Seit 1957: Das Maibaumaufstellen hat in der Marktgemeinde Tradition

Kirchenthumbach. Der Mai steht vor der Tür und damit auch das traditionelle Maibaumaufstellen. Dieser Brauch wird seit 1957 auch in Kirchenthumbach gepflegt.

Dieses Bild vom Maibaumaufstellen stammt aus dem Jahr 1979. Foto: Heimat- und Trachtenverein

Der erste Maibaum wurde vor exakt 65 Jahren durch die Kolpingfamilie aufgestellt. In den weiteren Jahren haben das dann noch die Katholische Landjugend, die Volkstanzgruppe und seit 1996 der Heimat- und Trachtenverein übernommen. Anfangs wurde der Maibaum vor der alten Raiffeisenbank/Gasthaus Thumbeck aufgestellt. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse und dem hohen Sicherheitsrisiko wurde der Baum dort mithilfe eines Krans vom Holzfuhrunternehmer Alfred und Michael Götz hochgehievt.

Maibaum steht seit 1991 am Turnerplatz

1991 wechselte der Standort zum Turnerplatz. Es musste erst einmal ein Loch gebuddelt werden, dass einigen Schweiß und Denkarbeit erforderte. Um ein Haar wäre dieses neue Loch dann auch prompt in der Walpurgisnacht zugefüllt worden, wenn nicht der Nachbar, Erich Knopf, einen SOS-Ruf an die Verantwortlichen absendete, die die Unholde dann vertrieben. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde 2019 das letzte Maibaumfest gefeiert. Heuer übernimmt diese Tradition der Katholische Burschenverein, der die Bevölkerung für Samstag, 30. April, ab 18 Uhr zum Maibaumfest am Turnerplatz einlädt. Für Musik, Speis und Trank ist gesorgt.

Josef Leipold hat jede Menge Anekdoten auf Lager

Jahrzehnte war Josef Leipold, Vorstand des Heimat- und Trachtenvereins, beim
Maibaumaufstellen dabei. Er erzählt einige Anekdoten von früher. Das Vorbereiten des Baumes und die Handgriffe wurden immer routinierter. Nachdem 1978 der stattliche 30 Meter hohe Baum aufgestellt war und Alfred Götz seinen Kran verkehrssicher geparkt hatte, saßen alle gemütlich bei einem Bier. Da flüsterte er Josef Leipold ins Ohr: „Größer und stärker derf der nimmer wern sonst bring i den nimmer rei.“

1984 die erste Katastrophe, den Maibaum hats derbröselt!. Der Wind soll es gewesen sein, der in der Nacht die stolze Krone der 28 Meter hohen Fichte geköpft hat. Die zweite Katastrophe 1987, diesmal hats ihn ganz derbröselt. Wieder war es der Wind, der ganze Arbeit geleistet hatte und
den Maibaum, ohne Krone, entstellt hat.

Baum muss mindestens 25 Meter lang sein

Einen Maibaum aufstellen macht Spaß. Die Organisation, also Baum auswählen, schneiden, transportieren, schmücken, bewachen und schließlich aufstellen, die kostet Zeit, Geld und Arbeit. Zuerst muss der Baum ausgesucht werden. Er sollte mindestens 25 Meter lang sein und von kerzengeradem Wuchs. Unmittelbar nach dem Fällen wird der Baum entastet und entrindet. Der
Abtransport erfolgte mittels Traktor. Danach werden die Maibaumkränze gebunden. Unterstützt wurde der Verein dabei von der Bereitschaft Kirchenthumbach des Bayerischen Roten Kreuzes und der Freiwilligen Feuerwehr. Schließlich wiegt so ein Koloss einiges.

Maibaumbett für die Aufpasser

Zudem mussten die Maibäume auch bewacht werden. Anfangs wurde dies direkt im Wald gemacht, natürlich mit Bier und Brotzeiten zur Stärkung. Jedoch lauerten Maibaumdiebe, die erfolgreich in die Flucht geschlagen wurden. Später wurde der Maibaum zum Aussiedlerhof Wirl in den Kuhstall gebracht. Dort wurde aufgepasst. Den Burschen wurde sogar für diesen
Knochenjob ein Maibaumbett im Maibaumhotel hergerichtet.

War das Bett einmal belegt, dann konnte man auch auf dem Baum schlafen. Geschlafen wurde nicht, oder nur sehr wenig. Die Verantwortlichen waren sich sicher, dass aus dieser Festung kein Maibaumdieb dieser Welt den Maibaum stehlen konnte, deshalb war er 2019 unbewacht und wurde sofort entwendet. Die Diebe verlangten Brotzeit und Bier. Das war zu teuer, deshalb wurde innerhalb eines halben Tages ein Ersatzbaum organisiert.

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