12. Manuel Andrack / Saarland / Der Dollberg

13. Lars Riedel + Jens Weißflog / Sachsen / Der Fichtelberg

14. Benno Schmidt / Sachsen-Anhalt / Der Brocken

15. Rocko Schamoni / Schleswig-Holstein / Der Bungsberg

16. Kathi Wilhelm / Thüringen / Der Große Beerberg

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