Vorgarten statt Fitnessstudio: So hältst du dich fit

Trabitz. Kreisgartenfachberaterin Maria Treiber gibt wertvolle Tipps zur ökologischen Gartengestaltung, welche individuell umsetzbar sind.

An die essenzielle Bedeutung der Insekten für die Natur erinnerte Kreisgartenfachberaterin Maria Treiber in ihrem Vortrag über naturnahe Gartengestaltung. Bild: Bernhard Piegsa

Auch wenn sie manchmal lästig fallen, geht es in unserem Ökosystem nicht ohne Insekten: Sie sind Blütenbestäuber, Aasvertilger, Schädlingsbekämpfer und Nahrung für Vögel, Fledermäuse und Amphibien. Deshalb sollte man sich nicht scheuen, ihnen im eigenen Garten „Wohnrecht“ zu gewähren.

Tipps zur Gestaltung „naturnaher Gärten“ gab Kreisgartenfachberaterin Maria Treiber in der Trabitzer Alten Säge auf Einladung der LBV-Naturschutzgruppe und des Vereins „Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE) VierStädtedreieck“.

Ökologie und Ästhetik vereinbar

Dabei räumte die Diplomingenieurin für Gartenbau mit einem Klischee auf: „Ein biologisch wertvoller Garten muss nicht verwildert, sondern kann auch geradlinig strukturiert sein.“ Ökologie und Ästhetik seien kein Widerspruch, sondern ließen sich bestens vereinbaren.

Sinnfällig werde das etwa, wenn man bei der Auswahl von Gehölzen und Blumen bewusst auf eine kontinuierliche Blüh-Abfolge von Spätwinter bis Herbst achte. Dies verhelfe nicht nur Bienen und anderen Insekten zu einem konstanten Nahrungsangebot, sondern schaffe auch fast das ganze Jahr hindurch ein buntes und gefälliges Erscheinungsbild.

Heimisches Ökosystem

Bei der Wahl von Bäumen, Sträuchern und Blumen sollten heimische Arten bevorzugt werden, zumal viele Insekten auf die Pflanzen des heimischen Ökosystems spezialisiert seien.

Dem Artenreichtum bei Pflanzen wie Kleintieren diene auch, den Rasen in nicht zu kurzen zeitlichen Intervallen zu mähen. Außerdem sollte bei jedem Mähgang jeweils möglichst nur ein Teil der Rasenfläche begangen werden, sodass der Blütenpflanzenwuchs auf der übrigen Fläche noch länger ungestört bleibe.

Verzicht auf Torf und chemische Dünger

Auf Torf, dessen Abbau ökologisch wertvolle Moore zerstöre, sollte der Gärtner ebenso verzichten wie auf chemischen Dünger, an dessen Stelle man natürliche Düngemittel oder Brennnesseljauche verwenden oder auch bodenstickstoffanreichernde „Gründünger“-Pflanzen ansäen könne.

Anstelle von Pflanzenschutzmitteln solle man auf schädlings- und krankheitsvertreibende „Beipflanzen“ und auf „Nützlingsinsekten“ setzen: „Wenn man etwas Geduld bewahrt, stellen sich Florfliegen, Marienkäfer und andere Nützlinge ganz von selbst ein.“ Insektenhotels sollten keinesfalls an der Nord- oder Westseite des Grundstücks platziert werden, betonte die Expertin.

„Wildes Eck“ für naturnahe Vegetation

Nicht konsequent beseitigen sollten Gartenfreunde Herbstlaub, weil es Fauna und Flora schütze und ein wertvoller Grundstoff für Humus sei. Ein Teil davon sollte aufgehäuft werden, um Igeln als Laubversteck Unterschlupf in der kalten Jahreszeit zu bieten. Wenn es die Grundstücksstruktur erlaube, solle ein „wildes Eck“ angelegt werden, an dem sich eine naturnahe Vegetation frei entfalten könne.

Auf Komposthaufen hätten Fleischabfälle, die Ratten anlocken könnten, und von Pflanzenkrankheiten befallenes Grüngut nichts zu suchen. Für Zäune und Mauern solle man ressourcenschonend auf altes Holz- und Steinmaterial zurückgreifen, plastikarm und so weit wie möglich in Handarbeit gärtnern: „Nicht ins Fitnessstudio gehen, sondern in den Garten.“

Auch auf kleinem Raum möglich

An weiteren Gestaltungselementen erwähnte Maria Treiber Versickerungsflächen, kleine Teiche als Tränken für Vögel und Kleintiere, Regentonnen zum Einsparen kostbaren Leitungswassers fürs Gartengießen sowie Dachbegrünungen und wändebewachsende Kletterpflanzen. Und wenn man keinen Garten, sondern nur einen Balkon besitzt? „Auch auf kleinem Raum kann man unserer Kleintierwelt mit Wildblumen und kleinen Sträuchern in Blumenkästen und Töpfen Gutes tun“, ermunterte die Referentin.

Nächtliche Beleuchtung minimieren

Auf nächtliche Beleuchtung sollte tunlichst verzichtet werden, um im Interesse von Insekten und anderen Lebewesen die „Lichtverschmutzung“ nicht zu erhöhen, die den Biorhythmus bei Menschen und Tieren empfindlich störe und die für nachtaktive Insekten lebensnotwendigen Dunkelzonen verkleinere, empfahl Gartenfachberaterin Maria Treiber in ihrem Vortrag über naturnahe Gartengestaltung: „Das gilt auch und gerade in der Weihnachtszeit.“

Könne man auf Lichtquellen nicht verzichten, so empfehle sich die Verwendung warm weißer LED-Leuchtmittel: „Sie gelten als besonders insektenfreundlich.“ Wer wolle, könne seinen Garten im Rahmen der Aktion „Bayern blüht – Naturgärten“ durch den Landesverband für Gartenbau und Landespflege als „naturnah“ zertifizieren lassen. Schließlich merkte Maria Treiber noch an, dass die vermeintlich „pflegeleichten“ Kiesgärten im baurechtlichen Sinn als Wegflächen gälten: „Herbizide dürfen dort nicht verwendet werden.“

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